Flugschau Herzen in den Himmel gezeichnet

Von Klaus Nonnenmacher 

Tausende Besucher bestaunen bei den Flugtagen auf dem Messelberg Klassiker der Luftfahrt.

Zwei der einst weit verbreiteten und heutzutage selten gewordenen Zlins im Formationsflug: Am Messelberg trafen sich jetzt Foto: Rudel
Zwei der einst weit verbreiteten und heutzutage selten gewordenen Zlins im Formationsflug: Am Messelberg trafen sich jetzt Foto: Rudel

Donzdorf - Röhrend jagen zigarrenförmige Blechkisten über den Messelberg und ziehen dort teilweise atemberaubende Parabeln an den Himmel oder malen mit Nebelkerzen Herzen ins Blau. Das Publikum applaudiert. Es ist Flugtag auf dem Messelberg. Und dabei ist nicht immer nur das, was Hubschrauber, Fallschirmspringer, Modell-und Kunstflieger in den Wolken veranstalten, von Interesse, sondern zuweilen sind es auch auch die fliegenden Kisten am Boden.

So geriet am Wochenende auch Michael Baer, der Sprecher der Fliegergruppe Donzdorf, ins Schwärmen. Dabei kann man ihm in Sachen Fliegerei so leicht nichts vormachen. Baer ist Berufspilot bei der DC Aviation in Stuttgart und hat schon viele Typen geflogen. Wenn er allerdings auf seinen eigenen Einsitzer zu sprechen kommt, ist das etwas anderes. Das antiquierte Flugzeug aus Tschechien mit Namen Zlin 526 ist unter Fliegern eine Legende. Kunstflug-Weltmeisterschaften wurden auf dem Typ gewonnen, was allerdings gut fünf Jahrzehnte zurück liegt.

Oldtimerfans sind ohne gegenseitige Hilfe aufgeschmissen

Heutzutage ist der geradlinige Klassiker modernen und doppelt so leistungsstarken Kohlefaserverbundmaschinen hoffnungslos unterlegen und im Übrigen selten geworden. Höchstens zehn Maschinen gibt es davon in Deutschland. Umso erstaunlicher war, dass an diesem Wochenende zu den Flugtagen auf dem Messelberg gleich sieben dieser Zlins zusammentrafen.

„Die Idee dazu wurde eigentlich vor einem Jahr geboren“, erklärte Michael Baer. Bei einem Zlin-Treffen in Tschechien hatten sich die Piloten so gut verstanden, dass sie das Treffen wiederholen wollten. Wie so oft bei Oldtimern sei es nämlich gar nicht so einfach, an Ersatzteile und Tipps für Wartungen zu kommen. „Dafür ist der Austausch untereinander wichtig“, so Baer. Wie sich die Zlin-Piloten gegenseitig unterstützten, sei einmalig, stellte er fest. Ihn selbst überzeugt die Maschine nicht nur durch ihre guten Flugeigenschaften und durch den überschaubaren Spritverbrauch, sondern auch aufgrund ihrer historischen Bedeutung.

Fliegende Historie und Kapriolen zu bestaunen

So war am Messelberg auch eine Maschine der Bauart 526 ASM zu sehen, von der nur fünf Stück gebaut worden waren. „Bei der Weltmeisterschaft 1968 sollte mit dieser leistungsstärkeren Variante die tschechoslowakische Nationalmannschaft fliegen. Sie sind aber nie angetreten aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings“, berichtete Michael Baer. Gewonnen hat 1968 übrigens dann die DDR-Mannschaft – auf herkömmlichen Zlins 526.

Die Flugtage auf dem Messelberg boten den Besuchern aber auch ohne diese Insider-Geschichten etliche Höhepunkte. Besondere Ausblicke gewährten Rundflüge in Vereinsmaschinen, im laut bullernden Oldtimer „Broussard“ oder in einem tieffliegenden Helikopter. Atemberaubende Kunststücke führten Modellflieger am Samstag mit ihren Großmodellen vor und zauberten mit Oldtimern oder modernen Eigenbauten irrwitzige Kapriolen in die Luft. Und natürlich überzeugten am Wochenende viele Kunstflugpiloten mit ihren Motor- und Segelflugzeugen am Himmel.

Ein besonderer Höhepunkt war auch dieses Mal der Feuerflug von Henry Bohlig mit seinem Kunstflug-Segler in der Abenddämmerung. Schließlich durften auch die Fallschirmspringer der Fürstenberg-Formation und ein Heißluftballon nicht fehlen. Dem Erfolg der Flugtage tat auch der verregnete Auftakt am Sonntag keinen Abbruch. Den wegen starken Regens verspäteten Frühschoppen überstanden die Besucher im trockenen Hangar.