Football-Club hat große Ziele Warum die Stuttgart Scorpions in der Europa-Liga starten wollen

Die Scorpions haben neue Ziele – in der European League of Football. Foto: imago/Hartenfelser

Im Juni 2021 soll die neu gegründete European League of Football (ELF) starten – die Stuttgart Scorpions haben ihre Startzusage gegeben. Der Club verspricht sich davon, quantitativ und qualitativ zu wachsen. Wir haben nachgefragt, wie das funktionieren soll.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - Ende 2007 hat die NFL Europe ihren Laden dichtgemacht. Gescheitert war die kostenintensive Missionierung des Alten Kontinents durch die National Football League aus Nordamerika, mit der Football so populär gemacht werden sollte wie jenseits des Atlantiks. Doch die Sportwelt steht nicht still, die taktisch versierte und körperlich fordernde Sportart erzielte in den vergangenen fünf Jahren viel Raumgewinn und steht vor der Endzone – die TV-Übertragungen der NFL-Partien auf Pro 7 Maxx locken oft mehr als eine Million Menschen vor die Bildschirme, die Marktanteile befinden sich mitunter im zweistelligen Bereich. Football ist in Deutschland hinter Fußball und Formel 1 Nummer drei im Live-Fernsehsport.

 

Star der Sendung ist Patrick Esume, ein ebenso sympathischer wie gewiefter Fachmann, gebürtiger Hamburger, 46 Jahre alt, der als Cornerback mit den Hamburg Blue Devils 1996 und als Headcoach der Kiel Baltic Hurricanes 2010 den German Bowl holte und der als Headcoach mit Frankreich 2018 Europameister wurde. Um Football in Europa zu professionalisieren, wurde die ELF gegründet, bei der Esume als Boss auf dem Chefsessel sitzt. Gesellschafter und Investor ist Zeljko Karajica (49), der Football bei der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 etablierte, er steigt mit der Sports & Entertainment Holding (SEH) ein. Und ein (noch ungenannter) TV-Partner hat zugesichert, Spiele im Fernsehen und als Livestream zu übertragen.

Patrick Esume genießt viel Vertrauen

Ein Plan, der Volker Lässing so gut gefällt wie ein hoher Lottogewinn. „Esume ist ein engagierter Kämpfer für Football, er besitzt den nötigen Fachverstand und die wichtigen Medienkontakte“, sagt der Clubchef des Football-Erstligisten Stuttgart Scorpions. Kein Wunder, dass die Worte des ELF-Initiators in Degerloch auf sehr fruchtbaren Boden fielen, Stuttgart möge doch ein Team für die neue Europa-Liga stellen. „Nach kritischer Betrachtung in diversen Abstimmungsrunden und Klausurtagungen mit sämtlichen Vereinsverantwortlichen haben wir die Chancen und Risiken detailliert beleuchtet“, erklärte Lässing, „wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir Stuttgart in der ELF vertreten sehen möchten, um diese einmalige Chance zu ergreifen.“ Neben Stuttgart haben die Clubs aus Berlin, Frankfurt/Main, Hildesheim, Ingolstadt und Hamburg sowie die Wroclaw Panthers (Polen) zugesagt. Verhandlungen mit einem siebten deutschen Standort laufen, zum Start soll die Liga acht Teams umfassen. Angepeilt werden bis zu 24 Teams aus zehn Ländern. „Deutschland ist die Basis“, betont Esume.

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Wenn die Scorpions im nächsten Juni in der ELF eine Mannschaft stellen, ist das jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Rückzug aus der German Football League (GFL). Es soll zwei Stuttgarter Teams geben – in der ELF die Besten, in der GFL (oder der GFL 2) wird sozusagen die Back-up-Truppe um Yards und Punkte kämpfen. Zwei 46-Mann-Kader zu füllen ist für die Scorpions so einfach, wie den Punkt nach dem Touchdown zu erzielen. „Wir haben einen enormen Zulauf an Spielern“, sagt Lässing, „die bei uns unterkommen wollen.“ Der Clubchef sieht in der Zusage zur ELF eine hervorragende Möglichkeit, den Football-Standort Stuttgart zu stärken, aktuell sind die Schwäbisch Hall Unicorns die Nummer eins im Bundesland. Auch die zusätzlichen Kosten für Spieler, Ausrüstung und Reisen schrecken den Club nicht. Die Eckdaten der Budgets sind bereits mit der ELF verhandelt, und Lässing ist sich sicher, dass auch bei den weiteren Gesprächen Einigung erzielt wird.

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