Der Flughafentunnel zwischen Filderstadt-Bernhausen und Stuttgart-Plieningen könnte für Autofahrer gesperrt werden. Wie würde sich das auf Leinfelden-Echterdingen auswirken.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Aus der Zeitung hat Roland Klenk, der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, erfahren, dass es Ideen gibt, den Flughafentunnel zwischen Stuttgart-Plieningen und Filderstadt-Bernhausen ganz oder teilweise für Autos zu sperren. Mit der Stadt sei das nicht abgesprochen gewesen, sagt der Verwaltungschef. Inzwischen habe man an das Regierungspräsidium Stuttgart geschrieben. „Wir haben die Frage gestellt, ob bekannt und geprüft ist, wie sich eine solche Sperrung auf die Stadt Leinfelden-Echterdingen auswirken würde“, sagt er und ergänzt: „Für uns ist diese Verbindung wichtig, wir wollen uns an der Diskussion beteiligen.“

 

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hatte vorgeschlagen, den Tunnel ganz oder zumindest in Richtung Stuttgart für den motorisierten Verkehr zu sperren. So könnten Radfahrer und Fußgänger den Tunnel besser und vor allem sicherer passieren. Denn sie müssen sich bisher einen schmalen Weg am Rand teilen. Das Radbündnis Filder hatte diese Idee wohl beim Ministerium eingebracht. Bisher waren die Reaktionen aber eher verhalten.

Nun soll eine Sperrung oder Teilsperrung des Flughafentunnels in einer Machbarkeitsstudie aus technischer Sicht betrachtet werden. Das Ergebnis könnte im kommenden Sommer vorliegen. Dabei gibt es zwei Varianten: Entweder es wird für motorisierte Fahrzeuge nur die Spur in Richtung Bernhausen freigegeben, sodass die Spur in Richtung Plieningen für Radfahrer und Fußgänger zur Verfügung steht. Oder Autos, Laster und Busse dürfen den Tunnel gar nicht mehr passieren. Ergänzend soll das Regierungspräsidium Stuttgart beide Möglichkeiten vertieft untersuchen und planen. Politik und Interessenverbände diskutieren die Idee kontrovers.

Freilich stößt der Vorstoß nicht überall auf Gegenliebe. So schlug der Filderstädter Kreisrat Richard Briem (Freie Wähler) vor, stattdessen einen separaten Tunnel für Radfahrer und Fußgänger zu bauen. Dabei geht es ihm auch um einen ökologischen Aspekt: „Eine weiträumige Umfahrung verursacht unzählig viel zusätzliche Abgase und Kohlendioxidausstoß“, sagte er vor Kurzem bei einer Debatte im Esslinger Kreistag. Die Radfahrerinnen und Radfahrer sowie der ökologisch wichtige Ausbau des Rad- und Fußgängerverkehrs rechtfertigten eine Investition von etwa 7,5 Millionen in einen separaten Tunnel, so Richard Briems Fazit. Indes war eine Machbarkeitsstudie des Verkehrsministeriums zu dem Ergebnis gekommen, dass „ein separater Tunnel für Rad- und Fußverkehr aus mehreren Gründen, wie der sehr hohen Kosten, den ungünstigen Höhenverhältnissen sowie der fraglichen sozialen Akzeptanz und Sicherheit“ nicht weiterverfolgt werden sollte.

Roland Klenk macht keinen Hehl daraus, dass er eine Sperrung des Flughafentunnels skeptisch sieht. „Wohin soll der Verkehr dann ausweichen?“, fragt er und antwortet selbst: „Das trifft unsere Gemarkung, das ist der kürzeste Weg, das muss man sich nur auf der Landkarte anschauen.“ Der Oberbürgermeister befürchtet, dass die Autos just über die Straßen rollen würden, die ohnehin schon stark belastet sind – insbesondere bei Messen und im Berufsverkehr. Bisher habe man zum Glück ein gut funktionierendes Verkehrskonzept, dieses könne aber ausgehebelt werden, wenn man eine so wichtige Verbindung wie den Flughafentunnel kappe.