Footballer Lorenzo Deiana Ein Stuttgarter auf Bewerbungstrip in den USA
Der frühere Scorpions-Footballer Lorenzo Deiana wurde Europameister mit Italien und hofft auf ein Stipendium an einem US-College – dazu nimmt er einiges auf sich.
Der frühere Scorpions-Footballer Lorenzo Deiana wurde Europameister mit Italien und hofft auf ein Stipendium an einem US-College – dazu nimmt er einiges auf sich.
Stuttgart - Besser kann eine Länderspielkarriere nicht beginnen. Von null auf hundert. Bei seiner Premiere im Nationaltrikot stand der Footballer Lorenzo Deiana gleich im EM-Finale auf dem Spielfeld, und das gewann sein Team mit 41:14 über Schweden. „Das war ganz schön aufregend. Aber ich hatte ja durchaus schon einige Erfahrung im Vorfeld gesammelt“, erzählt der in Ostfildern geborene Deutsch-Italiener, der sich entschieden hat, für die Azzurri in der Verteidigung (Defensive Line) seine Knochen hinzuhalten.
Bevor Lorenzo Deiana, der in Stuttgart-Heumaden aufgewachsen ist, als bislang jüngster Nationalspieler fürs italienische Team nominiert wurde, hatte der 20-Jährige natürlich schon allerhand Erfahrung im Football-Gewerbe gesammelt – und die Leidenschaft für seinen Sport hat ihn auch schon auf so manche Reise geschickt. Bei den Stuttgart Scorpions erlernte er das Einmaleins, und womöglich würde er noch heute den roten Dress tragen, wenn Corona nicht wäre. Nachdem der Club im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nicht in der German Football League (GFL) antrat, entschied sich Deiana, 2021 bei den Swarco Raiders Tirol aus Innsbruck anzuheuern. „Ich wollte nicht riskieren, erneut ein Jahr ohne Spielpraxis zu sein“, sagt der Footballer. Nach einem dreistündigen Telefonat waren sich der Spieler und der Club einig, Deiana sagte im Januar Stuttgart „Auf Wiedersehen“ und „Servus“ in Innsbruck – und gewann auf Anhieb in dieser Saison den Meistertitel in Österreich mit den Swarco Raiders. Man könnte fast sagen: Wo Lorenzo Deiana auftaucht, ist der Erfolg.
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Doch Tirol ist nicht das gelobte Land, in das es junge, talentierte Footballer zieht. Das Land, in dem Milch, Honig und Dollars fließen, heißt USA. Vor Kurzem hat der Stuttgarter einen Trip durch die Staaten unternommen, mit dem Bus ging es zwei Wochen von einem College zum nächsten – die Footballer aus aller Welt wurden durchs Unigelände geführt, sie redeten mit den Trainern der Mannschaften, sie präsentierten ihre Unterlagen wie ihre physischen Daten und ihre Ergebnisse von Probetrainings (Combines), sie legten den Videozusammenschnitt ihrer besten Spielzüge vor, sie erzählten von sich und ihren sportlichen wie beruflichen Plänen. Das Ziel der Vorsprecher ist, ein Stipendium zu bekommen und so ins College-Team zu gelangen, um die Karriere in den USA fortzusetzen. „Als Studienfach könnte ich mir Psychologie oder Soziologie vorstellen“, sagt der Footballer, „mit diesen Themen beschäftige ich mich auch in meiner Freizeit.“
Die Bewerbungstour hatte Lorenzo Deiana bereits vergangenes Jahr eingeplant, doch wegen Corona hatten die USA die Grenzen dichtgemacht. Europäer mussten draußen bleiben. Nun holt er den Trip nach. Organisiert wurde die Aktion von PPI Recruits, einem Football-Talentprogramm, das 2017 vom ehemaligen Profi Brandon Collier (Philadelphia Eagles, Winnipeg Blue Bombers) gegründet wurde und das jungen Burschen aus Deutschland, Schweden, Finnland, Serbien und Irland Kontakte zu verschiedenen Partnerhochschulen im Osten der USA vermittelt. Auch Marcel Dabo, ein guter Freund von Lorenzo Deiana, den er aus gemeinsamen Jahren bei den Scorpions kennt, absolvierte bereits das PPI-Programm. Derzeit spielt Dabo für Stuttgart Surge aus der European League of Football (ELF).
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Vorspielen oder ein Trainingsprogramm abspulen musste Deiana allerdings nicht, den Trainern genügten bei den Probanden die Gespräche, die körperlichen Daten und die Videos. „Die Coaches sind davon überzeugt“, erzählt der Deutsch-Italiener, „dass sie die taktischen Finessen an jeden Spieler hinbekommen, wenn die körperlichen Voraussetzungen stimmen.“ Und in seinem Fall, meint er, sei das mit dem Anwerben ohnehin nicht so kompliziert, weil er „als Spieler der Defensive Line keine so extrem komplexen Aufgaben erfüllen muss wie beispielsweise ein Cornerback“. Ob ein College ihn haben möchte, das erfährt Lorenzo Deiana irgendwann oder auch nicht. Es gibt keine festgelegten Fristen, entweder meldet sich ein Trainer, oder es meldet sich keiner. „Spätestens im Januar muss ich aber wissen, wie es weitergeht“, sagt der Stuttgarter.
Falls es nichts mit dem Studium samt Football-Karriere in den USA wird, spielt Lorenzo Deiana womöglich noch ein Jahr bei den Swarco Raiders – und trifft 2022 vielleicht auf Marcel Dabo. Denn der Club aus Innsbruck startet ebenfalls in der ELF.