Formel 1 Darum ist der Wahnsinn von Monaco unverzichtbar

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Der Monaco-Grand-Prix ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch der unverzichtbare Saisonhöhepunkt in der Formel 1. An diesem Wochenende ist es wieder soweit.

Monte Carlo – Sein und Schein Foto: Getty Images
Monte Carlo – Sein und Schein Foto: Getty Images

Monte Carlo - Am Quai Antoine im Hafen von Monte Carlo sind auf Foto-Leinwänden die Helden der Vergangenheit zu sehen: Jack Brabham, Ayrton Senna, Michael Schumacher. Sie sind Rennfahrergrößen, die im Fürstentum für Furore sorgten, große Siege feierten und Partys. Auch Jenson Button ist dabei. Seine Aufnahme in die Hall of Fame von Monaco ist etwas schmeichelhaft. Doch unvergessen bleibt, wie er 2009 nach seinem Sieg den Balkon des Fürsten nicht fand und orientierungslos umherirrte.

Andere Piloten wie Alberto Ascari im Jahr 1955 sind mit dem Auto ins Hafenbecken gerast, aber mit dem Schrecken davongekommen. Die alten Geschichten aus Monaco, sie kommen gerade in solch einer emotionalen Formel-1-Woche wie dieser wieder auf den Tisch. Niki Lauda ist am Montag gestorben. Auch er gewann zweimal in Monaco. Dort fährt die Formel 1 seit 1950 fast ohne Pause. Und das ist auch gut so, sagen die Rennsportpuristen.

Der Letzte knipst das Licht aus

Sie haben noch James Hunt in den Siebzigern erlebt, wie er in Jimmy’s Bar am frühen Morgen als Letzter das Licht ausknipste – und wenige Stunden später unter erheblichem Restalkohol das Rennen gewann. Helden, Legenden, aber vor allem wunderbare Geschichten, die im Laufe der Jahre sicher auch an Wahrheit verloren haben, weil sie tausendmal weiter erzählt wurden. Doch die Fantasie ist oft schöner als die Realität. Und wenn es irgendwo ein bisschen erlaubt ist zu träumen, dann im Reich der Grimaldis.

Monaco, es ist ein Muss. Das Rennen durch die engen Straßen mag sportlich fragwürdig und unnütz sein, aber das Drumherum ist zauberhaft. Selten gibt es spannende Wettfahrten, weil es schwerer ist in Monte Carlo zu überholen als in den Hafen zu plumpsen. Doch steht der Grand Prix für das letzte bisschen Tradition der Formel 1, die sie noch besitzt. Es wird in Schanghai, in Bahrain oder in Abu Dhabi auf modernen, zuweilen für die Piloten langweiligen Pisten mit gigantischen Bauwerken gefahren, und inzwischen hat man sich von einigen dieser charmelosen Rennorte auch wieder getrennt. Doch wenn etwas Bestand hat, dann Monaco, der Platz mit seinem maroden Charme, seiner Tradition, dieser Flecken am Mittelmeer, der das Gefühl auslöst, eine Reise zu machen in die Welt des schönen Scheins und Überflusses. Dieses Relikt der Vergangenheit beizubehalten ist in einer Zeit, in der Vieles dem Diktat des Größenwahns unterworfen ist, wichtiger denn je.

Die aktuellen Rennfahrer, sie spüren dieses Besondere und diesen Hauch der Geschichte, der immer mitfährt in Monaco. Die Einzigartigkeit des Spektakels wird begleitet von ihrer Vorfreude, auch wenn das Rennen später zur Enttäuschung wird, weil sie im Verkehr feststecken. „Es ist immer ein ganz besonderes Gefühl, hier durch die Straßen zu spazieren und sie dann auch noch mit einem Formel-1-Rennwagen zu befahren“, sagt der Williams-Pilot Robert Kubica. Überdies genießen es diejenigen Fahrer, die in Monaco ganz bewusst wohnen, weil ihnen die Grimaldis kaum Steuern aus der Tasche ziehen, dass sie ungestört durch die Gassen schlendern können. Denn in Monaco sind nicht nur Prominente oder Formel-1-Piloten wichtig – in Monaco ist es jeder.

Leclerc hat ein Heimspiel

Charles Leclerc hat sogar ein echtes Heimspiel im Fürstentum. Der Jungstar der Scuderia Ferrari startet unter monegassischer Flagge, ist hier geboren und aufgewachsen. So wie der Ex-Weltmeister Nico Rosberg, der immer davon schwärmte, auf der Strecke jeden Kanaldeckel zu kennen. Normalerweise hat auch Leclerc in der Heimat seine Ruhe. Doch in dieser Woche ist es anders. „Zur Grand-Prix-Zeit kommen ja immer so viele Fremde in die Stadt, die überall ein Foto von dir wollen oder dies und das“, sagt der Ferrari-Mann. Trotzdem sei es großartig, zu Hause diesen Grand Prix zu haben. „Es ist eine Ehre für mich, auf diesen Straßen zu fahren.“

Das junge Mädchen indes, das am Zaun des Fahrerlagers steht, es wartet und wartet und wartet. Irgendwann muss ihr ganz persönlicher Supermann hier mal vorbeikommen, ihr Büchlein mit der aufgeschlagener Seite für ein Autogramm hält sie jedenfalls schon seit Stunden bereit. Sie befindet sich auf Höhe des Alfa-Romeo-Teams, und neben ihr schlürfen die Gäste in einem Restaurant am Quai Antoine ein paar Austern. Sie aber möchte nur mal kurz Kimi Räikkönen sehen. Dann kommt er, kritzelt seinen Namen ins Buch – und lächelt sie sogar noch kurz an.

In Monaco werden eben alle Träume wahr: die großen und die kleinen.