Flugplatz Pattonville Mehr Nachtflüge für Rettungshubschrauber: Bürger protestieren

Wie geht es mit dem Rettungshubschrauber in Pattonville weiter? Foto: Simon Granville

Auf dem Flugplatz Pattonville sollen künftig nachts mehr Rettungshubschrauber starten und landen dürfen. Bei einer Infoveranstaltung protestieren viele Bürger dagegen. Die Grenze von 2500 Starts und Landungen jährlich soll auch aufgehoben werden.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Alle Grenzwerte würden eingehalten beziehungsweise unterschritten – mit diesem knappen Worten lässt sich die Expertise des vom Land Baden-Württemberg beauftragten Lärmgutachter Dieter Groß knapp zusammenfassen. Der Fachmann erntet am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung in der Bürgerhalle in Pattonville für seine Erläuterungen fast ausnahmslos Widerworte aus dem Publikum. Während der gut zwei Stunden geht es um ein in Pattonville heftig umstrittenes Vorhaben der Betreiber des kleinen Flugplatzes in dem Teilort von Kornwestheim und Remseck: Der Flugbetrieb soll deutlich ausgeweitet werden.

 

Aus dem Publikum in der Bürgerhalle Pattonville gab es fast ausnahmslos Widerworte zu den Plänen. Foto: Simon Granville

Künftig sollen nachts mehr Rettungshubschrauber starten und landen dürfen. Bis dato ist von 22  bis 6 Uhr maximal eine Landung gestattet, fortan wären jährlich bis zu 800 sogenannte Flugbewegungen zulässig. Zudem will die Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville erreichen, dass die Begrenzung auf 2500 Starts von Januar bis Dezember aufgehoben wird, denn oft sei bereits im Herbst das Kontingent ausgeschöpft. Die täglich zulässigen 30 Landungen sollen indes aber nicht angetastet werden.

Bei der Veranstaltung am Dienstagabend geht es fast nur um den Plan, nachts mehr Starts und Landungen von Rettungshubschraubern zuzulassen. Die tagsüber startenden und landenden Motorflugzeuge sind für die meisten Bürger offenbar weniger das Problem. Es melden sich fast ausschließlich Männer und Frauen zu Wort, die sich mit der geplanten Neuregelung in puncto Nachtflüge nicht abfinden wollen. Kritisiert wird, dass die Lärmbelastung nur berechnet wurde - und nicht vor Ort gemessen.

Ein Mann aus Pattonville erklärt, dass er und andere Bürger einen Gutachter beauftragt und bezahlt hätten, der bei seinen Messungen zu ganz anderen Zahlen komme. Dessen ermittelte Werte seien „sehr weit weg von dem, was Sie errechnet haben“, sagt er zum Fachmann Groß, der auf dem Podium sitzt. Es könne nicht angehen, dass viele Bürger in Pattonville „jede Nacht geweckt werden“. Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung wird dieser Herr noch ankündigen, dass er und seine Mitstreiter weitere Aktionen planen. Ein anderen Bürger sagt, ihm sei im Jahr 2012 vor dem Kauf seiner Immobilie in Pattonville zugesichert worden, dass es gar keine Nachtflüge geben würde. Eine Frau erklärt, es habe einst eine Zusage gegeben, dass zumindest nach 21 Uhr keine Hubschrauber mehr starten dürfen. Robert Hamm vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart und der Oberbürgermeister von Kornwestheim, Nico Lauxmann, erklären, dass nochmals recherchiert werde, ob es solche Zusagen gebe.

Einspruchsfrist geht bis 19. Juli

Noch bis zum 19. Juli könnten die Bürger Einwendungen gegen die geplanten Änderungen des Flugbetriebs vorbringen, diese würden alle geprüft und vom Regierungspräsidium bei der Entscheidung berücksichtigt.

Mehrere Bürger verweisen auf andere Gutachten, unter anderem auf Expertisen von Medizinern, die ganz klar belegten, dass Lärm krank mache. Lärm könne unter anderem Herzrhythmusstörungen und Depressionen auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation empfehle, Lärm – speziell in der Nacht – zu vermeiden. Ein Mann erklärt, er sei nicht generell gegen Landungen von Rettungshubschraubern in Pattonville, er akzeptiere „den Status quo“ – also eine Flugbewegung pro Nacht. Er sei aber dagegen, „dass zur Durchführung der nächtlichen Rettungshubschraubereinsätze, im Gegenzug die Leben von wenigen Pattonviller Bürgern gefährdet werden. Es kann nicht sein, dass wir hier geopfert werden, da wir nur eine Minderheit sind.“

OB Lauxmann: Alle Bedenken werden berücksichtigt

Ferner heißt es am diesem Abend in der Pattonviller Halle: wenn die Änderungen genehmigt würden, dann seien manche Häuser in Pattonville „nicht mehr bewohnbar“ und einige Immobilien ließen sich kaum mehr verkaufen. Kritisiert wird zudem, dass die Piloten der Rettungshubschrauber die vorgeschriebenen Flugrouten oft nicht einhielten, auch deshalb ergäben sich de facto ganz andere Lärmwerte als in den Berechnungen.

Der Kornwestheimer OB Lauxmann, der zugleich Vorsitzender des Zweckverbands Pattonville ist, sagt zu vorgerückter Stunde zu, dass alle Bedenken der Bürger berücksichtigt würden – in den noch anstehenden Beratungen in den Gemeinderäten von Kornwestheim und Remseck, auf deren Markung Pattonville liegt, sowie bei der Entscheidung des Regierungspräsidium. Der RP-Vertreter Hamm erklärt, man werde sich mit den Piloten zusammensetzen und über die Einhaltung der Flugrouten unterhalten. Er sagt mit Blick auf den Antrag der Flugplatzbetreiber indes auch, er gehe davon aus: „Das Meiste ist genehmigungsfähig ist.“

Wem gehört das Fluggelände in Pattonville?

Flugplatz
 Der Flugplatz Pattonville wurde vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut und von der deutschen Wehrmacht genutzt. Nach dem Krieg übernahm die US-Army das Gelände. Seit dem Abzug der Amerikaner wird der sogenannte Sonderlandeplatz von mehreren Vereinen genutzt. Das Gelände liegt auf Stuttgarter Markung.

Verein
 Die Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville ist der Zusammenschluss aller am Platz ansässigen Vereine. Die FBG ist ein eingetragener Verein und Pächterin sowie Betreiberin des Flugplatzes. Mitglied sind unter anderem der Luftsportverein Hohenasperg, die Flugsportgruppe Ludwigsburg und die Deutsche Rettungsflugwacht.

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