Football-Coach verhindert Selbstmord Sportlehrer entwaffnet Schüler mit Umarmung

Von Michael Bosch 

Ein Football-Coach hat an einer Schule im US-Bundesstaat Oregon einen Selbstmord, vielleicht auch ein Blutbad verhindert. Ein Schüler hatte mit einer Schrotflinte bewaffnet die Parkrose High School betreten.

Ein 27-jähriger Lehrer wird in den USA gefeiert, weil er einen Schüler entwaffnet hat (Symbolfoto). Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN
Ein 27-jähriger Lehrer wird in den USA gefeiert, weil er einen Schüler entwaffnet hat (Symbolfoto). Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN

Stuttgart/Portland - Im Februar 2018 werden 14 Schüler und drei Erwachsene in Parkland, Florida erschossen. Drei Monate später sterben zehn Personen bei einem Amoklauf im texanischen Santa Fe. Im April dieses Jahres erschießt ein ehemaliger Student der Universität North Carolina zwei Menschen, vier weitere werden schwer verletzt. In den USA gehören Schießereien an Schulen und Universitäten inzwischen zum Alltag. Verhindert werden sie meistens nicht.

Umso erstaunlicher ist die Geschichte, die sich in der vergangenen Woche an der Parkrose High School in Portland zugetragen hat. Ein Schüler, der 19-jährige Angel Granados-Diaz, betritt die Schule im Bundesstaat Oregon mit einer Schrotflinte. Die Waffe hat er in einem Kleidersack versteckt. Als der junge Mann ein Klassenzimmer betritt, fliehen Schüler in Panik.

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Offenbar wollte der Schüler niemanden töten

Aber einer bewahrt die Ruhe. Football-Trainer Keanon Lowe reagiert blitzschnell und entreißt Granados-Diaz die Waffe. Anschließend gibt der 27-Jährige sie an einen zweiten Lehrer weiter – dann hält Lowe den Schüler fest. Videos aus dem Netz zeigen, die Umarmung dauert gut 20 Sekunden. „Offensichtlich ist er zusammengebrochen. Ich wollte ihn wissen lassen, dass ich für ihn da bin“, zitiert die New York Times Lowe, der auch schon für die amerikanischen Football-Profi-Teams Philadelphia Eagles und San Francisco 49ers gearbeitet hat.

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Später wird der vermeintliche Attentäter von der Polizei festgenommen. Er befindet sich inzwischen in einer psychiatrischen Einrichtung. Aber war er wirklich in die Schule gekommen, um ein Blutbad anzurichten? Laut einer Pressemitteilung des zuständigen Bezirksstaatsanwalts sagte Angel Granados-Diaz später aus, dass er niemand anderen als sich selbst hatte töten wollen. Offenbar schlug ein Selbstmordversuch in einer Toilette der Schule aber fehl.

Laut Staatsanwaltschaft hatte ein Schüler die Schulleitung darüber informiert, dass Granados-Diaz ihm gegenüber den Plan geäußert hatte, sich umbringen zu wollen. Keanon Lowe suchte daraufhin nach dem jungen Mann. Offenbar war er genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.