Folgen der US-Zollpolitik Schweizer kämpfen für Pillen und Rolex

Auch Donald Trump trägt eine Uhr dieser Marke: Auf Rolex und andere Luxuswaren lasten die angedrohten US-Zölle. Foto: imago stock&people/Oberhaeuser

US-Präsident Donald Trump will auch Produkte aus der exportabhängigen Schweiz mit hohen Zöllen belasten. Die Eidgenossen versuchen, ihn mit Pragmatismus und Demutsgesten milde zu stimmen.

Wenn Donald Trump auf dem Golfplatz steht, blinkt eine goldene Rolex-Uhr oberhalb seines linken Handgelenks, Modell „Day-Date“. Der 78-Jährige trägt dazu das Armband „President“, wie Experten von „Luxurybazaar.com“ berichten. Trump soll eine ganze Kollektion hochpreisiger, mitunter protziger Zeitmesser aus der Schweiz besitzen. Die Schwäche des US-Präsidenten für Rolex & Co hat ihn nicht davon abgehalten, Anfang April auch Schweizer Waren mit satten Strafzöllen zu belasten.

 

Zunächst wollte Trump Helvetiens Güterexporte in die Vereinigten Staaten mit Zöllen von 31 Prozent belegen. Das wären deutlich höhere Abgaben gewesen als diejenigen, welche die USA für Waren aus der Europäischen Union geplant hatten. Trump drohte auch mit US-Zöllen auf Pharmaprodukte, „wie man es wirklich noch nie zuvor gesehen hat“. Die Hersteller von Arzneimitteln gehören zu den Schlüsselbranchen der exportabhängigen Schweiz. Selbst Branchengrößen wie Roche und Novartis geraten damit unter Zugzwang.

Die Regierung des nicht der EU angehörenden Landes reagierte eher zahm auf die schroffe US-Politik. „Die Berechnungen der US-Regierung sind für den Bundesrat nicht nachvollziehbar“, hieß es aus Bern. Ansonsten verkniff sich der Berner Bundesrat harsche Worte. Gegenschläge auf US-Exporte in die Schweiz? Besser nicht.

„Made in Switzerland“ könnte sich für US-Kunden enorm verteuern

Nach Trumps teilweisem Rückzieher gelten vorläufig US-Zölle von zehn Prozent anstatt 31 Prozent für die Einfuhren aus der Eidgenossenschaft, so viel wie für fast alle anderen Staaten auch. Mit einer gewissen Erleichterung spricht Wirtschaftsminister Guy Parmelin von einem „halb vollen Glas“. Doch die kühl kalkulierenden Schweizer wissen: Sie müssen laut einem Trump-Ultimatum innerhalb von 90 Tagen den Handelsstreit mit Washington entschärfen. Wenn nicht, könnte Trump die Zölle auf Schweizer Importe in die Vereinigten Staaten wieder auf 31 Prozent anheben und damit Produkte „Made in Switzerland“ massiv verteuern. Im Vergleich zu Deutschland und Frankreich „würde die Schweiz deutlich höhere Verluste erleiden“, warnt die Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. „Aus Schweizer Sicht bleibt zu hoffen, dass die ökonomische Vernunft wieder stärker nach Washington zurückkehrt“, sagt Hans Gersbach, Co-Direktor der Konjunkturforschungsstelle. Diesen Wunsch hegen auch Verbraucher, Unternehmer und Politiker. Ein erstes klärendes Telefongespräch mit Trump durfte Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter führen. Keller-Sutter, die zugleich das Finanzministerium leitet, erinnerte den US-Präsidenten an die engen ökonomischen Verflechtungen der beiden Staaten. Keller-Sutter und Parmelin nehmen an der Frühlingstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank teil und hoffen, dann mit möglichst hochrangigen US-Regierungsvertretern reden zu können.

Die Schweiz ist einer der besten Handelspartner der USA

„Unser Land ist einer der besten Handelspartner der USA“, betont auch der Wirtschaftsverband Economiesuisse. Tatsächlich ist laut Schweizer Regierung „die bilaterale Handelsbilanz relativ ausgeglichen“. Die USA haben einen Überschuss bei Dienstleistungsexporten, die Schweiz bei Warenausfuhren. Das Plus der Eidgenossen im transatlantischen Warenhandel lässt sich größtenteils auf die starke chemisch-pharmazeutische Industrie und den Goldhandel zurückführen. Zudem liefern die Schweizer Maschinen, Kaffeekapseln, Energydrinks, Käse, Schokolade und Uhren in die USA.

Was wird aus Schweizer Investitionen in den USA?

Als ein besonderes Ass im Poker mit Trump könnten sich die gewaltigen Schweizer Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten erweisen. Trump versucht mit Anreizen und Drohungen so viel fremdes Geld wie möglich in die USA zu ziehen. Bis Ende 2023 häufte sich das investierte Kapital der Eidgenossen in den USA auf 352 Milliarden US-Dollar an – damit belegte das kleine Land in der Rangliste der ausländischen Direktinvestoren einen beachtlichen sechsten Platz. Im kritischen Bereich der Investitionen in Forschung und Entwicklung lagen die Schweizer im Jahr 2022 sogar auf Platz eins.

Und erst vor knapp zwei Wochen kündigte der Pharma-Riese Novartis ein neues Paket an: Der Basler Konzern will in den kommenden fünf Jahren rund 23 Milliarden Dollar in seine US-Standorte stecken und die wichtigsten Medikamente dort produzieren. Novartis-CEO Vas Narasimhan lobte das „innovationsfreundliche politische und regulatorische Umfeld in den USA“. Die Zölle erwähnte der CEO lieber nicht.

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