Spezialisten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung suchen nach der Ursache des Unglücks, bei dem am Sonntag der Pilot eines Ultraleichtflugzeugs ums Leben gekommen war.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Kirchheim/Nürtingen - Ein Jogger war es, der das Unglück am Sonntag mitansehen musste. Aus ungeklärter Ursache ist gegen 14.30 Uhr ein Ultraleichtflugzeug vom Typ WT-9 Dynamic nach dem Start auf dem Flugplatz Hahnweide im Wald beim Tiefenbachtal abgestürzt. Das Motorflugzeug zerschellte in den Bäumen, der 60-jährige Pilot starb an der Unfallstelle.

Der Jogger war es auch, der die Rettungskräfte zur Unfallstelle im Gewann Hörnle führte. Die Polizei habe den letzten Standort seines Handys anmessen lassen und so den Rettungshubschrauber zur richtigen Stelle gelotst, berichtet der Polizeipressesprecher Michael Schaal.

Bereits am Sonntag sind die Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nach Nürtingen gefahren und haben und die Trümmer untersucht. Die Braunschweiger Stelle arbeitet jeden Flugunfall auf. Die Spezialisten können feststellen, ob der Motor beim Absturz noch gelaufen ist oder stand, sie können Schlüsse zur Flughöhe und anderen Parametern ziehen. So finden sie heraus, ob ein technischer Defekt vorlag oder ob ein menschliches Versagen die Ursache eines Unfalls war.

Ein erstes Ergebnis wird in sechs bis acht Wochen erwartet

Nach sechs bis acht Wochen gibt es in der Regel einen Zwischenbericht, in dem die Experten ihre wesentlichen Schlüsse zum Unfall ins Internet stellen. Der Abschlussbericht kann bis zu einem Jahr dauern. „Ultraleichtflugzeuge haben im Vergleich zu anderen Fluggeräten häufiger Unfälle“, sagt Germout Freitag, der Pressesprecher der Bundesstelle. Allerdings seien sie auch der mit Abstand am häufigsten geflogene Flugzeugtyp, was diese Angabe wieder relativiere.

An diesem Wochenende waren in Deutschland gleich zwei Flugzeuge abgestürzt, jeweils mit tödlichen Folgen für die Piloten. Dennoch sei die Zahl der Flugunfälle rückläufig, sagt dazu Germout Freitag. Das Fliegen werde immer sicherer, ist die Einschätzung der Bundesstelle. „Teils weil das Material besser wird, teils weil die Piloten besser ausgebildet werden.“

Prächtiges Flugwetter habe an diesem Tag geherrscht, heißt es von der Hahnweide. „Die Sicht war gut, es war warm, es gab kaum Wind“, sagt Lars Reinhold, der Pressesprecher der Fliegergruppe Wolf Hirth. Als die Nachricht vom Absturz kam, haben die Verantwortlichen sofort den Flugbetrieb eingestellt, um dem Rettungshubschrauber das Feld zu räumen. Anschließend hätten die Fliegergruppen ihre Mitglieder angefunkt, um herauszufinden, wer fehle. Insgesamt sind auf dem Flugplatz knapp zehn Fliegergruppen unterwegs, dazu gibt es noch eine Flugschule.

Der Pilot stammte aus Tübingen

Nach den Angaben der Polizei war der Pilot aus Tübingen und 60 Jahre alt. Altersbegrenzungen für Piloten gibt es nicht. Doch jeder Pilot, der mehr als 50 Jahre zählt, muss einmal im Jahr zum Arzt, um sich durchchecken zu lassen. Außerdem muss er im Jahr zwölf Flugstunden nachweisen, wobei er eine Flugstunde mit einem Fluglehrer absolvieren muss, der ihn kontrolliert. Außerdem tragen die Piloten ein hohes Maß an Eigenverantwortung: „Jeder Pilot bekommt eingetrichtert, nicht zu starten, wenn er sich nicht gut fühlt“, sagt dazu Lars Reinhold.

Die allerkleinsten Flieger:

Ultraleichtflugzeug
Die Klassifizierung in die Gattung der Ultraleichtflugzeuge erfolgt nach Gewicht nicht nach Bauart. Egal also, ob Motordrachen, Segeflieger oder Motorflugzeug – als Ultraleichtflugzeug wird bezeichnet, was weniger als 472,5 Kilogramm Abfluggewicht hat. Darin eingerechnet ist der Treibstoff und das Gewicht des Piloten.

WT-9 Dynamik
Die Dynamic ist ein einmotoriges zweisitziges Ultraleichtflugzeug. Es wurde von dem tschechischen Konstrukteur Tadeáš Wala entworfen und wird in Faserverbundbauweise bei der Firma Aerospool in Prievidza in der Slowakei hergestellt. Es hat eine Spannweite von neun Metern.

Hahnweide
Der Flugplatz Hahnweide liegt etwa etwa zwei Kilometer südwestlich von Kirchheim unter Teck. Besonders bekannt ist die Hahnweide durch das größte europäische Oldtimer-Fliegertreffen, das dort in regelmäßigen Abständen stattfindet. Pächter und Betreiber der Anlage ist der Baden-Württembergische Luftfahrtverband.