Football-Club in der GFL 2 So geht es bei den Stuttgart Scorpions weiter
Nach dem Abstieg aus der German Football League will sich der Stuttgarter Club neu ausrichten und setzt dabei vor allem auf die eigene Jugend.
Nach dem Abstieg aus der German Football League will sich der Stuttgarter Club neu ausrichten und setzt dabei vor allem auf die eigene Jugend.
Stuttgart - Er schmerzt Roland Pellegrino noch immer. Der Gedanke an die letzten 15 Sekunden der Partie von Frankfurt Universe gegen die Marburg Mercenaries, als die Frankfurter den entscheidenden Touchdown zum Verbleib in der German Football League (GFL) erzielten – und damit die Stuttgart Scorpions in die Relegation verbannten, die sie wegen Spielermangels nicht bestritten haben und so in die GFL 2 abgestiegen sind. „Wie heißt es doch“, sagt der Präsident der Scorpions fünf Wochen später, „wenn dir das Leben Zitronen beschert, dann mach Limonade daraus.“ Den Abstieg aus der deutschen Eliteliga, der die Stuttgarter seit 1995 ununterbrochen angehörten, nicht als vernichtende Katastrophe begreifen, sondern als Chance für einen Neuanfang nutzen. „Es wird weitergehen“, betont Pellegrino, „bei den Scorpions wird weiter Football gespielt.“
Hinfallen, statt des Krönchens den Helm und die Schulterpads richten, aufstehen und rein ins nächste Huddle, wie die Besprechung des Quarterbacks vor dem Spielzug genannt wird. Spielmacher Pellegrino und sein Team mit Club-Vize Michael Klaus haben die Zeit genutzt, um den nächsten Spielzug zu besprechen. Den für die Zukunft des Clubs. Schon jetzt kann der Präsident erfreut konstatieren, dass die Scorpions eine Truppe in der GFL 2 an den Start schicken. Noch steht nicht endgültig fest, wer in Angriff und Verteidigung aufs Feld läuft, weil Veränderungen im Trainerstab anstehen. Es widerspräche jeder sportlichen Vernunft, erst das Team zu verpflichten und dann den Headcoach – das wäre, als würde man das Galamenü zubereiten und den Chefkoch nur zum Abschmecken in die Küche zitieren. „Wir befinden uns in den letzten Gesprächen, demnächst melden wir Vollzug“, verspricht Pellegrino. Finanziell ist der Club gut aufgestellt, der Gesamtetat ist um etwa 20 Prozent geschrumpft – dem sportlichen Abstieg folgte kein wirtschaftlicher Offenbarungseid.
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Den Scorpions-Bossen geht es nicht nur darum, einen fähigen Kader für die GFL 2 zu basteln, es geht ihnen um viel mehr. Sie wollen den gesamten Verein erneuern, wollen ein Scorpions-Gen erschaffen, das jeder im Club in sich trägt. Vom GFL-2-Kader über Jugendteams und Frauen-Mannschaft bis zu den Kids im Flag-Football. „Zuvor führte die GFL-Mannschaft ein Eigenleben“, sagt Pellegrino, „das muss vorbei sein.“ Eine Durchgängigkeit in der (Spiel-)Kultur von den Kleinsten und Leichtesten bis hin zu den Größten und Schwersten will der Vorstand herstellen, denn die Scorpions wollen ihre Jugendarbeit als Trumpf spielen. Gut 200 Nachwuchs-Footballer tummeln sich beim Club auf der Waldau, mit ihnen will der Verein von innen wachsen. „In den vergangenen zwei Monaten hatten wir 20 Neuanmeldungen“, sagt Club-Vize Klaus.
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Und noch einen Spielzug haben Quarterback Pellegrino und Klaus, der Mann aus der Offensiv-Linie, im Playbook: Mit einer Aktion an Schulen in der Region soll für Football geworben werden. Bei Kindern Spaß am Football wecken, sie ausbilden, damit sie irgendwann in den Erwachsenen-Teams spielen – eine anspruchsvolle Passroute, die nicht nur ein Jahr benötigt, um zum Touchdown zu kommen, sondern mindestens drei bis fünf Jahre. Aus dieser Zielsetzung folgt fast zwangsläufig, dass die Scorpions nicht ihre wichtigste Aufgabe darin sehen, den Abstieg in der kommenden Saison mit dem sofortigen Wiederaufstieg zu kitten. „Wenn es doch so käme, sagen wir natürlich nicht Nein“, betont Roland Pellegrino. Dieser Gedanke dürfte ihm bestimmt gefallen.