Formel 1 in Zandvoort Königstag für Max Verstappen

Seine niederländischen Landsleute feierten Max Verstappen standesgemäß mit der Nationalfarbe Orange für seinen Triumph beim Heimrennen in Zandvoort. Foto: imago/ANP
Seine niederländischen Landsleute feierten Max Verstappen standesgemäß mit der Nationalfarbe Orange für seinen Triumph beim Heimrennen in Zandvoort. Foto: imago/ANP

Max Verstappen hat den Großen Preis der Niederlande gewonnen und damit nicht nur seine Fans, sondern auch König Willem Alexander in Begeisterung versetzt.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Stuttgart/Zandvoort - Man hätte glauben können, am Sonntag war schon wieder der 27. April. An diesem Datum begehen die Niederländer ihren höchsten Feiertag, den Königstag, und so ziemlich jeder im Land hüllt sich in Orange. Der 5. September könnte der zweithöchste Feiertag im Land werden, so etwas wie der kleine Königstag. Da gewann der Niederländer Max Verstappen in der Formel 1 den Großen Preis der Niederlande und wurde vor den Augen des niederländischen Königs Willem Alexander dafür geehrt – und zwar als erster Staatsbürger, dem dieser historische Heimerfolg gelungen ist. „Unglaublich“, jubelte der 23-Jährige, „die Erwartungen an mich waren hoch, es war nicht einfach, sie zu erfüllen. Ich bin sehr glücklich, das war heute ein sehr guter Tag.“

Der Lokalmatador hat seine Fans unter den 75 000 Zuschauern in Zandvoort, und das waren die meisten auf den Tribünen, so glücklich gemacht, als hätten sie am Sonntagnachmittag von einem mittleren Lottogewinn erfahren, den sie ausgiebig mit orangenen Rauchschwaden feierten – und der Triumphator feierte den Erfolg genauso überschwänglich mit Nationalflagge, Umarmungen und Schulterklopfern, als sei es sein erster Sieg in der Formel 1 überhaupt. Doch der liegt bereits mehr als fünf Jahre zurück, im Mai 2016 in Barcelona. „Das war ein episches Rennen“, lobte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinen schnellsten Mitarbeiter. Der Herausforderer übernahm mit seinem siebten Saisonerfolg wieder die Führung in der WM mit 224,5 Punkten vor Weltmeister Lewis Hamilton (221,5).

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Der Grand Prix auf der reaktivierten, umgebauten Strecke an den Gestaden der Nordsee war allerdings keiner, der die Zuschauer von den Sitzen riss, weil auf der Piste spektakuläre Manöver stattgefunden hätten – auf dem Kurs ist das Überholen beinahe so verzwickt wie in Monaco oder Ungarn oder im Feierabendverkehr auf der A 81 bei Stuttgart. Der Start, den Verstappen von der Pole-Position mühelos gewann, der Quersteher von Sebastian Vettel in der Steilkurve und das Überholmanöver des Niederländers gegen Silberpfeil-Mann Valtteri Bottas, der aber wegen deutlich schlechterer Reifen ohnehin keine Chance hatte, waren so ziemlich die aufregendsten Szenen in einem Grand Prix, der so mitreißend und atemberaubend war wie die maschinelle Produktion von einfarbigen Stumpenkerzen.

Den Oranje-Fans war’s egal, sie wollten nichts anderes sehen als einen Triumph von Verstappen. Und den hatten sie bekommen. Es war ein Rennen, das Mercedes nur über die Strategie hätte gewinnen können oder durch einen Patzer von Verstappen oder dem Red-Bull-Team. Doch die strategischen Kniffe beim Weltmeister verpufften wirkungslos, und bei Red Bull lief alles planmäßig rund. „Red Bull war fehlerfrei“, musste Mercedes-Teamchef Toto Wolff einräumen, „wir hatten eine kleine Chance über die Boxenstopps, aber wir haben uns dabei ein wenig verkalkuliert. Der Start war entscheidend, weil hier schwer zu überholen ist.“

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Hamilton stoppte früh zum ersten Mal, versuchte den sogenannten Undercut, doch Red Bull reagierte sofort, so dass der Titelverteidiger auf Platz zwei blieb. Danach wurde Bottas (der noch nicht gestoppt hatte) als mobile Bremse eingesetzt, doch der Finne war auf älteren Reifen chancenlos gegen Verstappen und wurde schnell kassiert. Nachdem auch Hamiltons zweiter Stopp nicht zum Führungswechsel gereicht hatte, war gut 20 Runden vor Schluss die Luft für die neutralen Zuschauer raus aus dem Grand Prix. Verstappen fuhr den Sieg so sicher nach Hause wie einen Brieftaube ihren Schlag findet. „Max hat einen super Job gemacht“, sagte der 36 Jahre alte Hamilton, „ich habe alles gegeben und gepuscht – aber Red Bull war heute zu schnell für uns.“

Als die Positionen zementiert waren, spielte der Brite seinen letzten Trumpf aus, ließ neue Reifen aufziehen und holte sich die schnellste Rennrunde, die ihm einen zusätzlichen Punkt bescherte. „Die letzte Runde war der beste Teil meines Rennens“, sagte Hamilton, der weiß, dass es in Monza am nächsten Wochenende wieder keine Spazierfahrt wird. Und dass er alle Register ziehen muss, um Max Verstappen von Platz eins in der WM zu verdrängen.

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