Fola Dada im Gespräch Die Wunden und Wunder der Nina Simone: „Ihre Songs haben eine große Kraft!“

„Ich habe mir eine gewisse Sonnigkeit bewahrt“: Die Sängerin Fola Dada kommt nach Fellbach. Foto: Annette Cardinale (cf)

Die Stuttgarter Sängerin Fola Dada verkörpert in einer Hommage in der Fellbacher Schwabenlandhalle die große Nina Simone.

Mit Hits wie „My Baby just cares for me“ und „Feeling Good“ wurde die US-amerikanische Sängerin und Pianistin Nina Simone zur Jazz-Ikone. In der fesselnden Konzert-Show „Die Nina Simone Story“ lässt die renommierte Stuttgarter Jazz-Sängerin Fola Dada zusammen mit ihrem Ensemble Leben und Musik der Ausnahmekünstlerin lebendig werden. Die berührende Bühnen-Hommage ist am Freitag, 24. April, in der Schwabenlandhalle zu erleben. Im Interview spricht die 48-jährige Fola Dada über ihren gelegentlichen schwäbischen Dialekt – und über einen Abend, der das Auditorium berühren soll.

 

Frau Dada, Sie haben sich nun wohl seit Jahren mit Nina Simone intensiv beschäftigt wie kaum eine andere. Also: Wer war Nina Simone? Wofür steht sie?

Ha, ich denke, es gibt einige Menschen, die sich ausgiebiger und tiefer mit Nina Simone beschäftigt haben, als ich. Und das ist kein Wunder, denn ihre Person, ihr Leben und die Zeit, in der sie gelebt hat, bieten sehr umfangreiches Material. Ich finde, Nina Simone steht für Weiblichkeit, Stärke, Talent, Mut, Emotionen. Sie war eine kämpferische Frau, die nach Anerkennung, Gerechtigkeit und Liebe gesucht hat und oft missverstanden wurde.

Der Abend in Fellbach wird vermutlich nicht nur ein reines Konzert, oder? Was ist das Konzept dahinter? Wer ist mit dabei in welchen Funktionen oder Rollen?

Wir nutzen Videos, Illustrationen, Hörspiel und schauspielerische Szenen. Das alles eingebettet in die Musik der Band und den Erzählungen von Katharina Eickhoff. Ein sehr abwechslungsreicher und informativer Abend, der nie langweilig wird.

Wie nahe sind Sie selbst Nina Simone? Gibt es Parallelitäten in beiden Leben, oder ist das eher von Gegensätzen geprägt?

Tatsächlich sind wir uns nicht so nah. Ich bin von vielen Erfahrungen, die Nina machen musste, verschont geblieben und konnte ein unbeschwerteres Leben bis jetzt leben. Ich habe das Gefühl, dass Nina dadurch oft bitter ist, während ich mir eine gewisse Sonnigkeit bewahrt habe. Als Aktivistin würde ich mich auch nicht bezeichnen, aber in aktuellen Zeiten finde auch ich es notwendig, auf den 3. Artikel unseres Grundgesetzes hinzuweisen. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Und ich wünsche mir, dass wir danach leben und gestalten – so viele Themen wären dann gar keine Themen.

Fola Dada gestaltet den Abend über die Sängerin Nina Simone. Foto: Sven Götz (cf)

Als gebürtige Stuttgarterin bieten Sie „breites Schwäbisch in der Straßenbahn, das für Afrikanisch gehalten wird“, wie es eine Kritikerin in einer Besprechung formuliert. Was steckt hinter dieser Szene?

Das war tatsächlich eine Frage einer lustigen Mitreisenden, nachdem sie mich mit schwäbischem Dialekt (vermutlich habe ich mit meiner Mutter gesprochen) telefonieren gehört hat. Und führt die Idee, dass jemand nur, weil er nicht weiß ist, ja nicht dazugehören kann, ad absurdum.

Nina Simones Engagement in der Bürgerrechtsbewegung ist konsequent, aber im Eintreten für die „gewaltsame Revolution“ für manche damals zu extrem. „Sie nutzt Musik als Waffe“, heißt es in einem NDR-Beitrag unter dem Titel „Die Wut der Nina Simone“. Aber ist das vielleicht der einzige Weg zur Veränderung?

Ich denke, wenn strukturelle Ungleichheit auf die Spitze getrieben wird und nicht mehr auszuhalten ist, können vermutlich auch sehr friedliebende Menschen zu Kämpfenden werden. Für Nina Simone war es Glück, dass sie die Musik als bessere Waffe zur Verfügung hatte.

Das Lied „Mississippi Goddam“ thematisiert die Rassenungleichheit – und ist sicher auch im Programm in Fellbach zu hören.

So ist es. Für Nina war diese Zeit identitätsprägend und gab ihr in ihrer verzweifelten Wut Kraft.

1987 landete „My Baby just cares for me“ in einem Werbespot der Luxus-Parfümmarke Chanel – eine besondere Ironie der Geschichte?

Irgendwie schon. Ich bin mir nicht sicher, ob sich tatsächlich so sehr um Nina gekümmert wurde in ihren Beziehungen. Allerdings war dieser späte und erneute Hit für sie eine Möglichkeit, ihre Karriere wieder aufzunehmen.

Fola Dada bei einem Konzert im Park der Villa Reitzenstein Stuttgart im September 2021 Foto: Christoph Schmidt (Lichtgut)

„Sinnerman“ kenne ich vor allem als die magische Untermalung des Kunstdiebstahls im Museum aus dem Film „Die Thomas Crown Affäre“. Auch Barack Obama ist ein absoluter Fan des Songs – ein sensationelles Lied, mit zehn Minuten Länge für die Bühne aber eventuell zu lang?

Ninas Werk umfasst so viele fantastische Songs, es war sehr schwer, eine Auswahl zu treffen. „Sinnerman“ ist nicht dabei, und manche Songs haben auch deswegen eine so große Kraft, weil es Nina in ihrer Emotionalität immer wieder gelungen ist, eine nie erreichbare Version zu singen. So wie bei „Why the King is dead“. Ich finde, da darf man dann auch einfach die Finger davonlassen.

Selbstzweifel, Abstürze, große Euphorie – auch das gehört zum Leben Nina Simones.

Das macht ihre Geschichte so spannend. Wir nehmen das Publikum mit auf die Reise und zeigen Einblicke, die nicht so bekannt sind. Wir lassen Nina selbst sprechen, und dadurch wird ihre Persönlichkeit, mit all den Wunden und Wundern greifbar.

Das Besondere an den musikalischen Fähigkeiten Nina Simones sind „die zwei Bs“ – also Bach und Blues. Stimmt das?

In ihrer Musik sind diese Schwerpunkte und ganz viel dazwischen eindeutig hörbar. Ich finde allerdings auch, dass Nina so besonders ist, weil man hört, dass sie um ihre ganz eigenen musikalischen Ausdrucksformen ringt. Variationen, Reharmonisationen, Rhythmen, Tempi – so viel wird ganz eigen eingesetzt und macht sie deswegen auch nicht immer so zugänglich.

23 Jahre nach ihrem Tod immer noch bedeutsam – das schaffen auch nicht alle.

Ihre Inspiration ist für viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen aktuell: Musik, Botschaft, Rolle, Genre-übergreifend, Kosmopolitin, Komponistin, Haltung, Ambiguität, Frau, Schwarz...Die Liste ist lang und vielschichtig.

Worauf darf sich das Publikum freuen? Ein Abend nach dem Motto „Feeling good“, wie ein prägendes Lied Ninas heißt?

Das Publikum wird ein anderes sein, wenn es nach Hause geht. Tief berührt, wissender und empathischer als zuvor. Ein echtes Erleben auf vielen Sinnesebenen kann ich versprechen, und das verbindet.

Schon mit sieben Jahren vom Stepp-Dance gepackt

Jazz und Afrobeats
Am 27. Oktober 1977 in Stuttgart als Foloshade Dada geboren, wird sie bereits mit sieben Jahren vom Stepptanz gepackt. Als Tochter eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter vereint sie in ihrer Musik Jazz, Afrobeat, Blues, Electronics und Soul zu einem eigenen Klang. Fola Dada ist gefragte Dozentin an mehreren Hochschulen und leitet ihre eigene Gesangsschule, das „Stimmwerk“ in Stuttgart.

Gastspiel
Die Nina Simone Story mit Fola Dada und einem hochkarätigen Ensemble kommt auf Einladung des Kulturamts Fellbach am Freitag, 24. April, um 20 Uhr in die Schwabenlandhalle. Karten im Vorverkauf beim i-Punkt im Rathaus Fellbach und an der Abendkasse.

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