Stuttgart - Nie war er so wertvoll wie heute – unter diesem Motto könnte der Neustart des Fördervereins der Staatstheater Stuttgart stehen. Die Mitglieder aus der gehobenen Stadtgesellschaft sollen zwar weiterhin Gelder mobilisieren, mit denen Nachwuchsarbeit und Sonderprojekte gefördert werden. Vor allem aber sollen sie als Multiplikatoren für die Sanierung des Opernhauses zu Milliardenkosten werben und diese begleiten. Dazu soll der Freundeskreis kräftig wachsen und weitere Gruppen erschließen – junge oder zumindest jüngere Leute etwa oder Kulturfans jenseits der Stadtgrenzen.
Nötig und sinnvoll ist ein solcher Neustart allemal, zumal das Opernprojekt noch keineswegs besiegelt ist und jeden Unterstützer brauchen kann. Auch die geplante Öffnung des Fördervereins ist vor diesem Hintergrund das richtige Signal: Nur wenn die Staatstheater als Haus für alle kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürger im Südwesten wahrgenommen werden, können sie auch auf Akzeptanz für die immensen Kosten hoffen.
Vorstand nur im Paket wählbar
Die Öffnung nach außen sollte indes, wenn sie glaubwürdig sein will, mit einer Offenheit auch im Inneren korrespondieren. Doch das hinter den Kulissen ausgeknobelte Vorstandsteam um Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Schuster kandidiert gleichsam als geschlossene Gesellschaft: Nur im Paket wollen sie sich küren lassen, weitere Bewerber sind nicht erwünscht. Zwei der bisherigen Vorstände, die gerne weitermachen würden, sollen draußen bleiben – womöglich, weil sie als nicht ganz pflegeleicht gelten.
Eigentlich müssten die Theater dankbar sein, wenn sich möglichst viele Menschen im Vorstand des Fördervereins engagieren wollen. Und es sollte auch gelingen, dort unterschiedliche Temperamente zu integrieren. Wenn es mehr Kandidaten als Ämter gibt, wird in der Politik gerne ein eleganter Ausweg gewählt: Man erhöht die Zahl der Ämter – und vermeidet damit einen fruchtlosen Konflikt. Auch für die Theaterlobby könnte das eine Lösung sein, die allemal besser ist als ein durch Streit belasteter Neustart.