Fondation Beyeler Basel: Basquiat Verhängnisvolle Gier der Galeristen

Schnell gemalt und sofort verkauft: Basquiats „The Field“ von 1982 Foto: LAC/Adam Reich

Jean-Michel Basquiat war der erste Afroamerikaner, der zum Star wurde in der westlichen Kunstwelt. Die hat ihn aber auch hemmungslos benutzt und ausgenutzt, wie jetzt in einer spannenden Schau der Fondation Beyeler gezeigt wird.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Wäre er eine Kuh, man würde sagen: Den haben wir schön gemolken. Aber dieser SAMO war keine Kuh, sondern ein Mensch, ein verdammt hübscher Mann, sehr jung, sehr talentiert und dunkelhäutig. Die Kunstwelt stand Kopf: Von heute auf morgen wollten sie alle Bilder von dem Burschen haben, der bisher nur auf Hauswänden Botschaften hinterlassen hatte. Nun stellte er zum ersten Mal mit namhaften Kollegen aus: Nan Goldin, Keith Haring und Andy Warhol. Er bekam sogar eine komplette Wand für seine wilden Bilder. Ein neuer Star war geboren: Jean-Michel Basquiat (1960–1988).

 

Alt wurde er nicht

Er war gerade mal Anfang zwanzig, als Basquiat eine so rasante Karriere hinlegte, wie es sie im Kunstbetrieb nur selten gibt. Er war der erste afroamerikanische Künstler, der im westlichen und weißen Kunstbetrieb gefeiert wurde. Er war der jüngste Künstler auf der Documenta in Kassel. Nur das magische Alter von 28 Jahren, in dem schon viele Popweltstars gestorben sind, erreichte er nicht: 1988 erlag Basquiat mit 27 einer Überdosis Heroin. Er hatte noch vor, sich von Schamanen heilen zu lassen. Es wurde nichts mehr daraus.

Der schnelle Erfolg hat Schattenseiten

Es wird eine Mischung aus Jugend und Sex-Appeal, Exotik und Talent gewesen sein, die die Kunstwelt an diesem jungen Burschen faszinierte. Eine Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel macht nun deutlich, dass auch ein Gutmaß an Gier zu dieser Geschichte gehört. Die Schau ist weniger wegen der „Modena Paintings“ interessant, die nun erstmals gemeinsam zu sehen sind, sondern wegen der Hintergründe, die aufgerollt werden und hoch spannend diesen viel zu schnellen Erfolg samt seiner Schattenseiten ahnen lassen.

Der Künstler fühlt sich als „Galeriemaskottchen“

Denn es ging Schlag auf Schlag. Bisher hatte Basquiat mit einem Freund im New Yorker Galerienviertel Soho mit Sprühfarbe Botschaften auf Fassaden und in U-Bahnen hinterlassen, poetische und kritische Sätze. Sein Pseudonym: „SAMO“ – die Abkürzung für „same old shit“, was auf den Rassismus gegen Afroamerikaner anspielt. Als er aber diese eine Wand bei einer Gruppenausstellung bespielen darf, stehen die Menschen plötzlich Schlange, und die Galeristen horchen neugierig auf. Die Kunsthändlerin Annina Nosei nimmt ihn unter ihre Fittiche, stellt ihm ein Arbeitszimmer zur Verfügung und macht 1982 eine Einzelausstellung mit ihm. Auch die renommierte Larry Gagosian Gallery in Los Angeles will ihn zeigen; obwohl die Bilder zum Teil nicht fertig sind, wird alles verkauft.

Und dann: Europa. Der italienische Galerist Emilio Mazzoli lädt den jungen Maler nach Modena ein. Es ist eine fragwürdige Einladung, denn Mazzoli hat schon in einer Lagerhalle aufgespannte Leinwände und Malutensilien vorbereitet. Basquiat muss liefern. „Es war wie eine Fabrik, eine üble Fabrik“, sagte er später, „Ich hasste es. Ich wollte ein Star sein, kein Galeriemaskottchen.“ Die Arbeiten, die der 21-Jährige auf Kommando produzieren musste, wurden nicht einmal ausgestellt, sondern direkt verkauft an Privatsammlungen. Die Galeristen bekamen Krach, Annina Nosei wollte am Gewinn beteiligt werden. Zugleich wurde Basquiat weitergereicht: Documenta 7, Zürich, Rom – ein fragwürdiger Erfolg

Der junge Maler wurde weitergereicht

Mag sein, dass Basquiat psychisch nicht sehr stabil war. Er entstammte einem gebildeten Elternhaus, besuchte eine katholische Privatschule und ging schon als Kind oft ins Museum. Allerdings hatte die Mutter psychische Probleme und verließ die Familie. Jean-Michel lebte beim Vater, lief mehrfach von zu Hause weg und kam auf eine Schule für begabte Problemkinder.

Der Erfolg stieg ihm ungesund zu Kopf

Der Hype um ihn wird sein Übriges getan haben. Der allzu rasche Aufstieg stieg ihm zu Kopf. „Ich hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein“, meinte er, er habe „übermäßiges Selbstvertrauen“ gespürt. Er arbeitete wie besessen und lebte exzessiv. Als er starb, hinterließ er mehr als tausend Gemälde und Objekte, die bis heute hoch bezahlt sind. Die Gemälde, die Basquiat in der italienischen „Fabrik“ malte, sind wie viele seiner Werke, wild, ungestüm, kraftvoll. Sie zeigen Menschen, Tiere und Skelette in einer rauen, fast gewalttätigen Malerei, schroff und abgründig. Ein Selbstporträt, das in Italien entstand, wurde vor ein paar Jahren bei Christie’s für mehr als fünfzig Millionen Euro verkauft; ein japanischer Milliardär zahlte zuletzt fast hundert Million Euro für ein einziges Gemälde dieses Künstlers, der für seinen Erfolg einen hohen Preis zahlen musste.

Liebling der Stars

Madonna
Basquiat war mit der damals noch unbekannten Madonna befreundet. Sie gehört heute zu den wichtigen Sammlerinnen seines Werke – wie auch Johnny Depp, Dennis Hopper und Leonardo DiCaprio.

Ausstellung
bis 27. August, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr, Freitag bis 21 Uhr.

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