Football-Team in Topform Das sind die sechs Stärken von Stuttgart Surge
Offensive, Defensive, Special Teams: Surge-Coach Jordan Neuman kann sich auf alle Mannschaftsteile verlassen – nun winkt das „Finale dahoim“.
Offensive, Defensive, Special Teams: Surge-Coach Jordan Neuman kann sich auf alle Mannschaftsteile verlassen – nun winkt das „Finale dahoim“.
Jordan Neuman ist ein Coach, der stets vor der nächsten Aufgabe warnt, auf die Qualitäten des jeweiligen Gegners hinweist, von seinen Jungs Respekt und Fokussierung einfordert. Das wird auch vor dem Play-off-Halbfinale von Stuttgart Surge am Sonntag (15 Uhr) bei den Munich Ravens so sein. Doch trotz aller Angespanntheit werden der Trainer und sein Team voller Selbstvertrauen in den Sportpark Unterhaching reisen – die entsprechende Zuversicht strahlte Neuman schon kurz nach dem überragenden 41:17-Erfolg im Wildcard-Game gegen die Madrid Bravos aus. „Wir spielen nun unseren besten Football“, sagte er bei der Presserunde in den Katakomben des Gazi-Stadions, „und das ist ein gutes Gefühl.“
Schließlich ist es das große Ziel von Stuttgart Surge, durch einen Sieg bei den Ravens ins Finale der European League of Football (ELF) einzuziehen und am 7. September in der MHP-Arena den Titel zu holen. Die Chancen, dies zu schaffen, stehen bestens – sofern es dem Team gelingt, auch weiterhin seine Stärken auszuspielen.
Nach den zwölf Duellen der Hauptrunde stellte Stuttgart Surge mit im Schnitt 43,1 Punkten den besten Angriff der ELF, gegen die Madrid Bravos kam der Gastgeber an diese Marke fast heran – obwohl der erste Touchdown erst kurz vor der Pause gelang. In dieser Phase drehte das Surge-Team auf, machte in weniger als fünf Minuten 21 Zähler. Quarterback Reilly Hennessey zeigte nicht nur, wie stark sein Wurfarm ist, sondern auch seine Führungsqualitäten – es war deutlich zu sehen, dass er alles dafür tut, das Ende seiner Karriere möglichst lange hinauszuzögern. In Louis Geyer (118 Yards, zwei Touchdowns) und Mike Harley Jr. verfügt Hennessey über zwei herausragende Wide Receiver, dazu kommt eine große Flexibilität im Laufspiel: In Kai Hunter, Tomiwa Oyewo, der 2023 und 2024 noch bei den Munich Ravens spielte, sowie dem nach einer Knieverletzung zurückgekehrten Albert Wiesigstrauch kann Jordan Neuman gleich auf drei starke Runningbacks bauen.
Unabhängig von Statistiken sind sich viele Experten einig: Die Surge-Verteidigung ist die beste der Liga. Das zeigte sich auch gegen die Madrider Super-Achse Reid Sinnett (Quarterback) und Aron Cruickshank (Wide Receiver). „Wir haben es geschafft, den Gegner aus seiner Komfortzone zu holen“, sagte Johannes Brenner, der Defensive Coordinator von Surge. Und sein Chef Jordan Neuman lobte: „Unsere Defense hatte nicht nur einen sehr guten Plan, sie war auch richtig heiß.“ Ein großes Plus: Es gibt nicht einen herausragenden Spieler, sondern eine Abwehrreihe, die konstant auf höchstem Niveau agiert und in der viele Akteure in der Lage sind, entscheidende Akzente zu setzen – so wie Alexander Kreß gegen die Bravos: Er brachte Quarterback Sinnett gleich im ersten Angriff der Madrider zweimal zu Fall. „Damit war der Ton gesetzt“, sagte Neuman, „unsere Defense hat das Spiel dominiert.“ Wie schon oft in dieser Saison.
Kein Kicker in der ELF macht mehr Punkte als Timo Bronn (im Schnitt 8,3 pro Spiel). Seine Zuverlässigkeit zeigte er auch in der ersten Play-off-Partie, in der er nach Touchdowns fünf von sechs möglichen Extrapunkten erzielte. Zudem verfügt das Surge-Team in Mike Harley Jr. über einen extrem starken Return-Spieler. Und auch die Special Teams sind immer wieder für außergewöhnliche Aktionen gut: Gegen die Bravos blockte Raphael Zistler, der am Ende als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde, einen gegnerischen Puntversuch, Marko Vidackovic nahm den Ball auf und trug ihn zur zwischenzeitlichen 34:3-Führung in die Endzone.
Die Madrid Bravos haben in der gesamten Saison auf ihre offensive Stärke gesetzt. Als sie diese am Samstag nicht aufs Feld brachten, waren sie chancenlos. Bei Stuttgart Surge gibt es dieses Gefälle zwischen den Mannschaftsteilen nicht, worüber sich Louis Geyer nach dem Sieg im Wildcard-Game besonders freute: „Das gesamte Team hat einen geilen Job gemacht.“
Auch die Stuttgarter mussten in dieser Saison den einen oder anderen Rückschlag verkraften. Bei der Niederlage in Paris (0:6) wurde kein einziger Punkt erzielt, in München (33:36) kurz vor Ende ein Vorsprung verspielt. Unruhig wurde dadurch niemand. Im Gegenteil. „Wir mussten uns finden, zwischendurch einige Dinge nachjustieren“, sagt Jordan Neuman, „das alles hat uns als Team noch enger zusammengebracht. Die harten Zeiten, die wir gemeinsam erlebt haben, zahlen sich jetzt aus.“
Niemand bei Stuttgart Surge hat die beiden vergangenen Jahre vergessen. Zuerst gab es 2023 im Finale eine Niederlage gegen Rhein Fire, und 2024 scheiterte das Team dann in einem denkwürdigen Halbfinale im Degerlocher Regen erneut unglücklich an Rhein Fire. Seither hat sich das Team auf das „Finale dahoim“ eingeschworen, nun fehlt nur noch ein Schritt, um dieses Ziel tatsächlich zu erreichen. „Wir sind absolut hungrig“, sagt Co-Trainer Johannes Brenner, „und wir werden absolut hungrig bleiben.“
Zahl
Im bislang wichtigsten Spiel der Saison war die Stimmung im Gazi-Stadion zwar prächtig, Zufriedenheit herrschte bei den Verantwortlichen von Stuttgart Surge trotzdem nicht: Nur 2500 Fans verfolgten das Wildcard-Game gegen die Madrid Bravos.
Grund
Insgesamt blieb der Zuschauerschnitt in den sieben Heimspielen dieser Saison hinter den Erwartungen, die dürftige Resonanz in der ersten Play-off-Runde sorgte dennoch für Ratlosigkeit. „Sportliche Gründe kann es nicht geben“, sagte Geschäftsführer Suni Musa, dessen Team im Gazi-Stadion alle sieben Spiele gewonnen hat, „letztlich lag es sicher auch am Termin mitten in den Sommerferien, der natürlich maximal unglücklich war.“