Folgen der Energiekrise In den Hallenbädern wird es kühler

Die Hallenbäder öffnen, sparen aber gleichzeitig Energie. Foto: //Rolf Vennenbernd

Die Kommunen im Kreis Ludwigsburg reagieren auf die Energiekrise und senken die Temperaturen in den Becken – oder verkürzen sogar die Saison.

Weil kommunale Hallenbäder ohne den Gemeindetropf nicht überlebensfähig wären und in der Regel eine Menge Geld verschlingen, leisten sich nur noch wenige Städte und Gemeinde überhaupt so ein Angebot – ohne das vor allem etliche Eltern aufgeschmissen wären, die ihren Zöglingen das Schwimmen beibringen lassen wollen. Doch selbst wenn man vor Ort Klein und Groß die Möglichkeit eröffnet, durch ein Becken zu kraulen, wird das in diesem Herbst und Winter meist nicht mit dem gewohnten Komfort verbunden sein: viele Kommunen senken wegen der Energiekrise nämlich die Wassertemperatur – oder wollen sogar die Saison verkürzen.

 

Im März soll wieder Schluss sein

So wie Beilstein. Dort können Schwimmfans erst vom 15. Oktober an ihre Bahnen ziehen und damit einen Monat später als üblich. Das liegt zwar auch daran, dass in der Sportstätte Reparaturen auf der Agenda standen und man die konkreten Sparvorgaben der Regierung abwarten wollte, wie Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld erläutert. Doch Ziel ist laut Vorlage zur nächsten Gemeinderatssitzung eben auch, die „Senkung des Energieverbrauchs“. Aus dem Grund schlägt die Verwaltung vor, die Saison zu verkürzen und schon Ende März ausklingen zu lassen. Doch das soll noch nicht das letzte Wort sein. Man rege darüber hinaus an, die Wassertemperatur auf nurmehr 24 Grad anzuheizen, berichtet Schoenfeld. „Das ist nicht eiskalt. Da kann man immer noch schwimmen. Ich glaube, das ist ein guter Kompromiss“, sagt die Rathauschefin. Sie weist zudem darauf hin, dass man auch immer im Blick haben müsse, ob die Vorgaben von den übergeordneten Stellen weiter verschärft werden.

Bei verschärfter Lage droht eine Schließung

An diese Möglichkeit erinnert auch der Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger. Deshalb wolle man sich vom Gemeinderat ermächtigen lassen, notfalls die Reißleine zu ziehen und das örtliche Lehrschwimmbecken zu schließen. Stand jetzt soll das Bad bei der Grundschule jedoch im Oktober öffnen. Wegen Arbeiten in den Umkleiden sei ein früherer Termin nicht realisierbar gewesen, betont Döttinger. Die Wassertemperatur werde von 28 auf 26 Grad gesenkt. Das Ganze sei mit dem örtlichen Schwimmverein abgesprochen, sagt der Bürgermeister, der zudem erklärt, dass bei einer weiteren Zuspitzung der Lage vor einer endgültigen Schließung weitere Zwischenschritte denkbar seien, um den Energieverbrauch zu drosseln.

Mittel gegen steigende Kosten

Konsequenzen aus den Gasengpässen infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zieht man auch in Freiberg am Neckar. „Wir haben die Temperatur in den Becken und auch die Raumtemperatur um jeweils zwei Grad gesenkt“, sagt Betriebsleiter Attila Hercsuth. Die Besucher des öffentlichen Bads müssen sich seit der Wiedereröffnung nach den Sommerferien nun als Nichtschwimmer mit 27 Grad arrangieren, beim zweiten Becken zeigt das Thermometer 25 Grad und in der Halle selbst 28 Grad an. „Andernfalls wären die Betriebskosten immens gestiegen, so können sie überschaubar gehalten werden“, sagt Hercsuth.

Bad in Marbach ist ohnehin zu

Bekanntermaßen viel Energie und damit Kosten verbraucht normalerweise auch das in die Jahre gekommene Marbacher Hallenbad. Die Sportstätte ist derzeit zum Leidwesen vieler Schwimmer aber ohnehin geschlossen und könnte wegen diverser Mängel, die zunächst behoben werden müssten, frühestens in eineinhalb Jahren wieder Besucher begrüßen.

Außenbecken komplett geschlossen

Dagegen ist das Hallenbad in Bissingen zwar generell für den Schwimm- und Schulsport und dienstags sowie freitags für die Allgemeinheit geöffnet. Allerdings wurden zwecks Kosteneinsparung die Raum- und Beckentemperatur um jeweils zwei Grad gesenkt. Dazu fällt der Warmbadetag flach. Ebenfalls um zwei Grad kälter als üblich sind das Wasser und die Luft im Bad am Viadukt in Bietigheim-Bissingen. Nur im Kleinkindbereich bleibe die Temperatur im Becken wie gehabt, teilt Richard Mastenbroek, Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen GmbH, mit. Komplett geschlossen ist derzeit ferner aus Energiespargründen das Außenbecken.

Temperatur wird gesenkt

Die Stadt Sachsenheim leistet ebenfalls einen Beitrag, um die Folgen der Krise abzufedern. So senkt man wie in Freiberg die Raumtemperatur um zwei auf 28 Grad. Die Wassertemperatur wird ebenfalls um zwei Grad auf 26 Grad reduziert. „Der öffentliche Badebetrieb, das Schulschwimmen, Vereinsschwimmzeiten und Schwimmkurse können damit weiterhin stattfinden“, konstatiert die Kommune via Pressemitteilung.

Die Zeichen der Zeit haben augenscheinlich auch die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim erkannt. „Um den Energieverbrauch nachhaltig zu senken“, habe man auf Empfehlung der entsprechenden Verbände bereits „Maßnahmen in den Freizeiteinrichtungen eingeleitet“. In den Innenbecken der Hallenbäder sei die Temperatur um ein Grad, in den Außenbecken um zwei Grad zurückgefahren worden.

Verbot für private Pools und ein Appell vom Landrat

Ludwigsburg
 Seit September gilt die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung. Darin ist unter anderem geregelt, dass mit Gas oder Strom beheizte private Pools verboten sind. Kommunale Bäder sind davon ausgenommen. Städte und Gemeinden könnten aber „natürlich unabhängig von der Verordnung eigene Initiativen zum Gas sparen anstreben und umsetzen“, teilt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit. Genau das tun viele Kommunen nun, indem sie die Temperatur in den Hallenbädern senken.

Appell
 Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier appelliert an die Bürger, sich auch einzubringen. Tipps zum Energiesparen gibt es unter www.landkreis-ludwigsburg.de. Zum Beispiel sollte man mit Deckel kochen oder Sparduschköpfe einbauen. 

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