Formel-1-Testfahrten in Barcelona Bei Ferrari herrscht nach den Tests große Skepsis

Von Jürgen Kemmner 

Zum Abschluss der Formel-1-Tests präsentiert sich Weltmeister Mercedes trotz einiger Probleme in Barcelona schon gewohnt stark. Ferrari-Star Sebastian Vettel ist wegen mehrerer Dinge ziemlich besorgt.

Für Sebastian Vettel liefen die Testfahrten in Barcelona nicht nach Wunsch, doch der Heppenheimer hofft noch auf eine Aufholjagd bis zum Saisonbeginn am 15. März. Foto: AP/Joan Monfort
Für Sebastian Vettel liefen die Testfahrten in Barcelona nicht nach Wunsch, doch der Heppenheimer hofft noch auf eine Aufholjagd bis zum Saisonbeginn am 15. März. Foto: AP/Joan Monfort

Barcelona - Die Testfahrten der Formel 1 auf dem Circuit de Catalunya sind am Freitag zu Ende gegangen. Bei Mercedes waren sie weitgehend zufrieden, bei Ferrari weniger. Die Rundenzeiten sind zwar nicht vergleichbar, weil nur die Teams das Setup der Boliden kennen und vor allem die Benzinmenge – es gilt die Faustregel: Pro zehn Kilogramm Benzin an Bord wird das Auto rund 0,3 Sekunden pro Runde langsamer. Dennoch machte Mercedes die beste Figur.

Die Nummer eins: Mercedes

Mercedes: Der Silberpfeil W11 macht Mucken. Nicht nur einmal bremsten Motorenprobleme Weltmeister Lewis Hamilton und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas. Eine Anomalie beim Öldruck, ein elektrisches Problem an der Power-Unit, auch bei Kundenteams Williams traten zwei Motorendefekte auf. Ein defekter Motor wurde nach Brixworth zur Untersuchung geschickt. „Es ist frustrierend, wenn man nur sechs Wintertesttage zur Verfügung hat und man einen halben Tag davon in der Box steht“, klagte Technikchef James Allison.

Dann ist da noch das neue DAS-System, mit dem die Spur der Vorderreifen während der Fahrt aktiv verstellt werden können – das soll das Auto auf der Geraden ein paar km/h schneller machen. „Ich glaube nicht, dass das System so viel bringt“, meinte der elfmalige Formel-1-Pilot Karun Chandhok als TV-Experte, „aber das Auto insgesamt scheint mir unschlagbar zu sein.“ Weltmeister Hamilton zog ein nicht so euphorisches Fazit: „Die Tests waren gut, aber nicht perfekt.“

Fährt Ferrari mir gedrosselter Leistung?

Ferrari: Auch bei der Scuderia aus Maranello sind bei den Tests Motorenprobleme aufgetreten. Die versierten Beobachter waren sich einig: Mercedes und Red Bull dürften schneller sein als Ferrari. Teamchef Mattia Binotto hatte zuletzt sogar erklärt, dass seine Truppe wohl nicht für den Sieg beim Saisonauftakt in Melbourne am 15. März (6.10 Uhr MEZ/RTL) infrage kommt – noch gab Sebastian Vettel sich gelassen: „Ich bin nicht so sehr besorgt. Und wenn es so ist, dann ist es so. Das wissen wir in ein paar Wochen.“

Die Scuderia hat den Abtrieb erhöht – die Folge: In den Kurven ist der SF 1000 zwar verbessert im Vergleich zum Vorjahr, auf den Geraden aber noch zu langsam. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vermutet aber auch ein Finte und sprach davon, dass Ferrari nur gedrosselt unterwegs gewesen sei. Während Ferrari mal bessere und mal schlechtere Runden hingelegt hat, war Mercedes über alle Testtage konstanter. „Mercedes ist ganz vorne, weil sie jedes Mal, wenn sie raus fahren, schnell sind, und das mit Leichtigkeit. Andere müssen sich strecken“, sagte Vettel, „mit Sicherheit hinterlassen wir gerade nicht den allerbesten Eindruck.“

Viele Aerodynamik-Teile bei Red Bull

Red Bull Racing: Die Mannschaft aus Milton Keynes hat viele neue Teile mit nach Barcelona gebracht – vor allem am Frontflügel wurden zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Das soll mehr Abtrieb auf die Vorderachse bringen und den Luftstrom besser um die Vorderräder leiten. Auch weitere Finnen und Luftleitelemente schmücken den neuen RB 16. „Die Updates fühlen sich gut an“, sagte Pilot Alex Albon, wobei der heftige Wind die Auswirkungen schwer erkennbar gemacht hatte. Sein Teamkollege Max Verstappen kam insgesamt auf sechs Dreher oder Ausritte ins Kiesbett – immerhin wurde nichts an der Aerodynamik beschädigt.

Der rosarote Silberpfeil

Racing Point: Racing Point, ehemals Force India und künftig das Aston-Martin-Werkteam, verblüffte die Beobachter – die Piloten Sergio Perez und Lance Stroll präsentierten sich häufig auf Augenhöhe mit den großen Drei, das Auto funktionierte auf Anhieb sowohl auf einer schnellen Runde als auch im Dauerlauf. Wohl auch, weil das Team bei Motorenlieferant Mercedes ein wenig abgeschaut hat, das Auto heißt deswegen der rosarote Silberpfeil. „Wir haben ein sehr gutes Auto. Es fühlt sich völlig anders an und ist in allen Bereichen besser“, jubelte Perez. Technikchef Andrew Green strahlte über beide Backen: „Die Leute beschweren sich über uns. Das werte ich als starkes Zeichen, dass wir etwas richtig gut machen.“