Food-Tour in Dubai Die haben was auf der Pfanne
Es muss nicht das mit 24-karätigem Blattgold umhüllte 1000-Euro-Steak sein. In Dubai kann man sich auch preiswert und gut durch Garküchen aus aller Welt futtern.
Es muss nicht das mit 24-karätigem Blattgold umhüllte 1000-Euro-Steak sein. In Dubai kann man sich auch preiswert und gut durch Garküchen aus aller Welt futtern.
Ganz hinten in der engen, dunklen Gasse brennt einsam ein Licht. Die anderen Läden in diesem Teil des Souks haben schon geschlossen. Es ist Sonntag, später Nachmittag. Nur wenige Menschen verirren sich in die abgelegene Ecke im Stadtviertel Deira, dem historischen Teil von Dubai. Ketki Bhosale (33) stapft entschlossen vorne weg. In dem Durchgang versteckt sich Al Hajs Coffee Shop. Ein winziger Laden, nicht viel mehr als ein Fenster in der Wand. Im Angebot: frittierte Kochbananen, Sandwiches, Kaffee, Säfte. Solche Büdchen gebe es hier quasi an jeder Ecke, erklärt die Stadtführerin. Das Angebot ist immer ähnlich, aber es handelt sich nicht um eine Kette.
Die Coffee Shops sind inhabergeführt, meist von Familien aus Kerala im Südwesten von Indien. Ketki Bhosale bestellt und bekommt kurz darauf eine Tüte über die Theke gereicht. Dann geht es raus aus dem engen Sträßchen auf einen weiten Platz um die Ecke. Hier stehen weiß gestrichene Bänke und sogar ein Tisch. Man kann gemütlich sitzen und genießen. Es gibt Anda Paratha, einen aufgerollten salzigen Pfannkuchen, auf dem zerschlagene Eier mitgebraten werden. Raffiniert gewürzt, unfassbar lecker und günstig. Eine Portion kostet 5 Dirham, das sind 1,18 Euro.
Warum das so gut schmeckt? Ketki Bhosale zieht eine kleine Tüte aus dem Rucksack: „Das Geheimnis sind Oman Chips.“ In den Emiraten knabbert man die hauchdünnen Kartoffelscheiben aus dem benachbarten Sultanat nicht nur sehr gerne an der Bar oder beim Fernsehen. Fein zerkrümelt geben Oman Chips als Gewürz oder Topping vielen Speisen einen besonderen Pfiff. Sie bringen eine feine Chili-Note ins Spiel, dazu Paprika, etwas Essig und Zitrone.
„Und wer es richtig scharf mag, träufelt noch ein paar Tropfen Falken-Soße drüber“, sagt Ketki Bhosale, kramt in den Tiefen ihres Rucksacks und zaubert ein kleines Fläschchen herbei. Die scharfe Würze, eine Tabasco-Variante, kommt aus dem US-Bundesstaat Louisiana. Und eigentlich ist der Vogel auf dem Etikett ein Adler und kein Falke. Aber völlig egal, die Emirati haben das Produkt für sich entdeckt, landestypisch umgedeutet und lieben es heiß und innig. „Ich hatte mal einen Gast aus New Orleans, der kannte die Soße überhaupt nicht. Wahrscheinlich produzieren sie nur für den Export in den Nahen Osten“, sagt Ketki Bhosale und lacht.
Die studierte Marketingfachfrau arbeitet seit eineinhalb Jahren beim Touranbieter Frying Pan Adventures. Die „Bratpfannen-Abenteuer“ wurden 2013 von Arva Ahmed gegründet. Ihr Motto: „Kein Schnickschnack, keine Touristenfallen – nur authentisches Essen, lebendige Geschichte und ganz viel Herz.“
Wie könnte man eine Stadt schöner erkunden als mit allen Sinnen? Sehen, Riechen, Hören, Tasten, Schmecken. Arva Ahmed wurde berühmt, weil sich Netflix-Star Philip Rosenthal gemeinsam mit ihr in einer Folge der Doku-Serie „Somebody Feed Phil“ durch die Straßen von Dubai futterte.
Ketki Bhosale macht den Job genauso gut wie ihre Chefin. Die 33-Jährige hat indische Wurzeln, betrachtet Dubai aber als ihre Heimat: „Ich bin hier aufgewachsen. Meine Eltern kamen hier her, als ich zwei Jahre alt war.“ Sie verfügt über eine große Leidenschaft für gutes Essen und profunde Ortskenntnis. Ihr Fokus liegt nicht auf den schicken Restaurants, für die Dubai bekannt ist. Wo man virale Food Trends kreiert und die Kreditkarte glüht. Hier geht es um das Dubai jenseits der glitzernden Hochhäuser, der Mega-Malls und Millionäre.
Im sympathischen Gewirr des Souks von Deira wehen einem ständig neue, verführerische Düfte in die Nase. Es gibt Garküchen, Imbissbuden, Street-Food-Stände. Hier versorgen sich auch die Arbeiter, die in Dubai das Glück suchen und ihre Frauen daheim lassen mussten.
Das Emirat Dubai hat rund vier Millionen Einwohner, nur 10 bis 12 Prozent davon sind Einheimische. Die Menschen aus den anderen 190 Nationen haben ihre Spezialitäten und Rezepte mitgebracht. Man kann hier die Küchen der Welt kosten – Indien, Iran, Syrien, Afghanistan oder Ägypten.
Authentisches Emirati-Essen muss man hingegen mit der Lupe suchen. Die Bürger des Landes kochten und aßen lange Zeit lieber daheim in der Familie. „In den letzten Jahren haben aber ein paar Lokale eröffnet. Wir entwickeln auch gerade eine neue Tour zum Thema.“ Weil Dubai früher ein armes Fischerdorf war, besteht die lokale Küche vor allem aus den Gaben des Persischen Golfs. Dazu Datteln und Kamelmilch.
Im Zickzackkurs geht es zum Gold Souk. Ketki Bhosale versucht, den großen Menschenmassen und den nervigen Marktschreiern aus dem Weg zu gehen. Dabei streift die Gruppe manch schummrig wirkende Ecke. In anderen Städten müsste man sich vielleicht Sorgen machen und Wertsachen wie Smartphone oder Handtasche gut festhalten. Doch Dubai gilt als extrem sicher. Kein Wunder: Straftaten werden im absolutistisch regierten Emirat hart bestraft.
Im Vorbeigehen wird noch ein kurzer Stopp im kleinen Laden von Amir Razai eingelegt. Der Iraner verkauft nicht nur beliebte Gewürze wie Kurkuma, Kreuzkümmel, Chili, Muskatnüsse, Sumach oder Za’atar. Hier gibt es auch ein kleines Regal mit Heilmitteln. „Früher haben die Gewürzhändler auch bei kleineren Wehwehchen geholfen“, sagt die Food-Expertin. „Und manche tun das noch heute.“ Amir Razai füttert die eigentlich schon gesättigten Bäuche mit Pistazien und überrascht mit ein paar Brocken Deutsch. Er hat einen Freund in München.
An einem versteckten Platz hinter dem Gold Souk gibt es einen köstlichen Snack aus Afghanistan. Al Shaiba Bakery backt in einem vertikalen Ofen gefüllte Fladenbrote – quasi die arabische Version der italienischen Calzone. Probiert wird eine herzhafte Variante mit Käse und Za’atar gewürzt und eine süße mit Honig. Köstlich!
Natürlich muss man noch iranische Faluda versuchen, eine Art Halbgefrorenes mit Rosenwassersirup, Limettensaft und knusprigen Fadennudeln. Frisch gepressten Zuckerrohrsaft trinken. Indisches Frittiertes knabbern. Ende der Speiseröhre! „Tja so ist das hier“, sagt Ketki Bhosale. „Wir sagen nicht ,ich liebe dich‘, wir geben den Leuten etwas zu essen.“
Anreise
Ab Stuttgart gibt es Direktflüge mit Eurowings ( www.eurowings.com ) oder mit Condor ( www.condor.com ) nach Dubai. Günstig und staufrei kommt man mit der Metro in die Stadt. Es gibt Stationen am Terminal 1 und 3. Mit der Roten Linie ist man in etwa 25 Minuten in Downtown, www.rta.ae .
Unterkunft
The Palace Downtown ist ein Boutique Hotel im opulenten arabischen Stil. Dank der zentralen Lage neben der Dubai Mall lässt sich einiges zu Fuß entdecken. Und man kann nach dem Bummel mit Blick auf den Burj Khalifa am Pool entspannen. Doppelzimmer ab 375 Euro, www.addresshotels.com. Im Finanzdistrikt an der Verkehrsachse Sheik Zayed Road liegt das 25hours Hotel One Central. Hübscher Innenhof, Pool mit Bar auf dem Dach. Doppelzimmer ab 252 Euro, www.25hours-hotel.com .
Essen und Trinken
Al Ustad ist Kult. Seit 1978 serviert das Lokal im Innenstadtbezirk Bur Dubai Hummus, Linsensuppe, Falafel und persischen Kabab mit Safranreis. Das Essen ist köstlich und preiswert. Dazu gibt es viel zu sehen: Patron Majeed Ansari, einer der drei Söhne des iranischen Restaurantgründers, huscht mit wehendem Wuschelhaar durch den Raum und dirigiert die Kellner. Die Wände sind über und über mit Fotos von Gästen dekoriert. Fußball-Star Cristiano Ronaldo war auch schon da, https://alustadspecialkabab.has.restaurant .Mausam ist indisch und heißt auf deutsch „Wetter“. Alle Wetter, was für ein tolles Essen! Raffiniert gewürzte Spezialitäten der nordindischen Küche wie Samosas, Tandoori-Huhn, Currys und Reis. Vom Balkon hat man einen tollen Blick auf den Burj Khalifa, www.ubyemaar.com/en-ae/experiences/mausam-restaurant-at-dubai-mall/ Im Restaurant Al Fanar im Stadtteil Al Fahidi wird im Emirati-Stil gekocht. Auf den Tisch kommen gegrillter Tintenfisch, Lachs mit Biryani-Reis, arabischer Sheri-Fisch, gebratene Shrimps oder Wolfsbarsch. Man sitzt schön direkt am Wasser des Dubai Creek, www.alfanarrestaurant.com .
Aktivitäten
Die beschriebene Foodtour kostet ab 385 Dirham (ca. 90 Euro) pro Person für 3,5 Stunden inklusive Essen, www.fryingpanadventures.com . Ähnliche Angebote gibt es bei Get your Guide, www.getyourguide.de.
Allgemeine Aktivitäten
Dubai Tourismus, www.visitdubai.com/de/