Folgenschwerer Coup des Stefan Mappus Nächtliches Finale

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stächeles Skepsis rührt vielleicht daher, dass er die Transaktion vergleichsweise unbefangen betrachtet. Anders als Mappus, der schon seit Wochen oder Monaten darauf hinarbeitet und dabei wohl kräftig angefeuert wurde, kennt er den großen Plan erst seit einer Stunde. Am frühen Nachmittag jenes 5. Dezember, eines Sonntags, hat ihn der Anruf seines Ministerkollegen Helmut Rau erreicht, er solle sich abends um 23 Uhr in der Staatskanzlei einfinden.

Nein, es gehe nicht um Personalien, ist das Einzige, was allen Ahnungslosen vorab verraten wird. Als der Finanzminister eine Viertelstunde zu früh in der Villa Reitzenstein eintrifft, musste er erst einmal vor dem Kabinettsvorraum warten. Gleich neben dem kurzen Gang, der zu den Toiletten führt, hatte jemand einen Stuhl für ihn bereitgestellt. Dort, wo sonst die Amtschefs der Ressorts die Sitzungen des Ministerrats vorbereiten, hat Mappus seine Getreuen und Berater zum großen Finale versammelt: Staatsminister Helmut Rau und Staatssekretär Hubert Wicker aus dem eigenen Haus; Dirk Notheis und seine Investmentbanker von Morgan Stanley; Martin Schockenhoff und Kollegen von der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz; PR-Berater Dirk Metz samt einem Mitstreiter für die Wirtschaftspresse.

Unvorhergesehene Probleme

Schon am Freitag zuvor ist man sich mit der EdF handelseinig geworden. Nun aber gibt es unvorhergesehene Probleme, weil die Franzosen sich noch mit Staatspräsident Sarkozy rückkoppeln müssen; die Folge sind hektische Telefonate mit Paris. Um 23.15 Uhr schließlich wird Stächele hereingebeten und über den Sachstand informiert: Erst erläutert ihm Notheis das Geschäft an sich, dann Schockenhoff den rechtlichen Weg über eine Notbewilligungsklausel, die eigentlich für Erdbeben oder Seuchen vorgesehen ist. Nur so lässt sich der Landtag ausschalten, den Mappus um keinen Preis vorab beteiligen will - weil der Kauf sonst nicht zustande käme. 

Selbst die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP, die am Sonntag ihre Abgeordneten für den Montag zusammentrommeln müssen, erfahren nicht, weshalb. "Der Unterzeichner nahm diese Information und Rechtsberatung entgegen", notiert der Finanzminister später in einem Vermerk, der wohl seiner Absicherung dienen soll. Die Freigabe der bis zu 5,9 Milliarden Euro macht er zudem von der Zustimmung des Kabinetts abhängig, das für Montag früh zu einer Sondersitzung einberufen wird und, natürlich, sein Plazet gibt; die Beschlussvorlage umfasst kaum eine Seite.

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