Die Niederlage schmerzte, weil sie nicht zwingend hätte sein müssen. Am Ende waren es Kleinigkeiten, die den Unterschied machten zwischen Himmel und Hölle, Sieg und Niederlage. 14:21 (0:7, 14:0, 0:7, 0:7) unterlagen die Leonberg Alligators im Spitzenspiel bei den Biberach Beavers, die sich damit im Kampf um die Meisterschaft der Football-Regionalliga Südwest einen Vorsprung verschafften. „Wir haben alles gegeben, haben gekämpft und geackert“, erzählte Alligators-Headcoach Fabian Hoyer, „aber es hat leider ein Quäntchen zu unseren Gunsten gefehlt.“
Der knappe Sieg (ein Touchdown plus Extrapunkt hätte zur Verlängerung gereicht) bringt die Biber aus Biberach im Titelrennen ein gutes Stück in Front gegenüber den Leonbergern. Der Aufsteiger hat nun zwei Niederlagen auf dem Konto, der ehemalige Zweitligist weiterhin nur eine. Selbst wenn die Alligators sämtliche drei ausstehenden Partien gewinnen, müssen sie hoffen, dass den Beavers noch zweimal das Fell über die Ohren gezogen wird. Denn bei Punktgleichheit zweier Mannschaften zählt der direkte Vergleich. Im Modus der Regionalliga sind für jedes der acht Teams lediglich zehn Saisonspiele vorgesehen – die Alligators treffen nicht mehr auf die Beavers, können daher keine Revanche mehr nehmen und den direkten Vergleich noch drehen. „Das ist sicher ärgerlich für uns“, sagt Headcoach Hoyer, „aber so ist das in der Liga eben.“
Erster Patzer im ersten Drive
Es waren sowohl Nuancen, die in Biberach bei Regenwetter den Unterschied machten, als auch die unerzwungenen Fehler. Ein ganz grober Patzer unterlief den Gästen gleich im ersten Drive. Im vierten Versuch war der Snap zu hoch für den Alligators-Punter, der den Ball deshalb so unglücklich getroffen hatte, dass er abgewehrt wurde – und ein Biberacher den Ball in der Endzone der Leonberger unter sich begrub. Touchdown, 0:7. Im Leonberger Tross fühlten sie sich wie in einer energiegeladenen Rakete, die aber nicht von der Startrampe abhob, sondern einfach nur umkippte.
Immerhin: Die Alligators erholten sich schnell von dem Schock, vor allem die Defense ließ keine großartigen Spielzüge der Biberacher mehr zu. Der sonst von den Abwehrreihen so gefürchtete Wide Receiver Octavious Carter machte gegen die Passverteidigung keinen Stich. Aufmerksame Augenzeugen schätzen, dass der Importspieler vielleicht ein halbes Yard Raumgewinn erzielte. Eine geradezu vernachlässigbare Quote.
Vor der Pause drehen Alligators auf
Schließlich kam im zweiten Viertel auch der Angriff der Leonberger ins Rollen. Ein Pass erreichte Daniel Bäßler und der marschierte die fünf fehlenden Yards in die Endzone der Gastgeber. Es kam noch besser. Kurz vor der Halbzeit legten die Alligators einen weiteren Touchdown drauf – Tobias Egeler marschierte 15 Yards ab durch die Mitte, ließ alle Beavers neben sich stehen und liegen und sorgte für die Führung zur Pause. „Tobi hatte diese Saison noch nicht so viel Spielzeit“, sagte Hoyer, „aber er hat sich optimal eingebracht.“
In der Halbzeit hatte der Leonberger Coach wenig Grund, etwas zu ändern, doch er warnte sein Team, dass „Biberach jeden unserer Fehler ausnutzen wird“. Es war eine prophetische Ansage. Denn nun unterliefen den Alligators zwei spielentscheidende Patzer. Nach einem weiten Pass der Beavers in Richtung Leonberger Endzone hatte der Linebacker der Alligators den Ball eigentlich schon gefangen, doch das regennasse Gerät rutschte ihm doch noch aus den Händen – der Beavers-Receiver fing den Ball. Statt einer Interception (Angriffswechsel) für Leonberg gab’s einen Touchdown für Biberach zum 14:14-Ausgleich. „Das war ganz, ganz bitter“, stöhnte Headcoach Hoyer.
Zwei weitere Patzer entscheiden Match
Zwei weitere Fauxpas’ folgten im letzten Quarter. An der Endzone der Hausherren ließen die Alligators den Ball fallen (Fumble), den die Beavers eroberten – statt eines möglichen Field Goals und dem 17:14 wechselte der Ballbesitz. Zwar vergab auch Biberach kurz darauf ein Field Goal, doch in der letzten Minute unterlief den Alligators erneut ein verunglückter Punt, sodass die Beavers von der Leonberger 35-Yard-Linie starteten – und mit einem Pass in die Endzone das 21:14 markierten. Die übrige Spielzeit von 13 Sekunden war zu kurz, um auszugleichen.
Hoyer war hin- und hergerissen. Hier wühlten Ärger und Frust über eine unnötige Pleite ihn auf, dort standen Zufriedenheit und Anerkennung für den großen Kampf seiner Truppe. „Eine Niederlage ist eine Niederlage“, sagte er, „aber wir ziehen erhobenen Hauptes von dannen.“ Weh tut es trotzdem.