Formel 1 Lewis Hamiltons Kampf gegen Rassismus

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Lewis Hamilton engagiert sich seit Wochen vehement gegen Rassismus, auch weil er selbst davon oft betroffen war.

Lewis Hamilton geht mit gutem Beispiel voran – und verlangt auch von seinen Fahrerkollegen mehr Engagement. Foto: dpa/Chuck Burton
Lewis Hamilton geht mit gutem Beispiel voran – und verlangt auch von seinen Fahrerkollegen mehr Engagement. Foto: dpa/Chuck Burton

Stuttgart - Lewis Hamilton gibt abseits der Formel 1 aus ehrbaren Gründen richtig Vollgas. Der sechsmalige Weltmeister hat in London an einer Anti-Rassismus-Demonstration teilgenommen. Für die meisten Mitdemonstranten war er wohl nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Mit Wollmütze, Sonnenbrille und grell-grünem Mundschutz ausgestattet ließ er sich fotografieren. Die rechte Faust streckte er in die Höhe.

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In den vergangenen Wochen hatte sich Lewis Hamilton immer wieder mit emotionalen, aber klaren Worten in die Rassismus-Debatte eingeschaltet. Seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd bei einer Polizeiaktion unterstützt der Formel-1-Star die Proteste mit Kommentaren im Internet. Weil es ihm wichtig ist. Hamilton ist inzwischen eine der großen Figuren der Bewegung. Als Weltstar des Sports sieht er sich in der Verantwortung. Auf Leute wie ihn wird gehört.

Tief beeindruckt

Die Demonstration in London hat den Mercedes-Piloten tief beeindruckt. „Das war wirklich eine bewegende Erfahrung“, sprach Hamilton und schöpfte Mut für die Zukunft. „Ich bin äußerst zuversichtlich, dass der Wandel kommen wird. Aber wir können jetzt nicht aufhören – macht weiter“, schrieb der britische Formel-1-Pilot nach seinen Eindrücken auf Londons Straßen. Begeistert hatten ihn auch die zahlreichen weißen Bürger, die sich der Demonstration angeschlossen hatten. Es gab ihm ein positives Gefühl.

Kurz nach dem schrecklichen Mord in den USA übte Hamilton Kritik an der Formel 1 – es war erst der Anfang seines großartigen Engagements. Er warf der Serie vor, ein „von Weißen dominierter“ Sport zu sein und appellierte an seine Kollegen, sich ihrer Verantwortung als Sportberühmtheiten bewusst zu werden und sich ebenso gegen Rassismus zu positionieren. Da wurden einige Fahrerkollegen, die in der Corona-Krise meist durch starke Rundenzeiten bei virtuellen Computerrennen glänzten, offenbar wach – und solidarisierten sich mit ihrem Kollegen.

Mit großer Leidenschaft

Die Leidenschaft, mit der sich der 35 Jahre alte Rennfahrer der Anti-Rassismus-Bewegung anschließt, ist vorbildlich. Sie rührt aus Hamiltons Herkunft. Die Eltern seines Vaters sind von der Karibik-Insel Grenada nach England ausgewandert. In der nördlich von London gelegenen Stadt Stevenage wurde Hamilton groß. Sein Vater musste zeitweise zwei Jobs machen, um dem rennbegeisterten Sohn eine Kartkarriere zu ermöglichen. Und in der Schule musste sich der Junge gegen Mitschüler wehren, die ihn wegen seiner Hautfarbe schlecht behandelten. Oder er schluckte die Demütigungen einfach nur runter. Hamiltons Engagement ist auch das Resultat seiner teils unschönen Kindheit. „Ich habe während meiner gesamten Rennkarriere gegen das Stigma des Rassismus gekämpft – von Kindern, die beim Kartfahren Dinge auf mich werfen, bis hin zu Fans, die mich bei einem Grand Prix 2007, einem meiner ersten Formel-1-Rennen, verspotteten“, sagt Hamilton.

Bei Worten und Gesten will es der Silberpfeil-Pilot nicht belassen. Er möchte die „Hamilton Kommission“ gründen. Sie soll gemeinsam mit der Königlichen Akademie für Ingenieurwissenschaft herausfinden, wie mithilfe des Motorsports mehr junge Schwarze für Wissenschaft, Technik und Mathematik begeistert werden könnten. Für diese Idee will er auch führende Politiker und Firmenchefs gewinnen. „Es reicht nicht aus, auf mich oder einen einzigen schwarzen Neuzugang als aussagekräftiges Beispiel für Fortschritt zu verweisen“, sagt Hamilton. Tausende von Menschen seien in der PS-Branche beschäftigt. Die Gruppe der Schwarzen müsse viel repräsentativer vertreten sein. Die Zeit der Plattitüden und Gesten, meint Hamilton, sei vorbei.

Ein widerlicher Vorfall

Dass gehandelt werden muss, zeigt auch das jüngste widerliche Beispiel: In der Garage des zurzeit einzigen schwarzen Nascar-Fahrers Bubba Wallace wurde an einer Rennstrecke im US-Bundesstaat Alabama ein Galgenstrick gefunden. „Wir sind wütend und aufgebracht und können nicht stark genug betonen, wie ernst wir diese abscheuliche Tat nehmen“, teilten die Verantwortlichen der Rennserie mit. Es werde nun alles getan, um die Schuldigen zu finden.

Wallace selbst, der sich wie Hamilton für die Bewegung „Black Lives Matter“ („Schwarze Leben zählen“) einsetzt, verurteilte den Vorfall als „verabscheuungswürdigen Akt von Rassismus und Hass“. Seine Mutter habe gesagt: „Sie versuchen nur, dir Angst zu machen“. Doch er werde daran nicht zerbrechen – sondern für das eintreten, woran er glaube: eine bessere Welt.