Formel 1 in Monaco Mercedes und der Schuss ins Knie

Lewis Hamilton: Mercedes sieht Licht am Ende des Tunnels von Monaco Foto: Getty
Lewis Hamilton: Mercedes sieht Licht am Ende des Tunnels von Monaco Foto: Getty

Im freien Training zum Grand Prix von Monaco verzocken sich die Ingenieure von Mercedes bei der Abstimmung. Lewis Hamilton bleibt ruhig. Noch.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Monaco - Carlos Sainz und Daniil Kwijat staunten nicht schlecht. Auf der Ergebnisliste der beiden freien Trainingseinheiten tauchte der Name des Russen auf Rang vier, der des Spaniers auf Position fünf auf. Nun mag Toro Rosso kein Hinterbänkler-Team sein, doch so viel Höhenluft haben die Piloten aus dem Nachwuchsstall von Red Bull seltenst geschnuppert. Und es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass weder Kwijat noch Sainz so richtig erklären konnten, warum sie denn so schnell gewesen sind. „Am Samstag werden die Positionen realistischer bezogen sein. Monaco ist immer gut für Überraschungen am Donnerstag“, sagte Sainz.

Ein Grund, warum sich die Toro-Rosso-Burschen so weit oben wiederfanden lag daran, dass zwei andere Fahrer so richtig mittendrin im Mittelfeld steckten, die der geneigte Motorsport-Freund sonst an der Spitze der Listen sucht: Lewis Hamilton landete nur auf Platz sechs, Valtteri Bottas lag sogar noch zwei Ränge zurück auf acht. „Wir sind in der zweiten Einheit nur noch herumgerutscht“, erzählte der dreimalige Champion Hamilton danach, „der Unterschied war wie Tag und Nacht.“ Heißt das, die Silberpfeile spielen im Kampf um den Sieg am Sonntag (14 Uhr/RTL) nur noch eine untergeordnete Rolle? Kaum, und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind die Zeiten der Trainingsfahrten stets mit Vorsicht zu genießen wie etwa ein Ragout aus selbst gesammelten Pilzen. In den Trainings wird getestet bei der Fahrwerksabstimmung, mit Benzinmengen, der Aerodynamik – folglich können die Ingenieure auch mal kräftig daneben liegen, was nichts über die tatsächliche Konkurrenzfähigkeit aussagt.

Valtteri Bottas sieht Fauxpas positiv

Und exakt die war zweitens bei Mercedes der Fall. „Wir sind mit dem Set-up in eine falsche Richtung abgebogen, als wir gedacht haben, wir würden etwas Gutes tun“, räumte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ein, „und das war ein Schuss ins Knie.“ Um den Silberpfeil wieder zurückzubauen in den Zustand von Training eins, dazu fehlte den Mechanikern die Zeit. Also haben Hamilton und Bottas so gut es eben ging ihre Runde gedreht und Daten gesammelt. Der Finne gab sich zumindest Mühe, das Positive aus dem Fauxpas zu ziehen: „Wir haben heute eine Menge gelernt, auch wenn es nichts Gutes war.“ Nun ja, es heißt ja bekanntlich auch: Aus Fehlern wird man klug.

Sebastian Vettel gab sich dann auch keinen Illusionen hin, dass ihn am Sonntag eine Spazierfahrt zum Triumph bevorstehen könnte. „Keine Ahnung, was da los war, das war ein bisschen komisch. Aber am Samstag werden sie mit voller Kraft zurück sein“, sagte der Ferrari-Pilot und WM-Spitzenreiter. Im Qualifying am Samstag (14 Uhr/RTL) wird es richtig ernst – aufgrund der äußerst geringen Überholmöglichkeiten im Fürstentum ist die Startaustellung ein überaus deutlicher Fingerzeig darauf, wer den Grand Prix gewinnt. Und falls am Samstag gegen 15 Uhr die Namen Carlos Sainz und Daniil Kwijat erneut in der Liste über denen von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auftauchen, dann dürfte es mit der Gelassenheit von Toto Wolff ein Ende haben. Und von Lewis Hamilton einmal ganz zu schweigen.

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