Flugschau In anderthalb Stunden nach New York

Von , Paris 

Die Europäer tüfteln an einem Überschallflugzeug, das besonders umweltfreundlich sein soll. Die früheste Inbetriebnahme wäre 2050 möglich.

Der schlanke Zukunftsflieger der EADS ähnelt der ehemaligen Concorde. Foto: dpa 2 Bilder
Der schlanke Zukunftsflieger der EADS ähnelt der ehemaligen Concorde. Foto: dpa

Paris - Träume sterben nie. Das Überschallflugzeug Concorde hat seinen Betrieb vor acht Jahren eingestellt, doch die Franzosen wollen jetzt einen Nachfolger bauen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat: Eine zivile Maschine, die mit 4200 Stundenkilometern um den Planeten donnert und Europa in anderthalb Stunden mit New York verbindet. Vorgestellt wurde der Supervogel vom Airbus-Mutterunternehmen EADS in Paris, wo am Montag die Luftfahrtmesse von Le Bourget beginnt. Wie EADS-Entwicklungschef Jean Botti berichtete, trägt das Projekt den Arbeitstitel ZEHST, was soviel heißt wie "Zero Emission Hyper Sonic Transportation", also ein Überschallflieger mit null Schadstoffausstoß. Nur Fachleute staunen nicht: Während die Concorde eine Kerosinschleuder war, soll ihre Nachfolgerin unter dem Strich kein CO2 ausstoßen - und dies gerade dank der hohen Geschwindigkeit.

Wie das? So genannte Ramjets, zu Deutsch Staustrahltriebwerke, nützen die Geschwindigkeit der Luftströme in hohen Lagen der Stratosphäre aus, so dass im Antrieb komprimierte Gase schneller aus- als eintreten. Dies setzt voraus, dass das Flugzeug bereits mit hohem Tempo fliegt. Solche Ramjets finden bis jetzt erst bei Raketen Verwendung, die zuvor dank herkömmlicher Triebwerke (Booster) die nötige Geschwindigkeit erreichen.

Alles hängt von der Finanzierung ab

Diese Technologie soll nun bei zivilen Großflugzeugen weiterentwickelt werden. Die amerikanische Nasa führt entsprechende Experimente seit 2002 durch. Der europäische EADS-Konzern mit Sitz in Paris und München, der Unternehmen und Aktionäre aus Frankreich, Deutschland, England und Spanien vereinigt, plant jetzt aber bereits die Umsetzung. Dazu hat er sich 2005 in aller Stille mit japanischen Partnern zusammengetan. Die Franzosen haben bisher in ihren Forschungszentren Dgac und Onera die Hauptarbeit geleistet.

Wie Botti vor Journalisten sagte, "hängt alles von der Finanzierung ab". Mindestens zehn Jahre sind erforderlich, um nur die technische Grundlage zu erstellen. Angesichts des unerprobten Luftverhaltens müsste ein Jungfernflug zweifellos ohne Piloten und Passagiere stattfinden, meinte er. Mit einer Inbetriebnahme sei nicht vor 2050 zu rechnen.

Erste Computersimulation veröffentlicht

Immerhin hat der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS schon so klare Vorstellungen von dem neuen Antrieb, dass am Wochenende eine erste Computersimulation veröffentlicht werden konnte. Das Flugzeug sieht aus wie eine Mischung aus Concorde und Stealth-Bomber und soll zwischen 60 und 100 Passagieren Platz bieten. Der Start erfolgt mit einem klassischen, allerdings aus Biosprit gespeisten Düsentriebwerk, bevor auf fünf Kilometer Höhe die Ramjets zünden. Diese katapultieren das Himmelsgefährt auf 32.000 Kilometer Höhe - dreimal höher als bei gewöhnlichen Großraumflugzeugen. Der Druck auf die Passagiere soll durch drehbare Schalensitze vermindert werden. Die Landung übernehmen wieder die Düsentriebwerke.

Das neue Flugzeug soll es ermöglichen, dass Manager im Jahr 2050 in Tokio kurz einen Mittagstermin wahrnehmen können und abends schon wieder daheim bei der Familie sind. Statt elf Stunden Flug wie am Montag braucht das neue Flugzeug nur noch knapp zweieinhalb Stunden von Europa in die japanische Hauptstadt.

Zukunftsmusik? Sicher ist, dass Airbus und EADS seit einigen Tagen mit futuristischen Projekten aufwarten. Jüngst etwa war es ein "durchsichtiges" Flugzeug mit Panoramablick; in Le Bourget werden aber auch Modelle des elektrisch betriebenen Propellerflugzeugs Volt Air oder des Helikopter-Flugzeug-Zwitters X3 zu sehen sein. Zufall oder nicht, lenken diese spektakulären Präsentationen von aktuellen Problemen der europäischen Flugzeughersteller ab. Airbus musste kurz vor Eröffnung der Airshow von Le Bourget bekanntgeben, dass es bei zwei Fortentwicklungen seines Mittelstreckenfliegers A350 beträchtliche Verzögerungen gibt: Die Kurzversion A350-800 kann nicht 2014, sondern erst 2016 in Betrieb genommen werden; die gestreckte Ausgabe A350-1000 braucht für ihre Fertigstellung ebenfalls zwei Jahre mehr. Grund sind Antriebsprobleme. Der Militärtransporter A400M muss ebenfalls wegen Motorproblemen auf einen Schauflug in Le Bourget verzichten. Dies ist nur der letzte Misserfolg in einer langen Serie von Rückschlägen. Aber die Ramjets sollen dann 2050 einwandfrei funktionieren. 

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