Folgenschwerer Coup des Stefan Mappus Mission der Landräte

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Wer aber kam auf die Idee, dass das Land den EdF-Anteil zurückkaufen könnte? Das gehört zu den Fragen, die bis heute ungeklärt sind. Eine Version aus unternehmensnahen Kreisen besagt, die Oberschwaben hätten diesen Vorschlag ins Spiel gebracht - und zwar erstmals bereits zu Zeiten von Ministerpräsident Günther Oettinger. Als möglicher Käufer sei damals auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ins Auge gefasst worden, die mit der Finanzkrise freilich ausschied.

Die OEW-Chefs Widmaier und Seiffert, die zusammen mit der Geschäftsführerin Barbara Endriss unterwegs gewesen sein sollen, hätten dafür indes kein Mandat gehabt; die übrigen Mitglieder wussten von nichts. Endriss dementiert denn auch heftig. Natürlich habe man mit den jeweiligen Ministerpräsidenten, wie auch mit den kleinen Aktionärsverbänden, regelmäßig über die Eigentümerstruktur und die Zukunft nach 2011 gesprochen, aber: "Zu keinem Zeitpunkt war ein möglicher Wiedereinstieg des Landes als Aktionär Gesprächsthema."

Diese Idee, so eine andere Version, könnte auch von Dirk Notheis stammen. Mit dem Freund aus gemeinsamen Tagen in der Jungen Union, der seinen Aufstieg in der Politik immer wieder gefördert hatte, hielt Mappus auch als Fraktionschef und "MP" engen Kontakt. Für viele andere Termine hatte er keine Zeit, aber ein Treffen mit dem deutschen Morgan-Stanley-Chef - ob am Banksitz in Frankfurt oder in dessen Ettlinger Heimat - ließ sich immer einrichten. Dessen Bankersprache färbte zusehends auf ihn ab: Formulierungen wie "am Ende des Tages" benutzte er bald genauso oft. Intellektuell und rhetorisch war Notheis dem zwei Jahre älteren Gefährten stets überlegen, Mappus zeigte dagegen mehr Wagemut und Risikofreude. Er sei ein Spieler, sagen Parteifreunde, der gerne aufs Ganze gehe - und damit oft genug Erfolg hatte.

 Mappus unter massiven Druck

Vielleicht war es diese Melange der Talente und Temperamente, in der der Rückkauf ersonnen wurde. Schon damals wunderten sich CDU-Leute, wie unvorsichtig die beiden Freunde zu Werke gingen. Warum, rätseln sie bis heute, habe der Banker den Politiker nicht klarer vor den Risiken des Deals gewarnt? Branchenkenner verweisen zur Erklärung auf den brutalen Erfolgsdruck, der in dieser Liga des Investmentbankings herrsche. Ein Fünf-Milliarden-Deal - eine der größten Transaktionen des Jahres - sei da wohl zu verlockend, um ihn sich durch Bedenken verderben zu lassen. Bei der EdF wurde das noch klarer gesehen: Notheis, der "Zwilling" im Geiste, habe seinen Freund Mappus im eigenen Interesse "als Werkzeug benutzt", analysierte ein beteiligter Manager intern.

Auch Mappus stand zuletzt unter massiven Druck. Nach dem Polizeieinsatz gegen Stuttgart-21-Demonstranten im Stuttgarter Schlossgarten, dessen verheerende Wirkung gerade aufs bürgerliche Publikum die Schlichtung nur halbwegs neutralisierte, brauchte er dringend einen Erfolg auf einem anderen Feld. Mit dem Aktiencoup wollte er zugleich antiausländische Ressentiments bedienen ("EnBW-Aktien kommen heim", lautete der Dateiname einer Pressemitteilung) als auch industriepolitische Kompetenz beweisen.

Nun habe der junge Ministerpräsident gezeigt, "dass er auch Wirtschaft kann", sollten seine PR-Leute verbreiten. Nach dem 30. September wurden die Pläne jedenfalls mit Verve vorangetrieben. Zum Schluss musste alles offenbar ganz schnell gehen. Erst anderthalb Wochen vor dem Vertragsschluss am 6. Dezember wurde die Kanzlei Gleiss Lutz beauftragt, die Vereinbarung mit Morgan Stanley datiert vom 2. Dezember.

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