Flughafen Stuttgart Neue Parkplätze, die dann vermutlich keiner nutzt?

Von Thomas Krämer 

Am Flughafen Stuttgart mangelt es nicht an Parkplätzen – 11.000 Stück sind es. Berechnungen belegen, dass das ausreichend ist. Trotzdem werden weitere Parkmöglichkeiten geplant.

Mehr als 11 000 Parkplätze gibt es derzeit am Flughafen. Foto: Thomas Krämer
Mehr als 11 000 Parkplätze gibt es derzeit am Flughafen. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Am Flughafen gibt es genügend, wenn nicht sogar zu viele Parkplätze. Deswegen sollen weitere 2200 davon gebaut werden (unsere Zeitung berichtete). Verwirrt? Verständlich – so war auch die Stimmung bei den Mitgliedern des Technischen Ausschusses am Dienstag.

Mehrere Fraktionen hatten die Stadtverwaltung aufgefordert, das Gremium über die Parkplatzpläne am Flughafen zu unterrichten. Und das machte Martin Schindelin vom städtischen Planungsamt anhand von Zahlen und Prognosen, die der Flughafen selbst zur Verfügung gestellt hatte. Mehr als 11 000 Parkplätze stehen dort den Reisenden zurzeit zur Verfügung, 7700 würden genügen. Das zumindest hatte das Ingenieurbüro Bender und Stahl 2007 für damals gut zehn Millionen Fluggäste bestimmt. Hochgerechnet auf die heute knapp elf Millionen Passagiere „ist der Stellplatzbestand eher reichlich bemessen“, heißt es denn auch in der Vorlage. 2030 rechnet man am Flughafen mit 14,4 Millionen Fluggästen. „Daher wäre es nach der Prognose von Bender und Stahl überhaupt nicht notwendig, neue Parkplätze zu bauen“, so Schindelin.

Der OB begrüßt die Pläne des Flughafens

Hintergrund dieser Zahlenspiele dürfte sein, dass die Kommune das Parkhaus P1 über den S-Bahnschienen im Westen Echterdingens aus städtebaulichen Gründen ablehnt. Stattdessen baut man auf ein Parkhaus am derzeitigen Provisorium P0. Nebeneffekt wäre, dass durch üppige Abstellmöglichkeiten für Autos nicht ein weiterer Anreiz geschaffen wird, zum Flughafen oder der Messe mit dem Auto zu kommen und damit die ohnehin bestehenden Verkehrsprobleme zu verstärken.

Klenk begrüßte trotz der Zahlen in der Vorlage die Pläne des Flughafens, mehr Parkplätze zu bauen. „Lieber ein Schluck zu viel als zu wenig“, so der Oberbürgermeister. Wenn man die Flughafenparker aus der Stadt heraushaben wolle, dürfe der Flughafen selbst mit Parkplätzen nicht knapsen.

So lange es günstiger ist, in Echterdingen zu parken...

Ob das jedoch das Problem löst, dass vor allem in Echterdingen Autos aus halb Süddeutschland abgestellt werden, während sich die Besitzer unter südlicher Sonne bräunen? Dies zumindest wird von einigen Stadträten bezweifelt. „Es hilft nichts, wenn am Flughafen genügend Parkplätze zur Verfügung stehen, die Leute ihre Autos dort aber nicht abstellen“, so der Grünen-Stadtrat Frank Mailänder. Die Akzeptanz des Parkplatzbetreibers Apcoa sei das Problem. Ein Beispiel für das kommende Wochenende: Wer dort am Samstag sein Auto für acht Tage abstellt, bezahlt dafür zwischen 87 und 156 Euro. „Es ist günstiger, sein Auto in Echterdingen zu parken, ein paar Meter zur S-Bahn zu laufen, dort ein paar Euro für das Ticket zu bezahlen und direkt im Terminal herauszukommen“, bekräftige Katja Fellmeth (CDU).

Eine Lösung dieses Dauerproblems soll das Parkierungskonzept bringen, das derzeit von der Stadtverwaltung erarbeitet wird und in wenigen Monaten vorliegen soll. Die Bürgermeisterin Eva Noller dämpfte aber schon vorab zu große Erwartungen. „Das ist ein sehr komplexes Konzept auch hinsichtlich rechtlicher Fragen“, sagt Noller. Die Parkierung könne man letztlich nur über das Baurecht verbieten – „und das ist heikel“.




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