Ab 16.30 Uhr fehlt jede Spur
Laut einem Bericht des Schwarzwälder Boten bestätigte Polizeisprecher Marcel Ferraro vom zuständigen Polizeipräsidium in Konstanz Stunden später vor Ort: „Das Flugzeug wurde bereits um 16.30 Uhr als vermisst gemeldet.“ Zu diesem Zeitpunkt jedoch war noch vollkommen unklar, dass eineinhalb Stunden später in Gutmadingen ein Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz sein würde.
Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Maltesern und der Polizei rückten nach Gutmadingen, dem ersten Dorf im Landkreis Tuttlingen hinter der Grenze des Schwarzwald-Baar-Kreises, aus. Über den Häusern kreiste wenig später ein Polizei-Hubschrauber, man hörte ihn am Boden nur, konnte ihn aber wegen des dichten Nebels und der Wolkendecke nicht sehen. Wetterverhältnisse, wie sie auch dem verunglückten Piloten zum Verhängnis geworden sein könnten, denn knapp drei Stunden später war im Polizeibericht zu lesen: „Zur Unfallzeit herrschte starker Nebel.“
Radarspur verliert sich
Bei der SAR-Leitstelle in Münster war das Flugzeug als „vermisst“ gemeldet worden – die SAR habe nachvollziehen können, dass es eine Radarspur gab und diese im Längewald bei Gutmadingen endete. „Deswegen muss man davon ausgehen, dass das Flugzeug irgendwo hier oben abgestürzt oder notgelandet sein könnte“, erklärte der Polizeisprecher vor Ort, während um ihn herum Feuerwehrleute und Polizisten auf weitere Nachrichten aus der Luft warteten.
Unablässig waren die Rotorblätter des Hubschraubers am Boden zu hören. Sein stärkstes Werkzeug: eine Wärmebildkamera, mit der man das Flugzeug zu entdecken hoffte. „Wir können das Waldstück relativ genau eingrenzen“, sagte Marcel Ferraro.
Doch „relativ genau“ war bei genauerer Betrachtung doch noch relativ ungenau: „Es handelt sich um eine Fläche von einem mal einen Kilometer“, so der Polizeisprecher. Parallel dazu hoffte man auf technische Unterstützung – der Hubschrauber, so Ferraro, böte nämlich noch weitere Möglichkeiten zur Suche als „nur“ die Wärmebildkamera. Womöglich könne beispielsweise Funksignale oder auch ein Handysignal geortet werden.
Schwierige Bedingungen
Andernfalls, war zu hören, dürfte die Suche zermürbend sein: „Wenn wir ein Kleinflugzeug suchen, nachts, auf einer Fläche von einem Quadratkilometer, dann kann das eine lange nächtliche Suche werden.“ Ähnliche Fälle aus der Vergangenheit zeigten: Selbst wenn die Suchenden nachts nur 15 bis 20 Meter vor einem Flugzeugwrack in einem Waldstück stehen, kann dieses allzu leicht übersehen werden.
Unterdessen waren Helfer vom örtlichen Roten Kreuz schon unterwegs, um Vesper für die Helfer in Gutmadingen zu richten. Denn klar war angesichts der zwischenzeitlich schon mehr als zwei verstrichenen Stunden: Man stellt sich auf eine lange Suche ein.
In diese sollte auch tierische Unterstützung eingebunden werden. Ein Polizeitransporter mit Suchhunden traf gegen 20.30 Uhr an der Einsatzstelle ein. Doch bevor deren Spürnasen zum Einsatz kommen sollten, musste organisatorisch eine Struktur geschaffen werden. Soll heißen: „Wir müssen jetzt erstmal die Lage beurteilen“, erläuterte Ferraro, den genauen Bereich nochmal anschauen, Wege und Zufahrten auswählen, von wo aus die Helfer anfahren und zur Suche zu Fuß ausrücken können. „Wir müssen ja koordiniert absuchen“, kreuz und quer durch den Wald zu marschieren, mache wenig Sinn. Stattdessen, so der Pressesprecher, werde das Gebiet anhand der Landkarte in Bereiche unterteilt und systematisch durchkämmt, um gegebenenfalls zu wissen, wo schon gesucht worden ist und wo eventuell noch nachgeforscht werden könnte.
Kurze systematische Suche
Doch diese systematische Suche war nur von kurzer Dauer. Die suche wurde kurz vor 21 Uhr von einer traurigen Nachricht durchkreuzt: „Flugzeug gefunden, Pilot vermutlich beim Absturz getötet.“ Stundenlange Suchmaßnahmen bei Nacht und eisigen Null Grad Temperatur blieben den Helfern erspart. Diesbezüglich „hatten wir ein bisschen das Glück auf unserer Seite“, so Ferraro. Das Flugzeug wurde rasch gefunden. Am Boden liegend wies es zwar schwere Beschädigungen vom Absturz auf, war jedoch nicht vollkommen zerstört oder in seine Einzelteile zerschellt.
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung wurde noch am Abend informiert und schickte ihre Mitarbeiter nach Gutmadingen. Ob noch nachts mit den Ermittlungen begonnen werde, war bei Redaktionsschluss noch unklar.
Tragisch: Das Ziel lag nahe
Viele der Helfer durften zwischenzeitlich Feierabend machen, während im Waldstück auf der Längehöhe weiträumig abgesperrt wurde. „Da darf niemand hin“, ließ Ferraro wissen. Von einem Flugzeugwrack gehen schließlich enorme Gefahren aus – auslaufendes Kerosin oder eine Batterie sind nach einem Absturz nicht kalkulierbar. Was genau sich an Bord der Maschine abgespielt hat, ehe sie auf den Boden im Längewald bei Gutmadingen krachte, liegt noch im Nebel. Der Pilot kam ums Leben. Dabei wäre sein Zielflughafen in Luftlinie quasi nur einen Steinwurf weit von der Unfallstelle entfernt gewesen: Der Pilot war aus einem anderen Landkreis an diesem in der Höhe nebligen Nachmittag mit seinem Kleinflugzeug unterwegs zum Flugplatz in Donaueschingen.