Formel 1 Geheimnisse auf den zweiten Blick

Toto Wolff, Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Ross Brawn präsentieren den neuen Silberpfeil. Foto: dpa 7 Bilder
Toto Wolff, Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Ross Brawn präsentieren den neuen Silberpfeil. Foto: dpa

Nico Rosberg hat seinen neuen Silberpfeil schon vorab per Twitter an die Weltöffentlichkeit gesendet. Und danach präsentierte Mercedes auch offiziell das Auto für die neue Saison. Wir stellen den neuen Silberpfeil vor.

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Jerez - Die Präsentationen neuer Formel-1-Autos liefen jahrelang nach dem gleichen Schema ab. Die Fahrer zogen die Decke weg, die das neue Auto verhüllte, und dann gingen die ersten Fotos um die Welt. In Zeiten von Internet, Twitter und Facebook ist die virtuelle Welt manchmal schneller als die Realität. Der neue Ferrari F138 geisterte bereits durch das Netz, da lag in der Präsentationshalle in Maranello noch ein weißes Tuch über dem roten Auto. Bei Mercedes war es genauso.

Mercedes sperrte die Rennstrecke von Jerez für interne Filmaufnahmen zwei Stunden lang ab, erst um 13.35 Uhr sollten gestern die Hüllen fallen. Nico Rosberg wollte so lange nicht warten. Er twitterte sein neues Dienstfahrzeug schon am Vormittag um die Welt. Lewis Hamilton machte am Streckenrand Bilder mit seinem neuen Mobiltelefon. Mercedes stellte das Bild vorab auf Facebook. Eine Referenz an den neuen Sponsor Blackberry. So hielt sich die Überraschung in Grenzen, als Rosberg und Hamilton in zwei weißen Mercedes SLS AMG vorfuhren und das schwarze Tuch vom neuen Silberpfeil zogen.

Schritt zurück zu bewährter Technik

Zum Vorschein kam ein Auto, das im Vergleich zu den bereits präsentierten Exponaten von McLaren, Ferrari, Red Bull und Sauber etwas brav daherkommt. Mehr Evolution als Revolution, könnte man als Fazit sagen. Die Storchennase ist dem Mercedes geblieben, sie fällt nur ein bisschen kürzer aus als zuvor. Die Seitenkästen sind schmäler, aber nicht so schmal wie beim Sauber. Sie sind länger als bei Ferrari und Red Bull. Das Heck mit seinem aus den Seitenkästen blasenden Auspuff ähnelt dem McLaren, die Hinterachse dem Red Bull.

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Das Risiko, wie McLaren und Ferrari an der Vorderachse auf Zug- statt Druckstreben zu setzen, war Mercedes zu groß. Möglicherweise war der Schritt zurück zu bewährter Technik genau der Richtige. In den letzten drei Jahren ist die Marke mit dem Stern mit ihren Innovationen regelmäßig auf die Nase gefallen. Der Teamchef Ross Brawn wehrt sich jedoch dagegen, dass dieser Mercedes ein konservatives Auto ist: „Ziel war es, ein stabiles, berechenbares Auto zu bauen und aerodynamisch Fortschritte zu erzielen. Wir sind von unserem Produkt überzeugt.“ Der 2013er Mercedes zeigt seine Geheimnisse laut Brawn nicht auf den ersten Blick: „Wir haben schon ein paar interessante Elemente am Auto, aber sie sind gut versteckt. Im Laufe der Woche folgt noch ein neuer Frontflügel. Dazu haben wir noch einige Entwicklungen in der Hinterhand, die wir bei den nächsten Testfahrten zeigen werden.“

Nico Rosberg fährt den Wagen als Erster

Nico Rosberg durfte die ersten Kilometer mit dem Auto abspulen. Der Blondschopf, der in sein viertes Mercedes-Jahr geht, registrierte erstaunt: „Ich habe mich in dem Auto sofort wohl gefühlt. Das war in den letzten Jahren nicht der Fall.“ Das kam überraschend, weil sich Rosbergs Arbeitsplatz geändert hat: „Das Cockpit ist enger, ich habe einen neuen Sitz und eine andere Position hinter dem Lenkrad. Trotzdem hat alles von Anfang an gepasst.“ Mit seinem neuen Teamkollegen erwartet er keine Probleme: „Lewis und ich sind im Kartsport zwei Jahre im gleichen Team gefahren. Es hat damals funktioniert, und es wird wieder so sein. Wir müssen schließlich Rückstand aufholen.“

Das ist der Punkt. Mercedes war 2013 nur die Nummer fünf im Feld. „Das ist nicht akzeptabel und muss sich ändern“, fordert Ross Brawn. Auf ein genaues Ziel lässt sich der 58-jährige Engländer nicht festlegen. „Das Ziel heißt Verbesserung. Wir müssen auf die Spitze aufholen. Wie weit wir kommen, ist schwer zu sagen. Ich bin aber optimistisch, dass wir gute Fortschritte gemacht haben. Dieses Auto ist das erste Resultat unserer neuen Struktur im Technikbüro.“

Seit einigen Wochen hat sich die Zahl der Häuptlinge um ein weiteres Gesicht erhöht. Der österreichische Finanzinvestor Toto Wolff kaufte nicht nur 30 Prozent des Rennstalls, er kümmert sich in Form einer Doppelspitze auch um die wirtschaftlichen Belange des Teams. Auf die vorwitzige Frage, was denn dann der Unterschied zwischen dem Aufsichtsrat Niki Lauda und ihm sei, versuchte Wolff einen Scherz: „Niki trägt eine rote Kappe, und er hat nur ein Ohr.“ Dann führte er aus: „Niki lenkt uns, hat aber keine exekutive Funktion.“

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