Förderschule in Fellbach Es wird langsam eng an der Wichernschule

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Die Förderschule in Fellbach hat ihren Schrecken verloren und zählt immer mehr Kinder. Steigt die Schülerzahl weiter an, könnte es bald Platzprobleme geben.

Eine Mensa für den Ganztagsbetrieb fehlt noch in der Förderschule. Foto: Patricia Sigerist
Eine Mensa für den Ganztagsbetrieb fehlt noch in der Förderschule. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Die Wichernschule ist bis aufs letzte Klassenzimmer gefüllt. Rund 100 Kinder und Jugendliche besuchen momentan die Förderschule – so viele wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. „Eine lange Zeit stagnierte die Zahl zwischen 70 und 80 Kindern“, sagt der Rektor David Coronel. „Jetzt werden es immer mehr.“

Die Wichernschule liegt damit nicht im Trend. Landesweit sind die Schülerzahlen an den Förderschulen seit der Änderung des Schulgesetzes zur Inklusion im Jahr 2015 gesunken. Seither haben Eltern von Kindern mit einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot die Möglichkeit, zu wählen, ob ihr Kind an einer allgemeinen Schule oder einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum lernen soll. Zu letzterem gehört die Wichernschule. Dort sind momentan 20 Kinder in der Inklusion.

Eine Mensa für den Ganztagsbetrieb fehlt noch. Foto: Privat
David Coronel glaubt, dass seine Schule durch die Inklusion Kinder und Eltern erreicht, die sich früher geweigert hätten, eine besondere Förderung in Anspruch zu nehmen. „Es findet keine Etikettierung mehr statt, weil die Kinder an einer allgemeinen Schule bleiben können.“ Weil die Pflicht zum Besuch einer Sonderschule abgeschafft wurde, öffneten sich Eltern auch stärker gegenüber dieser Schulform. „Das Kind muss nicht mehr, sondern darf auf die Wichernschule oder in die Inklusion“, bringt es Coronel auf den Punkt. Dies schaffe eine andere Beratungssituation, weil die Förderschule ihren Schrecken verloren habe. „Eltern sind plötzlich bereit, sich durch die Schule führen zu lassen und in den Unterricht zu gucken – das war früher oft nicht der Fall.“

Fellbach hatte im Vergleich zu anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis immer einen sehr geringen Anteil an Förderschülern. „Mittlerweile ist er auf das durchschnittliche Maß gewachsen“, sagt David Coronel. Das liege auch an dem Ruf der Wichernschule: „Mein Kollegium macht eine tolle Arbeit und erhält eine große Akzeptanz innerhalb der Elternschaft.“

An die Förderschule kommen Kinder, die an der allgemeinen Schule gescheitert sind

An die Förderschule kommen Kinder, die an der allgemeinen Schule gescheitert sind oder eine Stütze benötigen. Sie haben meist Lernschwierigkeiten oder sind in ihrer Entwicklung verzögert. Und es werden immer mehr. Noch ist genug Platz für die Schüler an der Wichernschule. „Wenn die Zahl der Schüler aber weiter wächst, haben wir ein Problem“, erklärt David Coronel. Denn es gibt keine weiteren freien Räume mehr.

Längst sind Lehrer und Schüler nicht mehr die einzigen Bewohner des Schulhauses. So ist dort die Geschäftsstelle des SV Fellbach untergebracht, und auch das Archiv der Stadt Fellbach benötigt rund 65 Quadratmeter Platz. Im Jahr 2013 ist noch der städtische Betriebskindergarten „Maikäfernest“ eingezogen.

So langsam wird es eng an der Wichernschule. „Wir haben bereits das Leseangebot ‚Förder-Bar’ aus Platzmangel aufgegeben“, sagt David Coronel. Wegen der gestiegenen Schülerzahl soll es in naher Zukunft ein Konrektorat an der Wichernschule geben. Auch das kostet Platz.

Die Wichernschule macht viele Kompromisse, was Spielmöglichkeiten betrifft

„Schon jetzt machen wir viele Kompromisse, was Entspannung, Aufenthalt und Spielmöglichkeiten betrifft“, sagt David Coronel. So spielen die Kinder beispielsweise auf dem Flur, und die Mittagsbetreuung findet im Jugendhaus statt. Mit der Einrichtung hat die Wichernschule eine Kooperation.

Sollte die Schülerzahl weiter wachsen, hat der Erste Bürgermeister Günter Geyer einen Notfallplan in der Tasche: „Es gibt Überlegungen, das Stadtarchiv zu verlegen, dann wäre mehr Platz für den Ganztagsbetrieb.“ David Coronel hat schon eine Idee für den frei werdenden Platz: „Ein Mensa wäre da optimal.“