Formel 1 in Mexiko Sebastian Vettel – der Zwölfzylinder-Grüne

Sebastian Vettel ist in der Formel 1 zurzeit nur durchschnitt. Foto: dpa/Darron Cummings

Sebastian Vettel tritt immer öfter als überzeugter Klimaexperte und Umweltschützer in Erscheinung, was ihm viele Beobachter in der Motorsportszene nicht unbedingt abnehmen. Die Frage ist, ob ein Formel-1-Rennfahrer auch Repräsentant einer grünen Ideologie sein kann.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - Sebastian Vettel ist nicht wiederzuerkennen. Vor einigen Jahren zählte der Heppenheimer noch zu den letzten Rennsportpuristen, die sich spritsaufende Zwölfzylinder zurückwünschten, denn Motorsport ist im Hinblick auf die guten alten Schumacher- und Lauda-Zeiten vor allem immer das gewesen: verdammt laut und nur was für echte Kerle, die die Monstermaschinen im Heck ihrer Boliden auch zu bändigen wissen. Heute sieht es Sebastian Vettel nicht mehr so.

 

Der Rennfahrer scheint geläutert. Aus dem viermaligen Weltmeister, der in seinen besten Zeiten die Gegner im Übereifer schon mal von der Piste rammte, ist ein braver Vernunftmensch geworden. Einer mit grünem Anstrich. In Silverstone sah man ihn mit Fans den Müll von den Tribünen wegräumen, was durchaus löblich war, und dennoch Verwunderung auslöste, weil sein Job an der Rennstrecke eigentlich ein anderer war. Schon vor dem Grand Prix unterhielt er sich mit britischen Schulkindern über Umweltschutz, und irgendwann fiel auch der Satz: „Ich werde Grün wählen.“

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Sebastian Vettel bleibt – ein Segen für die Formel 1

Der Wandel vom Zwölfzylinder-Enthusiasten zum Klima- und Umweltschützer ist bemerkenswert. Am Sonntag steigt Vettel beim Großen Preis von Mexiko in seinen Aston Martin, der auf 100 Kilometer stramme 40 Liter Sprit schluckt, das ist die eine Seite. Die andere sieht so aus, dass es Vettel nach der Bundestagswahl ein Anliegen war, einen fordernden Appell an die künftige Bundesregierung zu richten. „Ich erwarte, dass die nächste Regierung nun endlich handelt und nicht nur redet, wenn es um Themen wie soziale Ungerechtigkeit oder die Klimakrise geht. Da gibt es viele Dinge, die jetzt angegangen werden müssen“, sagte der Rennfahrer im Stile eines Staatsmanns. Von der Abschaffung ökologisch sinnfreier Autorennen war keine Rede.

Nun, da es für den WM-Zwölften mit seinem Aston-Martin-Team im Rennbetrieb nur schleppend bis gar nicht vorangeht, hat sich der 34 Jahre alte Formel-1-Pilot offenbar neu erfunden. Vielleicht geht er ja mal in die Politik. Das hätte er dann mit dem ehemaligen Reckweltmeister Eberhard Ginger gemeinsam. Doch das ist Zukunftsmusik. Etwas Zweifel sind indes angebracht, ob ein Rennfahrer ein angemessener Repräsentant für eine klima- und umweltpolitische Ideologie sein kann. Und mit seinem offenen Bekenntnis zu einer Partei macht Vettel einerseits immerhin deutlich, dass ihm die deutsche Demokratie und seine Heimat wichtig sind. Andererseits lebt der Rennfahrer in der Schweiz und spart dort Steuern.

Für ein Tempolimit

Auf den Schweizer Autobahnen darf höchstens mit Tempo 130 gefahren werden. Vettel kann sich solch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf deutschem Asphalt vorstellen – ganz im Sinne der grünen Idee. Er selbst hat wie die meisten Formel-1-Piloten ein paar schnelle Autos in der Garage, die locker Tempo 300 packen. Aber: „Ich denke nicht, dass es da um persönliche Gefühle geht. Man muss das große Bild betrachten. Ein Tempolimit würde fast zwei Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen und würde die Straßen ein bisschen sicherer machen“, sagt der Hesse, der sich von einigen seiner Schmuckstücke getrennt hat. Im Sommer wurde getitelt: Ferrari-Ausverkauf bei Vettel.

Ein Tempolimit scheint keinen Platz zu haben im klassischen Weltbild eines Rennfahrers. Es gutzuheißen ist aber unumgänglich, wenn man auf der grünen Welle schwimmt. Ob sich Aston Martin da mit Vettel den richtigen Piloten, der ja auch Aufgaben als Repräsentant und Werbefigur wahrnehmen muss, geangelt hat? Eine gute Frage ist das. Wo doch Autos des britischen Fabrikats in der Regel dort anzutreffen sind, wo sich all die anderen Luxusmarken auf den Autobahnen tummeln – auf der linken Spur.

Grün ist nicht gleich Grün

Das passt ein bisschen zu Vettels politischer Gesinnung. Zu der passt sein Rennoverall jedoch nur bedingt – obwohl er grün ist. Es ist aber bei Weitem nicht das stechend helle Grün, für das Annalena Baerbock und Robert Habeck stehen, sondern das klassisch dunkle „British Racing Green“. Die Betonung liegt da auf Racing. Sebastian Vettel sollte das am Sonntag in Mexiko nicht vergessen.

Weitere Themen