Flugzeugabsturz Moskau glaubt wohl auch an die Terrortheorie

Zwei Russinnen  mit einem Porträt von Präsident Wladimir Putin auf der Brust warten vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Scharm el Scheich auf die Abfertigung. Foto: dpa
Zwei Russinnen mit einem Porträt von Präsident Wladimir Putin auf der Brust warten vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Scharm el Scheich auf die Abfertigung. Foto: dpa

Russlands Staatschef Wladimir Putin stoppt alle Ägypten-Flüge russischer Airlines, bis die Gründe des Absturzes auf dem Sinai „vollumfänglich“ geklärt sind. Die Regierung lässt zudem alle russischen Urlauber zurückholen – doch viele wollen noch nicht gehen.

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Moskau/Scharm el Scheich - Tourismusmanagerin Natalja M. hatte konkrete Pläne für das Wochenende, private: Ausschlafen, Friseur, Kosmetik, Fitness-Studio, Shoppen. Bevor sie Freitagabend ihren PC herunterfuhr, checkte sie noch mal, ob es Neues gibt von der „Sinai-Front“. Über der ägyptischen Halbinsel war am Samstag vor einer Woche ein russisches Flugzeug mit 224 Menschen an Bord abgestürzt.   Als Natalja M. die Nachrichten las, war klar, dass ihre Wochenendplanung sich erledigt hatte.

Kurz zuvor war hatte die Antiterrorismus-Kommission unter Leitung von Inlandsgeheimdienstchef Alexander Bortnikow getagt und Wladimir Putin empfohlen, alle Ägypten-Flüge russischer Airlines einzustellen, bis „die wahren Gründe   und Umstände des Absturzes vollumfänglich“ geklärt sind. Der Präsident, so dessen Sprecher, habe zugestimmt und die Regierung angewiesen, die Evakuierung aller russischen Ägypten-Urlauber, 60 000 bis 80 000 an der Zahl, „sicherzustellen“.

Ein „lautes, schweres Geräusch“

Dabei hatten sich staatsnahe russische Medien keine 24 Stunden zuvor noch über das Flugverbot mokiert, das westliche Airlines gerade über den Sinai verhängt hatte. Und das Außenministerium hatte mit „Empörung“ Auslassungen von Britenpremier David Cameron zur Kenntnis genommen, der die Bomben-Theorie zur wahrscheinlichsten Unglücksursache erklärt hatte.

Flugverbot und Evakuierung, so ein Kolumnist von Radio Echo Moskwy, ließen nur einen Schluss zu: Auch Kreml und Regierung würden den Terrorverdacht nicht mehr ausschließen. Daher habe Moskau sogar das FBI um Hilfe gebeten. Sonntag meldete der Sender unter Berufung auf Quellen aus dem Dunstkreis der Regierungskommission, der Voice-Recorder, der die Gespräche der Besatzung aufzeichnet, habe unmittelbar vor dem Absturz ein „lautes, schweres Geräusch“ registriert. Ägypten, so Geheimdienstchef Bortnikow, ermögliche russischen Experten den Zugang zu allen bisher gefundenen Wrackteilen der Unglücksmaschine und zum Gepäck der Insassen. Auch hätten die ägyptischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in Hotels mit russischen Urlaubern verstärkt. Deren Evakuierung lief Samstag an. Bis Sonntagmittag waren auf dem Sinai zwölf Charter-Maschinen gelandet. Wie ein Sprecher des Verbandes der Reiseveranstalter sagte, wolle die Mehrheit der Touristen ihren Urlaub dennoch nicht vorzeitig abbrechen.




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