Barcelona - Irgendwann muss Max Verstappen mal sein Meisterstück machen und Formel-1-Weltmeister werden. Es ist schon lange her, dass der Niederländer als großes Talent im Rennzirkus begrüßt und auch als kommender Champion gefeiert wurde. Er ist inzwischen 23 Jahre alt, hat 123 Rennen absolviert, seinen 100. Grand Prix für das Red-Bull-Team absolvierte er am Sonntag in Barcelona. Verstappen, der Rennrüpel der Anfangsjahre, ist bereits ein alter Hase und längst eine etablierte Größe. Dass er noch nicht Weltmeister wurde, verdankt er Lewis Hamilton und Mercedes. Die waren bisher unschlagbar für den Holländer. Insofern hat Hamilton ihm viele Jahre geklaut.
Lewis Hamilton hatte auch ein Jubiläum in Barcelona zu feiern – er holte seine 100. Poleposition. Der eine macht 100 Rennen, der andere 100 erste Startplätze, in diesen Zahlen erkennt man die Situation der beiden Supermänner der noch jungen Saison. Der eine gewann viel und alles – doch der andere durfte noch nicht so richtig ran. In diesem Jahr, man spürt es, könnte Verstappen mal vorne liegen und dem 36 Jahre alten Briten die Show stehlen. Aber: Hamilton gibt sich nicht so leicht geschlagen. In Barcelona haben Verstappens Hoffnungen auf die heiß ersehnte Wende wieder einen harten Dämpfer bekommen.
Position war nicht zu halten
Was soll er noch tun? Er hätte im vierten Saisonrennen seinen zweiten Sieg einfahren können und wäre damit gleichauf mit Hamilton gewesen. So aber steht es 3:1 für den Rekordchampion. Dabei gab Verstappen in Barcelona alles: Er schnappte sich den Polesetter Hamilton spektakulär in der ersten Kurve, er fuhr lange auf Sieg – doch dann hebelte die Mercedes-Mannschaft mit einer starken Boxenstopp-Performance den Red-Bull-Plan aus. So konnte Hamilton, der einen zweiten Stopp einlegte, mit frischen Reifen herankommen an Verstappen und überholte ihn in der 60. von 66 Runden. Verstappen konnte da mit schlechter werdenden Reifen nichts entgegensetzen und wurde Zweiter. „Wir haben das kommen sehen“, sagte Verstappen, „Lewis hatte am Ende mit den neuen Reifen deutlich mehr Geschwindigkeit. Ich konnte die Position nicht mehr halten.“ Das Podium komplettierte Valtteri Bottas im zweiten Mercedes.
Dort lobten sie sich derweil gegenseitig und feierten Hamiltons 98. Rennsieg – das nächste Jubiläum wird nicht lange auf sich warten. „Ich fühle mich großartig“, sagte der Sieger, „es war am Ende ein echtes Pokerspiel. Die Strategie hat sich ausgezahlt, das war eine tolle Leistung des ganzen Teams.“ Der Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab das Lob umgehend zurück. „Das war eine großartige Strategie, aber auch eine großartige fahrerische Leistung“, sagte der Teamchef Wolff. Sie müssen aber kämpfen in diesem Jahr, das spüren sie. Sie müssen mit Max Verstappen rechnen.
Einen Sprung gemacht
Der war nach der Niederlage, die ihm sechs Runden vor Schluss zugefügt wurde, geknickt. „Es zeigt, dass wir noch nicht da sind, wo wir sein wollen“, sagte der Sohn von Michael Schumachers ehemaligen Teamkollegen Jos Verstappen. Immerhin, auch das kann Verstappen nach vier Wettfahrten in diesem Jahr feststellen: „Wir haben in diesem Jahr einen großen Sprung gemacht.“ Das Problem ist: je besser die Gegner sind, desto mehr Steigerungspotenzial entfalten sie bei Mercedes. Auch das müssen Verstappen und seine Mannschaft im Hinterkopf behalten.
Lewis Hamilton startete Barcelona solide, noch besser aber kam Verstappen abseits der Ideallinie von der Stelle. Der Niederländer bog neben Hamilton in die erste Kurve und fuhr die Ellbogen aus. Die Autos berührten sich – mit einem harten, aber fairen Manöver übernahm Verstappen die Führung. Entscheidend absetzen konnte sich der Niederländer zunächst aber nicht. Doch erst gegen Ende kam die Wende zum Guten für den Briten.
Vettel nur 13.
Auf solch eine Wende wartet Sebastian Vettel noch immer. Der Hesse fuhr wie zuletzt in Portugal ein unauffälliges Rennen im Mittelfeld und belegte Rang 13. Der Formel-1-Neuling Mick Schumacher machte derweil erneut das Beste aus seinen Möglichkeiten. Der 22-Jährige gewann nach dem Start zwei Plätze, konnte diese aber nicht verteidigen. Das Duell mit seinem russischen Teamkollegen Nikita Masepin gewann der Deutsche als 18. aber erneut.