Die Initiative Cycleride spricht von einem Schandfleck, Radfahrer würden ausgesperrt werden. Das Thema treibt auch Politiker und den Filderstädter OB um.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Diese Auszeichnung ist eigentlich gar keine: Seit 2006 verleiht die bundesweit aktive Initiative Cycleride den Negativpreis „Pannenflicken“ für „unzureichende, unzumutbare, unnötige, unbenutzbare und gefährdende Radverkehrsanlagen“. So formuliert es das Bündnis auf seiner Internetseite. In diesem Jahr ist unter anderem der Flughafentunnel zwischen Bernhausen und Plieningen nominiert.

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Die Initiative spricht von einem „regelrechten Schandfleck“. Seit mehr als 30 Jahren würden sich Radfahrer über diese Verkehrsverbindung ärgern, auf der sie nicht vorgesehen seien. „Die Situation auf der Fahrbahn war lange Zeit stressig. Eine Beschwerde vor einigen Jahren führte jedoch nicht etwa zu einer Verbesserung oder gar einem zweiten Tunnel, sondern zu einer Sperrung für Radfahrer“, fasst die Initiative die Historie zusammen. Seitdem dürften diese nur noch in Schrittgeschwindigkeit auf dem „ultraengen“ Gehweg durch den Tunnel fahren. Verdreckte Kleidung sei üblich, die Sturzgefahr nicht unerheblich.

Radfahrer müssen lange Umwege in Kauf nehmen

In der Tat ist der Steg im Tunnel nicht viel breiter als ein Fahrradlenker, wie Fotos auf der Cycleride-Internetseite illustrieren. Andreas Hentze ist Mitglied bei Cycleride, wohnt in Möhringen und kennt den Flughafentunnel nur zu gut: „Der Radfahrer ist dort quasi ausgesperrt“, sagt er. Auf dem Gehweg zu fahren sei „technisch sehr herausfordernd“. Und den Drahtesel durch den Tunnel zu schieben, sei praktisch ebenfalls kaum möglich. Schon gar nicht, wenn man beispielsweise ein E-Bike oder einen Kinderanhänger dabei habe. Denn bei Gegenverkehr auf dem Gehweg im Tunnel, komme man nicht an einander vorbei. Und ein E-Bike oder ein Fahrrad mit Anhänger könne man auch nicht mal eben über einen anderen Passanten hinwegheben. Wenden sei nicht möglich, und beim Rückwärtsschieben würden sich Fahrräder oft verhaken.

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„Der Flughafentunnel widerspricht jeder Empfehlung für Radverkehrsanlagen“, fasst Andreas Hentze zusammen. Er findet, dass es gar nicht notwendig ist, den Radler dort auszusperren und ihnen so einen Umweg von mindestens fünf Kilometern zuzumuten. Ohnehin wäre so ein Umweg für Autofahrer viel leichter zu bewältigen, gibt er zu bedenken. Andreas Hentze sieht aber auch kein Problem darin, dass die Pedaleure die Fahrbahn mit nutzen. Überholen sei zwar nicht möglich, aber dann müssten die Autos eben hinterherfahren, so wie zum Beispiel auch auf der Böblinger Straße in Kaltental. „Das ist hässlich für den Autofahrer“, räumt Andreas Hentze ein, „aber hinter einem Bagger fährt man auch her“.

Er kann sich auch eine Bedarfsampel vorstellen: Wenn ein Radler durch den Tunnel wolle, drücke er den Ampelknopf, die Autos bekommen Rot, und der Radfahrer hat die Spur kurze Zeit für sich.

Verschiedene Vorschläge aus Politik und Verwaltung

Auch dem Filderstädter OB Christoph Traub ist der Flughafentunnel ein Dorn im Auge. Im vergangenen Jahr hatte er sich ans Verkehrsministerium und ans Regierungspräsidium gewandt und Vorschläge gemacht, wie die Situation verbessert werden könnte. Er plädierte für Tempo 30 und Barrieren, die das Überfahren der durchgezogenen Mittellinie verhindern. Dann könnte die Fahrbahn für Radler freigegeben werden, so die Einschätzung des OB. Veränderungen hat es bis heute aber nicht gegeben. Im März dieses Jahres bat Traub das Ministerium darum erneut um ein Gespräch.

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Auch der Filderstädter Landtagsabgeordnete Dennis Birnstock (FDP) hat das Thema aufgegriffen. In einer Kleinen Anfrage wollte er bereits vor einem Jahr wissen, welche Maßnahmen das Land plane, um die beengte Radverkehrssituation im Flughafentunnel zu verbessern. In seiner Antwort verwies das Ministerium unter anderem auf eine Risikoanalyse, die erstellt werde mit dem Ziel, die Sicherheit im Tunnel zu erhöhen. In diesem Zusammenhang sei auch ein Rettungsstollen im Gespräch, dessen Nutzung für den Radverkehr zu prüfen sei.

Risikoanalyse ist fertiggestellt

Diese Risikoanalyse, für welche die Flughafen Stuttgart GmbH zuständig ist, ist mittlerweile fertiggestellt. Untersucht worden seien nach den behördlichen Vorgaben mit Blick auf die Verkehrssicherheit die bauliche und technische Ausstattung des Tunnels. Es sei also unter anderem um die Beleuchtung, Belüftung und den Brandschutz gegangen, teilt eine Sprecherin der Flughafen Stuttgart GmbH mit.

Die Studie liege nun dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg vor. „Welche Maßnahmen sich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Straßentunnel empfehlen und ob sich daraus weitergehende Überlegungen ergeben, insbesondere in Bezug auf einen Radwegtunnel, soll in der nächsten Zeit mit dem Ministerium erörtert werden“, so die Sprecherin. Diesen Abstimmungsgesprächen mit den Behörden wolle man nicht vorgreifen, weshalb man aktuell keine weiteren Auskünfte geben könne.