Formel-1-Auftakt in Melbourne Die Altherrenriege der Formel 1

Zwei Große des PS-Sports: Fernando Alonso (li.) und Lewis Hamilton Foto: IMAGO/PsnewZ

Fernando Alonso und Lewis Hamilton sind über 40 – aber noch immer schnell. Vor dem Saisonstart in Melbourne sind die beiden motiviert wie eh und je.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Verdammt lang her: Vor 25 Jahren gewann den Großen Preis von Australien Michael Schumacher vor David Coulthard und Rubens Barrichello, der Bundeskanzler hieß Gerhard Schröder, und weltpolitisch prägend waren am 11. September die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA. Es war der 4. März 2001, und in einem Minardi gab ein 19 Jahre alter Jungspund sein Debüt: Fernando Alonso. Mit zwei Runden Rückstand wurde er Zwölfter. Überschattet wurde das Rennen von einem tragischen Unfall: Ein Reifen des havarierten Boliden von Jacques Villeneuve traf einen Streckenposten tödlich.

 

Der Alterspräsident der Serie

25 Jahre später ist der Spanier Alonso im Formel-1-Zirkus immer noch dabei. Im fortgeschrittenen Alter von 44 Jahren kurbelt er beim Saisonstart im australischen Melbourne am Sonntag (5 Uhr) einen Aston Martin über die Piste. Er ist der Alterspräsident der aktuellen Fahrergemeinschaft, und wer sein Vize ist, das steht auch fest: Lewis Hamilton, 41 Jahre „jung“, Brite – und gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordchampion mit sieben WM-Erfolgen.

Alonso hat auch schon zwei Weltmeisterschaften gewonnen, zusammen kommt die Altherrenriege des Formel-1-Sports auf beachtliche neun Titel, stramme 137 Rennsiege (105 Hamilton/32 Alonso) und 805 Grand-Prix-Teilnahmen. Mit 425 Einsätzen ist Alonso in dieser Statistik einsamer Rekordhalter, Hamilton mit 380 Rennen souverän Zweiter. Der zwischendurch mal abwesende Asturier Alonso geht nun schon in seine 23. Formel-1-Saison, Hamilton startet in sein 20. Jahr. Verdient haben die beiden arrivierten Kräfte der Bleifuß-Branche genug – doch warum können sie nicht aufhören? Was hält sie so fest am Rennsport, der auch mit enormen Reisestrapazen verbunden ist?

Die Altersfrage im Sport, sie verschiebt sich offenbar – so wollte die Skirennläuferin Lindsey Vonn kürzlich mit 41 Lenzen um Olympia-Gold mitfahren, und die ebenso 41 Jahre alte portugiesische Fußball-Ikone Cristiano Ronaldo kickt noch sehr erfolgreich beim saudi-arabischen Club al-Nassr FC in Riad. 40 ist das neue 30. Was soll man auch tun den lieben langen Tag – ohne Job, ohne Aufgabe, ohne Plan?

Bei Lindsey Vonn könnte man die ewige Rückkehr von der Rückkehr so interpretieren: vermutlich fehlt es an Alternativen. Lewis Hamilton, der im Hinblick auf Mode, Musik und andere Leidenschaften mit einem Leben nach der Formel 1 ganz sicher etwas anzufangen wüsste, scheinen zwei Dinge aber wohl noch zu beschäftigen: Ein Formel-1-Sieg im zuletzt nicht immer erfolgreichen, aber traditionsreichen Ferrari fehlt ihm noch – und mit ihm die Liebe der Italiener. Aber viel wichtiger ist die Möglichkeit, noch alleiniger Rekordweltmeister zu werden, auch wenn er nicht müde wird, solch ein Ansinnen konsequent zu verneinen. Mit acht Titeln hätte er Schumacher überholt und wäre die absolute Legende im Ring.

Weg aus der Krise

Für den Weg zum Ruhm muss erst einmal die Krise überwunden werden – im ersten Jahr bei der Scuderia holte der Engländer nicht einen Sieg. Hamilton sprach von seiner schlechtesten Saison im Jahr 2025, so etwas lässt einer wie er nicht auf sich sitzen. „Ich habe diesen Winter viel Zeit damit verbracht, mich neu aufzubauen, mich neu zu fokussieren und meinen Körper und meinen Geist wirklich in einen viel besseren Zustand zu bringen“, sagt Hamilton, der auch im Hinblick auf die Entwicklung des neuen roten Renners positiv in die Zukunft schaut. „Im vergangenen Jahr waren wir noch an ein Auto gebunden, das ich letztendlich nur geerbt habe“, meinte der Rennfahrer. „Dieses Auto jetzt habe ich in den letzten acht, zehn Monaten am Simulator mitentwickelt, sodass es ein bisschen wie ein Teil meiner DNA ist.“

Auch Fernando Alonso, der sich mit Hamilton in der gemeinsamen Zeit bei McLaren-Mercedes 2007 so bekriegte, dass den beiden Streithähnen im letzten Rennen der listige Ferrari-Mann Kimi Räikkönen den Titel wegschnappte, hat noch Ziele. Er möchte das Aston-Martin-Projekt vorantreiben. Das Problem ist nur: zuletzt gab es eklatante Probleme mit der Antriebseinheit, befürchtet wird ein Desaster zum Auftakt in Melbourne. „Ich denke, kurz- und mittelfristig lässt sich alles beheben“, kommentiert der 44 Jahre alte Spanier die Lage – mit der ganzen Ruhe eines Routiniers.

Weitere Themen