Football Regionalliga Lars Theurer – der Mann der Alligators für die Lücke

Lars Theurer (mit Ball) bricht durch die Defense und marschiert in Richtung Endzone Foto: Andreas Gorr

Die Leonberg Alligators empfangen am Samstag die Holzgerlingen Twister – und Lars Theurer will für den Football-Drittligisten laufen so weit die Füße tragen.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Lars Theurer ist ein Mann, der dahin geht, wo es weh tut. Vielleicht nicht immer im Leben, aber auf jeden Fall im Football. „Bei meiner Position bekommt man so ziemlich in jedem Spielzug Körperkontakt“, sagt der 28-Jährige, „aber man gewöhnt sich dran – und wenn man nur ein paar blaue Flecke davonträgt, ist das verkraftbar.“

 

Der Mann ist Runningback bei den Leonberg Alligators, er rennt mit dem Ball unterm Arm nach der Übergabe durch den Quarterback nach vorn. So weit die Füße ihn tragen; bis er zu Boden gerissen oder gecheckt wird oder bis er in der Endzone der Gegner ankommt. An die 150 Yards hat Lars Theurer das Football-Ei am vergangenen Sonntag beim 40:7 über die Schwäbisch Hall Unicorns II vorwärts getragen – sensationell weit, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Runningback in der nordamerikanischen NFL im Schnitt pro Lauf fünf Yards schafft.

Die Defense der Karlsruher packt zu und reißt den Ballträger der Alligators zu Boden. Foto: Andreas Gorr

An diesem Samstag (17 Uhr) würde der Ballträger der Leonberg Alligators seine Laufyards vom Spiel zuvor gegen die Holzgerlingen Twister im Lewa-Sportpark gerne wiederholen. Er muss nur einen freien Weg durch den Defense-Riegel finden, denn Lars Theurer ist beim Regionalliga-Vizemeister der Mann für die Lücke. Zum einen geben die einstudierten Spielzüge der Alligators ihm den Weg vor, zum anderen muss er – wenn die Verteidiger ihm die angepeilte Strecke zustellen – blitzschnell reagieren und eine neue freie Bahn finden. Neben schnellen Beinen hilft die Erfahrung. „Manchmal kann man an der Aufstellung der Defensive Line erahnen, wo sich eine Lücke auftun könnte“, sagt der Leonberger, „der Rest ist Intuition.“

Dabei ist Lars Theurer nicht als Runningback geboren worden. Bei den Fußball-Bambini des TSV Heimsheim machte er seine ersten sportlichen Schritte und blieb dem Verein als Abwehrspieler treu bis ins Aktiven-Alter. Doch als ein paar Kumpels den TSV verließen, verlor Lars Theurer allmählich den Spaß am Kicken – ein Kollege seines Vaters lud ihn ein, ein Football-Match anzuschauen. Damit war es um ihn geschehen, im Winter 2017 schloss er sich den neu gegründeten Alligators an und gleich in der ersten Saison zählte er zum Stamm der Mannschaft.

Vom Linebacker zum Runningback

Allerdings nicht als Runningback. Nachdem der Neuling im Training bei der Musterung durch Headcoach Fabian Hoyer für Football-fähig befunden worden war, durfte er verschiedene Positionen ausprobieren. Ein Einsatz in der Offensive oder Defensive Line schied aus, dort stehen die Kolosse der Mannschaft – bei 1,77 Metern Größe und knapp 90 Kilogramm Körpergewicht war Lars Theurer dafür zu schmächtig. Er entschied sich für die Aufgaben der Linebacker, die versuchen müssen, den Angriff des Gegners zu stoppen, die Runningbacks zu Boden zu reißen oder den Quarterback zu attackieren. „Diese Position fand ich spannend und reizvoll“, erzählt er, weil man als Verteidiger auch sogenannte Big Plays abliefern kann, wenn man den Quarterback am Spielzug hindert (Sack) oder einen gegnerischen Pass abfängt (Interception).

Ups: Der Passempfänger der Alligators lässt den Ball fallen. Foto: Andreas Gorr

Wären nicht vor zwei Jahren die Leonberger Runningbacks Tobias Egeler und Lukas Denk verletzt ausgefallen, würde Theurer auch in dieser Regionalliga-Runde wohl noch als Linebacker agieren. Doch so war Cheftrainer Hoyer gezwungen, einen Ersatzmann zu suchen und er fand in in Person von Lars Theurer. Aushilfsweise wie der Headcoach damals versicherte. Doch diese Rochade von der Defense in die Offense war nicht das erste Provisorium in der Menschheitsgeschichte, das zur Dauerlösung wurde. „Ich habe mich wohl ganz gut angestellt als Runningback“, erzählt der Mann, der im Job als Test-Ingenieur in Weissach arbeitet. Es kam ihm die jahrelange Erfahrung als Linebacker zugute, der den Gegenspieler des Runningbacks darstellt. Schalter einfach umgelegt.

Aufstieg in die GFL 2 wäre willkommen

Mit den Alligators hat Lars Theurer seit 2018 sämtliche Aufstiege mitgemacht bis in die Regionalliga. „Zwei Ligen habe ich in meiner Karriere noch nicht gespielt“, sagt er und schmunzelt, und meint die German Football League sowie die GFL 2. Der Aufstieg in Liga zwei ist noch möglich, allerdings sind die Karlsruhe Engineers und die Reutlingen Eagles zwei harte Konkurrenten. Lars Theurer muss in den verbleibenden fünf Spielen eben stets die Lücken finden.

Übrigens: Den Rekord in einem NFL-Spiel für Runningbacks hält Adrian Peterson von den Minnesota Vikings, der 2007 gegen die San Diego Chargers den Ball 296 Yards weit getragen hat. Soll heißen: Es gibt noch Luft nach oben für Lars Theurer.

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