Flusicherheit 5600 Bewerber, 120 genommen

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Die Lotsen der Bundeswehr sollen auch die zivile Lizenz erhalten, fordert die FDP-Abgeordnete Renata Alt.

Der Bedarf an Fluglotsen steigt kontinuierlich an, weil das Flugaufkommen immer höher wird. Aber die Zahl der Ausgebildeten trägt dem nicht Rechnung. Foto: dpa
Der Bedarf an Fluglotsen steigt kontinuierlich an, weil das Flugaufkommen immer höher wird. Aber die Zahl der Ausgebildeten trägt dem nicht Rechnung. Foto: dpa

Berlin - Obwohl Personalmangel bei der Flugsicherung ein Grund für die immer weiter steigende Zahl von Flugverspätungen ist, wird jährlich nur ein Bruchteil der Bewerber an der Akademie der Deutschen Flugsicherung angenommen. Das geht aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage der Nürtinger Bundestagsabgeordneten Renata Alt (FDP) durch die Bundesregierung hervor.

Jeder vierte angenommene Bewerber arbeitet nicht als Lotse

Danach steigen die Bewerberzahlen kontinuierlich an. Sie kletterten von 2300 im Jahre 2015 in den Folgejahren auf 3500 (2016), 3800 (2017) bis auf 5600 in diesem Jahr. Von diesen 5600 Bewerbern wurden aber nur 120 tatsächlich angenommen. Im Vorjahr lag das Verhältnis bei 60 von 3800 Bewerbern. Die durchschnittliche Erfolgsquote bis zum eigenverantwortlichen Einsatz am Arbeitsplatz beträgt 74 Prozent, jeder vierte Bewerber bricht also vorher die Ausbildung ab.

Um das Missverhältnis von wachsenden Bedarf und geringer Zahl neu ausgebildeter Fluglotsen zu lindern, schlägt Arlt vor, die Ausbildung der Fluglotsen der Bundeswehr „von Beginn an auch nach zivilen Standards durchführen zu lassen“, da sonst „enormes Potenzial links liegen“ gelassen werde. Dadurch lasse sich auch die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber steigern, sagte Alt unserer Zeitung.

Schon heute arbeiten Bundeswehr-Lotsen auch im zivilen Sektor

Tatsächlich geht aus der Anfrage hervor, dass heute schon Fluglotsen der Bundeswehr auch im zivilen Flugverkehr eingesetzt werden. Das liegt daran, dass die militärischen Flughäfen Rostock-Laage, Ingolstadt, Niederstetten und Diepholz auch zivil genutzt werden. Während der allgemeinen Öffnungszeiten der Flughäfen übernimmt die Flugsicherung der Bundeswehr die Flugsicherung für alle Maschinen. Nach Angaben der Bundesregierung macht an den Flughäfen Rostock-Laage, Ingolstadt und Diepholz der zivile Flugbetrieb heute schon zwischen 70 und 90 Prozent des Flugverkehrs aus.

Bei einer Bewerbung von BundeswehrSoldaten bei der Deutschen Flugsicherung für die zivile Lizenz werden, wie aus der Beantwortung der Anfrage hervorgeht, ihre Kompetenzen in der Regel innerhalb eines Tages bestätigt.

Die Bundesregierung teilt in ihrer Antwort ausdrücklich mit, dass „angesichts neuer Prognosen ein zusätzlicher Bedarf an Fluglotsen besteht“. Alt weist darauf hin, dass alleine der Flughafen Stuttgart bis Ende des Jahres mit insgesamt 11 Millionen Fluggästen in 2018 rechnet.