Die Oberbürgermeister der Städte Sindelfingen, Dieter Burger (r.), und Böblingen, Alexander Vogelgsang (l.), halten Modelle ihrer Patenflugzeuge. Foto: /Schmidt
Seit 1960 bestehen zwischen Flugzeugen der Lufthansa-Flotte und deutschen Kommunen oder Bundesländern Patenschaften. Gleich zwei davon – die mit Sindelfingen und mit Böblingen – bestehen in diesem Sommer seit 35 Jahren.
In die Luft gehen mit „Sindelfingen“ oder „Böblingen“? Das ist durchaus möglich – sogar schon lange. Im Jahr 1989 hat die Flotte der Lufthansa zwei Patenschaften an die beiden Nachbarstädte vergeben. Kürzlich wurde der 35. Geburtstag der Patenschaft – wenn auch nicht der Flugzeuge selbst – gefeiert.
Wie die PR-Agentur der Deutschen Lufthansa AG, C.O.M.B.O. Communications, mitteilt, tragen insgesamt rund 300 Flugzeuge der Flotte die Namen von deutschen Städten, Gemeinden oder Bundesländern. Darunter eben auch die beiden Airbusse A 320, die nach Sindelfingen und Böblingen benannt sind. Sie „fliegen als Botschafter ihrer Stadt und der Marke Lufthansa um die Welt und verbinden Menschen, Kulturen und Volkswirtschaften“, schreibt die Sprecherin.
Erste Stadt mit Patenflugzeug war Berlin
Die Tradition der Patenschaften reicht bis ins Jahr 1960 zurück. Damals verwendete die Lufthansa erstmals einen Städtenamen für ein Passagierflugzeug. Und zwar für eine Boeing 707. Die Maschine des zuletzt in die Kritik geratenen US-amerikanischen Herstellers galt damals als Standard für Langstreckenflüge. „Durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt als Taufpaten wurde sie auf den Namen ,Berlin’ getauft“. Von der PR-Agentur heißt es, dass „größere und bedeutendere Städte größere Patenflugzeuge“ bekommen.
Bei der Taufe der „Sindelfingen“ im Jahr 1989. Foto: Abzug gescannt/vermutl. Cornelia Kurz
Die Patenschaften mit den Kommunen oder Bundesländern hält dabei in der Regel länger, als die Flugzeuge im Dienst sind. Wie lange das ist, variiert. Es hängt beispielsweise vom Modell, von der Zahl der Starts und Landungen und im Allgemeinen von der Belastung des Flugzeugs ab.
Nicht mehr die erste „Böblingen“
Auch die Flugzeuge, die jetzt die Namen „Sindelfingen“ und „Böblingen“ tragen, sind tatsächlich nicht mehr die Maschinen, die 1989 getauft wurden. Ein besonderes Gefühl dürfte es dennoch sein, auf dem Rollfeld beim Einsteigen in den Flieger zu sehen, dass die Heimatstadt gewissermaßen mitfliegt.
Taufpatin für die ursprüngliche „Böblingen“ war am 16. Juni 1989 Ruth Brumme, die Frau des damals schon ehemaligen Oberbürgermeisters Wolfgang Brumme. Auf dem Flughafen Stuttgart gab sie damals einer Boeing 737-300 mit der Kennung D-ABXN den Namen ihrer Stadt. Die erste „Böblingen“ flog bis 2012 für die Lufthansa, bevor sie aus der Flotte ausschied. Im Jahr 2014 bekam die Stadt dann ein neues Patenflugzeug, dieses Mal einen Airbus A 320 mit der Kennung D-AIZI. Die Maschine hatte ihren Jungfernflug allerdings schon einige Jahre zuvor, am 20. August 2010. Dabei flog sie von Frankfurt nach Genf. Die neue „Böblingen“ hat in ihren zehn Jahren als Botschafterin – und in den vier Jahren davor – insgesamt mehr als 23 000 Flüge absolviert und mehr als 2,6 Millionen Passagiere befördert. Die PR-Agentur der Lufthansa teilt mit, sie habe weit mehr als 30 000 Flugstunden auf dem Buckel, 139 verschiedene Flughäfen angeflogen und dabei mehr als 19 Millionen Kilometer zurückgelegt – das entspricht einer Strecke von mehr als 474 Mal um die Erde.
Auch „Sindelfingen“ wurde ersetzt
Die heutige „Böblingen“ Foto: Sierra Aviation Photography/Sebastian Weikert
Auch die erste „Sindelfingen“ wurde am Flughafen Stuttgart getauft. Ihren Namen bekam sie von Ingeborg Burger, die mit dem damaligen Oberbürgermeister der Daimler-stadt, Dieter Burger, verheiratet war. Auch hier war es eine Boeing 737-300, die zur Botschafterin wurde. Mit ihrer Kennung (D-ABXS) war sie von 1989 bis 2010 in der Flotte der Lufthansa. Ersetzt wurde sie ebenfalls von einem Airbus A 320 (Kennung D-AIZG). Ihren Jungfernflug hatte die Maschine am 2. Juni 2010 – von Frankfurt zum zweitgrößten Flughafen der russischen Hauptstadt Moskau, Domodedowo.
Patenschaft bleibt bestehen
Seitdem sind in der „Sindelfingen“ mehr als 2,7 Millionen Passagiere zu 142 verschiedenen Destinationen geflogen. Das Flugzeug hat mehr als 20,4 Millionen Kilometer in den Turbinen, und ist damit fast ein Drittel der durchschnittlichen Distanz zwischen Erde und Mars (70 Millionen Kilometer) geflogen.
Die heutige „Sindelfingen“. /Linus Wambach
Wie lange die beiden „neuen“ Flugzeuge im Einsatz sein werden, die die Namen der benachbarten Städte tragen, das könne niemand so genau sagen, heißt es. Mit ihren jeweils 14 Jahren haben die beiden Maschinen das Durchschnittsalter der Flugzeuge in der Lufthansa-Group-Flotte – laut einer Statista-Erhebung aus dem vergangenen Jahr liegt das bei 13,4 Jahren – noch nicht lange überschritten. Und auch nach ihrem Ausscheiden stehen die Chancen gut, dass Reisende weiter mit einer „Sindelfingen“ oder einer „Böblingen“ in den Sommerurlaub fliegen können – dann halt in der nächsten Generation der stählernen Vögel.