Formel 1 Button nutzt das Chaos von Spa zum Sieg

Jenson Button feiert nach dem Sieg in Belgien. Foto: EPA
Jenson Button feiert nach dem Sieg in Belgien. Foto: EPA

Ein spektakulärer Unfall beim Rennen in Belgien hatte ein Chaos auf der Strecke und viel Blech zur Folge. Button siegte in Spa, Vettel fuhr auf Platz zwei und Michael Schumacher fand sich auf Platz sieben wieder.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Spa/Belgien - Wenn sich John Button in die britische Flagge hüllt, ist es passiert: sein Sohn Jenson Button hat dann ein Formel-1-Rennen gewonnen. Gestern in Spa tuckerte der McLaren-Pilot im Zickzackkurs über die Ziellinie. Später, als er der Hymne lauschte, winkte er und hielt kurz den Daumen hoch. Für die ganz emotionalen Ausbrüche ist der Herr Papa zuständig. Nur so viel wollte der Sohnemann den Zuschauern im ersten Moment mitteilen. „Guten Nachmittag, allerseits. Dieses Rennen hat eine richtige Geschichte, deshalb ist es etwas Besonderes, es zu gewinnen. Ich hoffe wir können das in Monza wiederholen.“

An der nachfolgenden Champagnerdusche beteiligten sich der Zweitplatzierte Red-Bull-Mann Sebastian Vettel und der Lotus-Pilot Kimi Räikkönen. Zumindest Vettel fühlte sich auch wie ein Gewinner. Die zwei potenziellen Alonso-Verfolger haben Boden gutgemacht im Titelrennen, weil für den die WM anführenden Ferrari-Lenker nach einem spektakulären Startcrash der Grand Prix beendet war. Es gab bei erstaunlich schönem Wetter in den Ardennen mehrerer Sieger und Verlierer.

Zu den Lachenden zu gehören, das hatte für Vettel einen einfachen Grund. Er rückt an den Traum vom Titel-Triple wieder näher heran. „Das war ein verrücktes Rennen. Die Frage ist, warum es im Qualifying bei uns nicht ging, dafür aber dann im Rennen wieder. Wichtig sind auf alle Fälle die Punkte“, sagte der Heppenheimer, der gehofft hatte, dass Button noch in die Box fährt. Doch wie er selbst setzte auch das Team des Engländers auf eine Ein-Stopp-Strategie.

Eine Kettenreaktion führt zu Schrott

Spa benötigt keinen Regen, um überraschenden Motorsport zu liefern. Manchmal genügen auch ein paar ungestüme Piloten. Als ein solcher präsentierte sich gestern keine 300 Meter nach dem Start der Lotus-Fahrer Romain Grosjean. Er kollidierte mit Lewis Hamiltons McLaren und löste damit eine Kettenreaktion aus, in deren Folge mit den beiden Unfallgegnern auch noch der WM-Führende Alonso und der Sauber-Mann Sergio Perez aus ihren demolierten Fahrzeugen steigen mussten. Schrott, überall Schrott.

Grosjeans Fahrzeug flog über die Front von Alonsos Ferrari und hätte den Spanier fast am Kopf getroffen. So ist das, wenn unerfahrene Leute auf den vorderen Startplätzen stehen – es erhöht die Gefahr. Außerdem untersuchten die Fia-Rennleiter den Fall des Williams-Piloten Pastor Maldonado, der einen Frühstart hinlegte, den die Formel-1-Welt in seiner Deutlichkeit bisher kaum gesehen hatte. Wie ein Verrückter raste er in der Startgasse zwischen den Gegnern drauflos – dafür wird er beim nächsten Rennen um fünf Plätze zurückversetzt.

In Spa verlieren sie gerne mal die Nerven. Grosjeans Fehler bringt ihm 50 000 Euro Strafe – und Alonso im WM-Kampf in Bedrängnis. Zwar wurde in Hamilton auch einer seiner Verfolger aus dem Rennen bugsiert, doch der Vorsprung des Iberers schrumpfte trotzdem. Er führt die WM-Wertung jetzt mit 164 Zählern vor Sebastian Vettel (140) und dessen Red-Bull-Kollegen Mark Webber (132) an. Sein Vorsprung schmolz damit auf 24 Punkte. Räikkönen (131) zog durch seinen dritten Platz an Hamilton (117) vorbei. Button (101) ist Sechster und gehört zum erweiterten Kreis der Titeljäger.

Schumacher von Platz 13 auf Platz 7

Einer der Nutznießer des Chaos’ in Spa war zunächst Michael Schumacher. Vom enttäuschenden 13. Startplatz losgefahren befand er sich nach der Karambolage auf Platz fünf, überholte später Paul di Resta und Räikkönen und war in seinem „Wohnzimmer“ wie durch ein Wunder plötzlich Dritter. Später rächte sich Räikkönen dafür mit einem bemerkenswerten Überholmanöver in der Mutkurve Eau Rouge und zeigte damit seine außergewöhnliche Klasse (siehe auch „Der bessere Rückkehrer“).

Am Ende fand sich Schumacher auf dem immerhin als Schadensbegrenzung zu wertenden siebten Rang wieder. Sein Mercedes-Kollege Nico Rosberg, der wegen eines Getriebewechsels von Platz 23 losfahren musste, wurde Elfter. Zum 300. Grand Prix hätte sich Rekordweltmeister Schumacher mehr gewünscht als eine zuckersüße Torte in Form eines Helmes. Stattdessen gab es wegen überfahren einer Linie im Freitagstraining eine 2500 Euro Geldstrafe, und im Rennen wegen eines unfairen Manövers gegen Vettel eine Untersuchung der Regelhüter. Schumi hat in Spa schon bessere Zeiten erlebt.

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