Formel 1 Warum darf der Haas-Rennwagen Russlands Farben präsentieren?

Die Farbgebung des Autos von Haas-Racing erinnert sehr an die russische Flagge Foto: dpa

Das amerikanische Formel-1-Team Haas hat seinen Rennwagen in Rot, Blau und Weiß lackiert, was vor dem Saisonstart in Bahrain ein kleines Politikum darstellt – Sponsoren können den Rennställen in der Formel 1 häufig ihre Bedingungen bei der Gestaltung der Autos diktieren.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion waren Jahrzehnte erbitterte Feinde, noch heute pflegen die USA und Russland nicht die innigsten Beziehungen. Das gilt politisch wie wirtschaftlich, und selbst im Sport. Deshalb wunderten sich viele Formel-1-Fans, als der amerikanische Rennstall Haas Anfang März den Boliden für diese Saison präsentierte. In Rot-Blau-Weiß war der gehalten, und die drei Lamellen des Frontflügels rechts und links der Nase erinnerten verblüffend an die russische Flagge. Treten die Haas-Piloten Mick Schumacher und der Russe Nikita Masepin nicht nur als Rennfahrer an, sondern sind sie auch Botschafter Russlands, wenn an diesem Sonntag (17 Uhr) die Saison mit dem Großen Preis von Bahrain beginnt?

 

Was sagt das Internationale Sportgericht dazu?

Der 22 Jahre alte Deutsche dürfte sich kaum als solcher fühlen, er will sich sportlich etablieren. Und Günther Steiner sieht sich als Haas-Teamchef, nicht als russischer Diplomat im weltweiten Einsatz. „Wir müssen Sponsorenflächen verkaufen, das hat nichts mit Nationalität zu tun“, stellte der 55-Jährige klar. Ein Thema ist die Farbenlehre schon, weil laut dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) wegen russischen Staatsdopings „auf Kleidung, Ausrüstung oder persönlichen Gegenständen“ russischer Sportler „weder ein nationales Emblem noch ein anderes nationales Symbol“ abgebildet sein darf. Steiner macht sich deshalb keine Sorgen. „Es ist der Athlet, der die Flagge nicht zeigen darf“, bemerkt der Südtiroler, „das Team ist ein US-Team. Auf Nikitas Gürtelschnalle wird die Flagge nicht sein, auch am Auto nicht. Aber die Lackierung kann man nicht limitieren.“

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Was die Formel 1 und den Automobil-Weltverband (Fia) angeht, muss sich Haas nicht sorgen. Wie ein Auto daherkommt, ist Sache der Rennställe, es gibt keine exakten Regeln. Alles ist erlaubt, sofern es nicht das Ansehen der Serie beschädigt. Ein schwammiger Paragraf – aber die Farben Rot, Blau und Weiß dürften kaum dafür dienen.

Sponsoren geben viel Geld

Rennställe kommen ihren Sponsoren gerne entgegen, um ein paar Millionen Dollar mehr zu erhaschen. Manchmal sogar ziemlich weit. Als Baron Alexander Fermor-Hesketh sich sein Team um Playboy-Pilot James Hunt in den 1970ern nicht mehr leisten konnte, mussten Sponsoren her. Einer war das Männermagazin „Penthouse“, das mit freizügigen Frauen auf dem Fahrzeug warb. Oder: Als Teameigner John Surtees Geld brauchte, klebte er ohne Hemmungen 1976 Logos des Präservativ-Herstellers „Durex“ auf seine Autos. Im prüden Großbritannien wurden kurzzeitig keine Rennen übertragen. Einiges hat sich geändert, doch die Partner dürfen noch immer mitbestimmen: Racing Point malte seine Autos 2019 und 2020 Hauptsponsor BWT zuliebe Pink an.

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Die Hörigkeit hat nur einen Grund: Geld. Werbung und Sponsoring sind die dritte große Einnahmequelle der Formel 1, neben dem Verkauf der TV-Rechte und der Antrittsgebühr der Rennveranstalter. Sponsoring trug 2017 nur mit 15,7 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei, da steckt Entwicklungspotenzial drin. Rechteinhaber Liberty Media, seit 2017 am Kommandostand der Formel 1, hatte das Pech, zu einer Zeit einzusteigen, als die Abkommen mit der Schweizer Großbank UBS und Versicherer Allianz ausliefen – auch er kämpft um Millionen. Für die Teams sind Sponsoren eine wichtige Geldquelle zu den Prämien, die Liberty aus den Vermarktungstöpfen überweist und für die Platzierung in der Konstrukteurs-WM ausschüttet. Diese Partnerschaften beruhen auf Gegenseitigkeit.

Eine Steigerung um 29 Prozent

Nur ein Beispiel: Als Finanzdienstleister ING bei Renault 2007 andockte, wollte sich das Unternehmen bekannter machen. In einer Umfrage unter 16 000 Menschen gaben 25 Prozent an, sie hätten nun ein besseres Bild vom Renault-Hauptsponsor als zuvor; die Bereitschaft, mit ING Geschäfte zu machen, stieg um 29 Prozent. Der ING-Löwe war 2007 für fast vier Stunden im Fernsehen, was Platz zwei unter den Sponsoren bedeutete. Von den 115 Millionen Euro Firmenbudget flossen 35 Millionen zu Renault, der Rest wurde in Bandenwerbung investiert. Die Entscheidung, das französische Team zu unterstützen, hatte einen simplen Grund: Ferrari wollte partout nicht auf die rote Lackierung verzichten, McLaren bot schwarze Logos auf silbernem Hintergrund an – nur Renault war bereit, sein Auto in den ING-Hausfarben orange und dunkelblau fahren zu lassen.

Aus rot-grün wird rot-blau

Damit sind wir im Jahr 2021 bei Haas. Uralkali, die Firma von Nikita Masepins Vater Dmitri und Hauptsponsor des Rennstalles, hatte ein rot-grünes Logo – kurz vor der Vorstellung der Autos teilte Uralkali mit, dass das Logo nun Rot und Blau sein werde, um den „Wiedererkennungswert zu verbessern“. Wie sich manchmal Dinge fügen ...

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