Formel 1 in Österreich Alpha-Bulle Max Verstappen setzt Zeichen

Max Verstappen triumphiert souverän den Großen Preis von Österreich und verweist Titelverteidiger Lewis Hamilton sowie Teamkollege Sergio Perez in die Schranken. Foto: AFP/Joe Klamar
Max Verstappen triumphiert souverän den Großen Preis von Österreich und verweist Titelverteidiger Lewis Hamilton sowie Teamkollege Sergio Perez in die Schranken. Foto: AFP/Joe Klamar

Der Niederländer siegt souverän beim Großen Preis von Österreich und baut seine WM-Führung vor Lewis Hamilton aus – dagegen zeigt sein Teamkollege Sergio Perez beim Heimspiel des Rennstalles Nerven.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Stuttgart/Spielberg - Max Verstappen. Wer sonst? Nach einer souveränen Vorstellung beim Großen Preis der Steiermark am 27. Juni triumphierte der Niederländer auch am Sonntag beim Großen Preis von Österreich beim Heimspiel seines Rennstalls auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg – für die vielen Zuschauer aus seiner Heimat war’s ein Feiertag. Und ein weiteres Zeichen von Stärke und Dominanz des WM-Führenden, der zu keiner Sekunde einen Zweifel am Erfolg aufkommen ließ. „Nach dem Start hatte ich einen kleinen Vorsprung“, sagte Verstappen, „ich wusste: Wenn ich Runde eins als Erster beende, kann ich mein eigenes Rennen fahren.“ So kam es. Fünfter Grand-Prix-Sieg im neunten Rennen, der dritte Triumph in Folge, 32 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton. „Läuft“, hätte Max Verstappen seine Situation knapp zusammenfassen können.

WM-Rivale Lewis Hamilton erlebte einen Tag, an den er sich nur unter Androhung eines empfindlichen Übels erinnern wird. Zwar lag der Titelverteidiger lange auf Platz zwei, doch nachdem er Probleme mit seinem beschädigten Silberpfeil hatte, ließ er in Runde 53 erst Teamkollege Valtteri Bottas freiwillig vorbei und musste einen Umlauf später aber auch noch Lando Norris im McLaren nahezu ohne Gegenwehr passieren lassen. Als Vierter sah der 36-Jährige die Zielflagge. Mehr war nicht möglich. „Ich hatte massive Schäden am Unterboden“, erklärte der Mercedes-Fahrer danach, „das hat mich viel Abtrieb gekostet. Ich bin froh, dass ich überhaupt ins Ziel gekommen bin.“

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Wenigstens hatte sein Mannschaftskamerad Bottas mit Platz zwei das Gesamtergebnis für Mercedes emotional ein wenig erträglicher gestaltet. „Schön, dass ich nach Platz drei in der vergangenen Woche wieder auf dem Podium stehe“, sagte der Finne, „ich habe das Bestmögliche rausgeholt.“ Für Bottas dürfte das Resultat ein Labsal für die geschundene Rennfahrerseele gewesen sein. Zuletzt hatte es häufig Kritik an der Leistung des 31-Jährigen gegeben, er würde Hamilton wenig dabei helfen, die Attacken der angriffslustigen Roten Bullen Verstappen und Sergio Perez abzuwehren. Er sei ein reichlich mäßiger Helfer für den Weltmeister im Unternehmen Titelverteidigung. Ein wenig dürfte sich Valtteri Bottas rehabilitiert haben. Vorerst.

Den Schwarzen Peter musste sich Sergio Perez in Spielberg zuschieben lassen. Der Mexikaner war von Startplatz drei gestartet, doch er landete nach 71 Runden auf einem enttäuschenden sechsten Platz – nachdem er sich zwei überflüssige Zeitstrafen abgeholt hatte. Der 31-Jährige war im steirischen Murtal unterwegs als habe er zu Mittag ein heftig scharfes Chili con Carne verspeist. Zweimal drängte Perez den Ferrari von Charles Leclerc im Kurvenduell ins Kiesbett und kassierte dafür jeweils eine Fünf-Sekunden-Strafe. Der Routinier wollte seinem Team anscheinend unter allen Umständen beweisen, dass er wertvoll für Red Bull ist.

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Denn Sergio Perez ereilt, je weiter die Saison fortschreitet, das gleiche Schicksal wie Bottas – er ist lediglich die Nummer zwei im Team, er wird an seiner Arbeit als WM-Helfer gemessen. Verstappen jedenfalls lässt keinen Zweifeld daran, dass er der Alpha-Bulle in der Horde ist. Da erteilt der Niederländer dem Kollegen auch mal einen verbalen Nasenstüber. Am Samstag hatte Perez betont, Red Bull habe im Vergleich zur Vorwoche einige größere Änderungen am Set-up vorgenommen. Mit diesen Worten konfrontiert, wunderte sich der Niederländer über die Aussage. „Nein, eigentlich ist der Unterschied nicht sehr groß. Nur Kleinigkeiten“, sagte der Jungstar, „ich weiß, dass Sergio mein Set-up verwendet, also ist da nicht viel drin.“ Dass der Mexikaner beteuerte, er finde bei der Einstellung seines Autos allmählich seinen eigenen Weg, interessierte nur wenige. Paragraf eins in der Hackordnung der Formel 1 lautet: Der Erste, den man in Schach halten muss, ist der Teamkollege. Max Max Verstappen hält sich daran. Er will Weltmeister werden.

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