Forderung des Landesumweltministeriums Kunststoffsteuer gegen die Plastikflut?

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Das baden-württembergische Umweltministerium und Umweltexperten fordern intensivere Bemühungen der Politik im Kampf gegen den Plastikmüll und geben auch Hinweise für die Alltagspraxis.

Umweltverschmutzung: Mikroplastikteilchen unter 5 mm im  Größenvergleich mit einer Ein-Euro-Münze und Plastikfischen. Foto: imago images/McPHOTO
Umweltverschmutzung: Mikroplastikteilchen unter 5 mm im Größenvergleich mit einer Ein-Euro-Münze und Plastikfischen. Foto: imago images/McPHOTO

Stuttgart - Steuerliche Anreize könnten nach Ansicht des Landesumweltministeriums und mancher Umweltexperten einen Beitrag zur Eindämmung von Verpackungsmüll und Mikroplastik leisten. „Eine Kunststoffsteuer wäre ein mächtiges Instrument“, sagt Andreas Köhler, Forscher am Freiburger Öko-Institut. „Allerdings müsste man genau prüfen, für welche Produkte und Einsatzbereiche dies greifen könnte – schließlich ist langlebiger Kunststoff für einige Anwendungszwecke durchaus sinnvoll.“ Die Plastikverschmutzung der globalen Umwelt habe eine neue Qualität erreicht, weil die Menge an Kunststoffabfällen immer weiter steige, so Köhler. Verpackungsarme Lösungen müssten deshalb attraktiver werden.

Auch im Südwesten sei der Verpackungsmüll bislang trotz steigenden Bewusstseins nicht zurückgegangen, heißt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Land. Kleine Plastikpartikel finden sich inzwischen in praktisch jedem Gewässer, haben Untersuchungen der Landesanstalt für Umwelt gezeigt.

Abgaben auf Einwegverpackungen?

Ziel des baden-württembergischen Umweltministeriums sei es in erster Linie, Einwegverpackungen teurer und so unattraktiver zu machen, heißt es dazu von einem Sprecher. Hierzu sei man bereits im Gespräch mit Industrie, Bund und EU. „Steuerliche Anreize können sicherlich einen Beitrag leisten. Ebenso wie die Weiterentwicklung der Recyclingtechnologien“, so der Sprecher.

Die baden-württembergische Landeschefin des BUND, Brigitte Dahlbender, dringt dagegen auf andere ordnungspolitische Maßnahmen: „Da freiwillige Maßnahmen bisher nicht von Erfolg gekrönt sind, muss sich die Politik auch endlich an Verbote herantrauen. Bei Mikroplastik in Kosmetika aber auch in anderen Bereichen sind diese längst überfällig“, sagt Dahlbender. Ein Handeln fordert sie zudem von den Kommunen im Land. So könnten Ämter und Behörden etwa bei Veranstaltungen auf Plastikflaschen verzichten oder Abgaben auf Einwegverpackungen verlangen. „Tübingen geht hier gerade mutig voran.“

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