Football Regionalliga Leonberg Alligators fehlt der unbedingte Wille
Der Football-Regionalligist aus Leonberg unterliegt den Reutlingen Eagles mit 7:23 (0:3, 7:3, 0:10, 0:7). Das hätte nicht sein müssen – Headcoach Fabian Hoyer ist ziemlich sauer.
Der Football-Regionalligist aus Leonberg unterliegt den Reutlingen Eagles mit 7:23 (0:3, 7:3, 0:10, 0:7). Das hätte nicht sein müssen – Headcoach Fabian Hoyer ist ziemlich sauer.
Fabian Hoyer sprach lange mit seinen Mannen nach Spielschluss, und der Headcoach redete intensiv, während den Leonberger Spielern der Schweiß nach einer kräftezehrenden Partie bei mehr als 30 Grand Celsius die Stirn und den Nacken herunterliefen. Und auch der verletzte Kapitän Jan Bartosch richtete sich minutenlang eindringlich an sein Team.
Es gab Redebedarf nach der 7:23-Niederlage im Lewa-Sportpark gegen die Reutlingen Eagles. Redebedarf, weil die Alligators an diesem Sonntagnachmittag nicht deutlich schwächer waren als ihr Gegner und ein Sieg nicht unmöglich gewesen wäre – doch zwischen beiden Teams lag ein mentaler Unterschied wie zwischen einer schweißerfüllten Tropennacht und einem bitterkalten Tag in der Antarktis. „Wir haben den Charaktertest nicht bestanden“, knurrte Fabian Hoyer.
Den Alligators fehlte der kräftige, entschlossene Biss. „Wir waren viel zu sehr mit unseren Fehlern beschäftigt“, analysierte der Headcoach, „und haben so den Bezug zu unsere Grundaufgaben verloren.“ Oder anders ausgedrückt: Den Leonbergern fehlte die Mentalität des Siegers, der unbedingte Wille zum Erfolg. Die hohen Temperaturen machten dieses Unterfangen zwar ziemlich schwierig, doch eben nicht unmöglich. „Die Eagles haben auf demselben Platz gespielt wie wir“, sagte Hoyer trocken.
Die Dramaturgie der Partie hatte den Gastgebern vor mehr als 300 Fans eigentlich gut in die Karten gespielt. Den Eagles gelangen in der ersten Hälfte gegen die bärenstarke Alligators-Defense lediglich zwei Fieldgoals, obwohl nicht nur einmal die Chance zum Touchdown bestanden hatte. Den schnappten sich die Alligators. Erst hatten die Reutlinger einen Ball fallen lassen (Fumble) und als der folgende Spielzug für Leonberg schon beendet schien, leisteten sie sich ein unnötiges Foul. Und mit dem neuen ersten Versuch walzte sich Runningback Lars Theurer unaufhaltsam in die Eagles-Endzone – ganz in Manier des einstigen Star-Runningbacks Marshawn Lynch, der mit den Seattle Seahawks den Super Bowl gewann.
7:6 stand es zur Pause, doch die Alligators ließen dieses psychische Momentum verstreichen als würde ein Passant einen herrenlosen 500-Euro-Schein auf dem Gehweg einfach liegen lassen. Ein Pass von Quarterback Theophil Hammann in die Arme der Eagles (Interception) leitete die schleichende Mailaise der Alligators ein, die Reutlinger bestraften den Ballverlust schließlich mit einem Fieldgoal zum 9:7 – und drängte die Leonberger damit auf die Verliererbank.
Denn nachdem die Alligators mit ihrem Drive nicht erfolgreich waren, legten die Eagles mit einem schönen weiten Pass in die Endzone nach, den Nils Wortmann blitzsauber aus der Luft fischte – und die Gäste nach dem Extrapunkt 16:7 führten. Die Leonberger konnten dem nichts entgegensetzen, denn im Angriff lief nur wenig nach Plan.
Das Laufspiel funktionierte noch recht ordentlich, das Passspiel bleib aber Stückwerk mit vielen nicht gefangenen Bällen (incomplete). Entweder waren die Pässe überworfen oder gingen die Receiver nicht mit letzter Konsequenz zum Ball – es war eine Mischung aus beidem. Eine sportlich tödliche Mixtur, so verpufften die eine und andere Möglichkeit auf einen Touchdown. „Wir hatten zu viele Fehler in unseren Plays“, räumte Quarterback Hammann ein, „wir hatten den Schlüssel, wir hätten die Basics spielen müssen – so aber standen wir uns selbst im Weg.“ Und Runningback Lars Theurer fand: „Wir hatten zu viele Unkonzentriertheiten im Spiel.“
Wie Football geht, demonstrierten die Eagles, die mit einem Touchdown-Pass Mitte des vierten Quarters erneut auf Wortmann und dem 23:7 den Sack wasserdicht versiegelten. „Die Eagles waren abgezockter, sie haben mit Spaß gespielt und das dankend genommen, was wir ihnen gegeben haben“, ärgerte sich Headcoach Hoyer über eine verdiente Niederlage, die aber nicht zwingend hätte zustande kommen müssen. Was bleibt? Mund abputzen, weitermachen.
Platz eins Die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest ist für die Leonberg Alligators nach menschlichem Ermessen beim Blick auf die bisherigen Ergebnisse nicht mehr zu erreichen. Die Karlsruhe Engineers und die Reutlingen Eagles sind noch ungeschlagen, die Alligators haben zwei Niederlagen auf dem Konto. Selbst bei drei Siegen in den verbleibenden Spielen ist das eigentlich nicht mehr drin, da nicht davon auszugehen ist, dass Reutlingen alle drei noch ausstehenden Partien gegen die Engineers, die Twister und die Unicorns II verliert. Da die Eagles die Alligators geschlagen haben, steht der direkte Vergleich zu ihren Gunsten.
Platz zwei Die erneute Vizemeisterschaft ist noch möglich – aber nur wenn die Alligators das Rückspiel am 26. Juli gegen die Karlsruhe Engineers mit mindestens 15 Punkten Unterschied gewinnen (dann gewinnt Leonberg den direkten Vergleich) und die Karlsruher ihr Spiel gegen die Reutlinger Eagles am 5. Juli verlieren. Abgesehen davon, müssten die Alligators die Spiele gegen Freiburg und Heidelberg gewinnen.