Football Regionalliga Theo Hammann: Lust und Leiden eines Quarterbacks

Bloß nicht die Nerven verlieren, wenn ein Koloss aus der Defense auf einen zustürmt: Alligators-Spielmacher Theophil Hammann (li.) Foto: Andreas Gorr

Theophil Hammann von den Leonberg Alligators erfährt den Druck eines Spielmachers im Football – doch er profitiert auch im täglichen Leben davon.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Tom Brady. Viele Sportfans, auch wenn sie sich nicht innigst für Football interessieren, dürften mit dem Namen etwas anfangen können: ehemaliger Superstar der NFL, siebenmaliger Super-Bowl-Gewinner. Der heute 47-Jährige, der sich 2022 in die Sportrente zurückgezogen hat, war ein Jahrzehnt das Gesicht der Sportart und weltweit einem Millionenpublikum bekannt.

 

Mister Brady war Quarterback, er füllte die Hauptrolle aus, die im Football über Wohl und Wehe eines Teams entscheidet. Der Spielmacher steht im Fokus, daher genießen viele Footballer dieser Spezies Legendenstatus, wie Dan Marino, Joe Montana, Eli und Peyton Manning oder Ben Roethlisberger und – um in der Jetztzeit zu landen – Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs), Josh Allen (Buffalo Bills) und Jalen Hurts vom Super-Bowl-Champion 2025 Philadelphia Eagles.

Ein Mann mit viel Verantwortung bei den Alligators: Theophil Hammann Foto: Andreas Gorr

Theophil Hammann ist ebenfalls Quarterback, aber weit davon entfernt, so etwas wie ein Star zu sein. Der 26-Jährige bestimmt den Spielrhythmus beim Drittligisten Leonberg Alligators, also einige Galaxien entfernt von der NFL – und außerdem ist Hammann von seiner Charakterstruktur nicht so konditioniert, irgendwelche Starallüren aufzubauen. Aber er spürt wie seine hoch bezahlten Profi-Kollegen in Übersee, den Rucksack voller Verantwortung, die er in jedem Spiel auf seinem Rücken mitträgt. „Hat der Quarterback einen miesen Tag und lässt drei Bälle fallen oder wirft drei Pässe in die Hände der Gegner, ist das Spiel gelaufen“, sagt er.

Hero oder Zero, Held oder Versager. Das ist das Leben eines Quarterback, da gibt es nur wenige Grautöne dazwischen. Das war Theophil Hammann in dieser gnadenlosen Deutlichkeit nicht bewusst, als er 2017 zu den Alligators stieß und die Truppe einen Mann mit gutem Wurfarm und wachem Blick fürs Spielgeschehen suchte, nachdem der planmäßige Spielmacher in einem Testspiel ausgefallen war. „Ich habe erst nach und nach erkannt, welche immense Verantwortung in dieser Position liegt“, sagt der Mann mit der Nummer „3“, die er aus Bewunderung für Russell Wilson trägt, der 2014 als Quarterback der Seattle Seahawks den Super Bowl gewonnen hat.

Vorbild von Theophil Hammann: Russell Wilson, der 2014 mit den Seattle Seahawks den Super Bowl gewonnen hat. Foto: dpa

Theophil Hammann ist hineingewachsen in seine Position, nachdem ihn die Alligators zu ihrem Spielmacher befördert hatten, weil „sie anscheinend sehr überzeugt von meinen Fähigkeiten waren“, wie er erzählt – eigentlich wollte der Bursche lieber in der Verteidigung als Cornerback stehen. Schalter auf Offense umgelegt: Er hat gelernt, die Bälle passgenau zu werfen, mal hart und scharf, mal mit mehr Luft darunter hoch und weit – und er hat sein Spiel verändert.

Zu Beginn seiner Karriere ist er oft mit dem Ball losgesprintet, wenn er keine Passempfänger gefunden hat – diese Flause hat ihm Headcoach Fabian Hoyer ausgetrieben. Mit einer Bestimmtheit, die an militärischen Drill erinnert. „Er will ein risikoarmes Spiel“, sagt Hammann, „er hat mich dazu verdonnert, mehr Geduld zu haben, länger zu warten, wenn ein Spielzug nicht sofort funktioniert.“ Oder eben unspektakulär den Ball dem Runningback in die Hände drücken.

Geduld und Übersicht zeichnen einen Quarterback aus – Theophil Hammann lernt mit jedem Spiel dazu. Foto: Andreas Gorr

Der Quarterback muss ein Spiel lesen, erkennen, was die gegnerische Defense plant und antizipieren, wie sich ein Spielzug entwickeln könnte; er muss geistig flexibel sein und darf niemals die Nerven verlieren – auch nicht, wenn ein 130-Kilogramm-Koloss auf ihn zustürmt und schon so nahe ist, dass man das Weiße in den Augen erkennt. Genau das zeichnet die Großen der Branche aus. „Erfahrung ist enorm wichtig, ich lerne stets dazu“, betont Hammann, „ein Quarterback hat unendliche Möglichkeiten, das Spiel zu bestimmen – wenn alles rund läuft, ist der Job faszinierend.“

Verantwortung auch im Berufsleben

Die Lehre der Verantwortung hat der 26-Jährige vom Spielfeld ins Berufsleben transferiert. Bei der Umstrukturierung eines Lagers hat der Footballer sich nicht gescheut, in vorderster Front zu agieren, die Abläufe zu verändern und danach den hochrangigen Kollegen das Resultat zu erläutern. Gleichzeitig kann er sich auch ins Fußvolk eines Unternehmens einordnen. „Ich muss nicht immer das erledigen, was Priorität eins besitzt“, sagt er. Football als Schule fürs Leben.

An diesem Samstag (16 Uhr) sind im Lewa-Sportpark wieder die Fähigkeiten des Theophil Hammann nötig, wenn die Alligators die Freiburg Sacristans empfangen. Seine Übersicht, seine Entscheidungen, seine Handlungsschnelligkeit. Es könnte das drittletzte Spiel für ihn als Quarterback sein, er liebäugelt damit, nach der Saison zurückzutreten. Aber so manches, was der 26-Jährige als Spielmacher gelernt hat, kann ihm auch im täglichen Leben von Nutzen sein.

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