Foodbloggerin aus Stuttgart Am Anfang war die Bratapfelmarmelade

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Natalie Friedrich bloggt im „Holunderweg 18“ über Essen. Nun ist die 27-Jährige für den Food Blog Award nominiert. Der Frau, die einfarbige Socken für eine Verschwendung von Möglichkeiten hält, winkt eine kulinarische Reise nach New York.

Nur knapp vier Quadratmeter misst Natalie Friedrichs Küche. Foto: Julia Barnerßoi 7 Bilder
Nur knapp vier Quadratmeter misst Natalie Friedrichs Küche. Foto: Julia Barnerßoi

Plieningen - Natalie Friedrich lebt an zwei Orten. Eigentlich wohnt sie in einer kleinen Einliegerwohnung in Plieningen. Doch viel lieber hält sich die 27-Jährige am Holunderweg 18 auf. Die Adresse gibt es zwar in Stuttgart. In Friedrichs Fall ist sie aber eine virtuelle. Holunderweg 18 ist der Name von Natalie Friedrichs Internetblog. Auf diesem stellt sie vor allem Rezepte, Koch- und Backtipps sowie kochbuchtaugliche Fotos ihrer ausschließlich vegetarischen Gerichte ins Netz. Eines ihrer Rezepte ist inzwischen preisverdächtig. Natalie Friedrich ist für den Food Blog Award nominiert, der kommendes Wochenende in Berlin verliehen wird.

Entstanden ist der Holunderweg 18 vor zwei Jahren. Friedrich wollte eine selbstgekochte Bratapfelmarmelade zu Weihnachten verschenken und stieß auf einen Foodblog. Sie war begeistert. „Bis dahin dachte ich immer, dass Leute auf Blogs nur über ihren Weltschmerz schreiben“, sagt sie. Doch schnell tauchte sie weiter „in die Bloggosphäre“ ein. Aus ihrer Lieblingsfarbe lila und ihrer Lieblingszahl entstand schließlich der Holunderweg 18.

Nach dem Zubereiten werden die Speisen in Szene gesetzt

Zweimal pro Woche lädt Natalie Friedrich ein selbst kreiertes oder abgewandeltes Rezept auf ihren Blog. Wer sehen könnte, wo die Gerichte entstehen, könnte es kaum glauben angesichts der teils wirklich aufwendigen Kreationen. Friedrichs Küche misst nur knapp vier Quadratmeter. „Ich breite mich über die ganze Wohnung aus“, erklärt Friedrich, wie es trotzdem klappt. Die Speisen setzt sie dann kunstvoll in Szene. Dafür hat sie Fotokurse besucht, sich eine gute Kamera und sogar Tageslichtlampen zugelegt. Auf ihrer Terrasse knipst sie auf einem Stuhl stehend die drapierten Speisen. Dabei werde sie schon mal von den Nachbarn beobachtet, die sich wohl fragen, was sie da tut, erzählt Friedrich und lacht.

Nur die Rezepte mit Bildern auf die Internetseite zu stellen, ist der jungen Lektorin zu wenig. Zu jedem Rezept gibt es deshalb auch eine Anekdote. So erzählt Friedrich etwa, wie sie früher kein Pflaumenmus leiden konnte und ihre Mutter es ihr aus den Krapfen kratzen musste. Sie spielt mit Sprache: „Jeden Tag eine gute Tarte!“ oder wirbt für unbeliebtes oder längst vergessenes Gemüse: „Give Rosenkohl a chance!“. Jeden Eintrag schließt sie mit den Worten: „Ich wünsche euch Schönes.“

Süchtig nach Kuchen und Tatort

Die gebürtige Niedersächsin schreibt so, wie sie im direkten Treffen auch erzählt. Das gefalle den Lesern, sagt sie. Inzwischen werde jedes Rezept oder auch jede Näh- und Bastelanleitung, im Schnitt 400-mal angeklickt. Doch die überzeugte Vegetarierin, die nach Kuchen und Tatort süchtig ist, wie sie selbst sagt, wünscht sich noch mehr Besucher. Dafür twittert sie, postet Fotos auf Instagram oder Facebook. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal über Suchmaschinenoptimierung und Social Media Management Gedanken mache“, sagt die Frau, die einfarbige Socken für eine Verschwendung von Möglichkeiten hält und zum Einschlafen Kochbücher liest. Gerne würde sie mit dem Blog irgendwann Geld verdienen.

Sollte sie am Wochenende den Food Blog Award gewinnen, könnte das ihre Bekanntheit steigern. Natalie Friedrich ist in der Kategorie „Bestes Rezept“ mit ihren „Möhrenravioli mit Mangold an Zitronensauce“ unter den letzten fünf Kandidaten. Der jeweils Erstplatzierte gewinnt eine kulinarische Reise nach New York. Die Zweitplatzierten dürfen zum Koch-Workshop bei Sterne- und Fernsehkoch Andi Schweiger in dessen Kochschule in München.

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