Formel E Stuttgart rast in Richtung Formel E

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Nach dem Aus als Standort für die Automobilmesse IAA nimmt die Stadt Stuttgart Kurs auf ein Rennen mit Elektroboliden. Das Mercedes-E-Team begrüßt diese Idee.

Die Formel-E-Autos (vorne ein Mercedes) könnten bald auch in Stuttgart um den Sieg fahren. Foto: imago/Kräling
Die Formel-E-Autos (vorne ein Mercedes) könnten bald auch in Stuttgart um den Sieg fahren. Foto: imago/Kräling

Stuttgart - Der Versuch, sich als Standort einer neu ausgerichteten Internationalen Automobilausstellung IAA als Stadt der modernen Mobilität zu profilieren, ist gescheitert. Stuttgart blieb schon bei der Vorauswahl auf der Strecke. Nun drückt die Rathausspitze bei einem anderen Projekt aufs Gaspedal: Sie strebt an, ein Formel-E-Rennen nach Stuttgart zu holen, der der Formel 1 vergleichbaren Rennserie für Boliden mit Elektroantrieb.

Doch noch ist die Zielflagge in weiter Ferne. „Es gibt Vorgespräche mit Akteuren aus dem Umfeld der Formel E“, bestätigt Rathaussprecherin Jasmin Bühler einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Man sei aber noch weit entfernt von konkreten Verhandlungen mit dem Veranstalter, einem Konsortium verschiedener Medienunternehmen und Finanzinvestoren, und dem Motorsport-Weltverband FIA. Eine offizielle Bewerbung gebe es nicht. Die Formel E-Veranstalter wollten Stuttgart als Kandidaten nicht näher kommentieren. „Wir bleiben offen für die Möglichkeit, dass mehr als ein Rennen in Deutschland ausgetragen wird“, hieß es. „Wir erhalten viel Interesse und führen Gespräche mit Städten auf der ganzen Welt.“ Bisher ist Berlin der einzige deutsche Ausrichter eines Formel-E-Rennens.

Interesse am Rahmenprogramm

Neben dem Rennen ist die Stadt Stuttgart vor allem an dem umfangreichen Rahmenprogramm zur E-Mobilität interessiert, wie sie es schon bei der IAA-Bewerbung geplant hatte. Das Projekt ist deshalb auch nicht bei der Sportverwaltung mit Bürgermeister Martin Schairer an der Spitze angegliedert, sondern wird von der direkt dem Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) unterstellten Abteilung Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität um Michael Münter betrieben. Diese war auch schon für die IAA-Bewerbung zuständig.

„Wir sprechen momentan nur die Möglichkeiten ab, wie eine Gesamtkonzeption aussehen könnte“, sagt Bühler. Weder der Streckenverlauf noch die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen seien fixiert. „Wir stehen erst ganz am Anfang“, betont die Rathaussprecherin. Allerdings wird nicht ausgeschlossen, dass der Kurs auf dem Areal zwischen dem Cannstatter Wasen und dem Mercedes-Benz-Museum liegen könnte. Der Wasen ist als riesige Freifläche grundsätzlich geeignet, auch in Berlin, wo seit sechs Jahren Formel-E-Rennen stattfinden, wird das Areal des nicht mehr genutzten Flughafens Tempelhof in eine Rennstrecke verwandelt. Selbst eine kurvenreiche Durchfahrt durch die Mercedes-Benz-Arena wie vor Jahren bei der Motorsportpräsentation „Stars & Cars“ von Daimler und die Nutzung der Teststrecke des Autobauers wären wohl möglich. Allerdings stehen im Stadion Umbauarbeiten für die Fußball-EM 2024 an. Fragen danach wehrt die Stadt aber ab. „Die Strecke steht noch nicht fest. So weit sind wir noch nicht“, sagt Bühler. Der Rundkurs müsste nach den FIA-Regeln 2,5 bis drei Kilometer lang sein.

Allerdings sei klar, dass eine Strecke im Stadtgebiet gesucht werde – passend zum Profil der Formel E. Die Meisterschaft findet überwiegend nicht auf klassischen Rennstrecken statt wie dem Hockenheim- oder Nürburgring, sondern auf temporären Kursen in der Stadt, die eigens für die Veranstaltung abgesperrt werden. In Deutschland steht bisher nur Berlin am Sonntag, 21. Juni 2020, mit dem Flughafen Tempelhof im Rennkalender.

Einziges Formel-E-Rennen bisher in Berlin

Erstmals ist in dieser Saison auch Mercedes-Benz mit einer eigenen Mannschaft, dem „Mercedes-Benz EQ Formula E Team“ dabei. „Als Teilnehmer an der Formel E und begeisterte Fans nachhaltiger Mobilität würden wir die Idee begrüßen, auch ein Rennen der Formel E künftig hier in Stuttgart, der Geburtsstätte des Automobils, zu fahren“, sagt ein Sprecher des Formel-E-Teams. Allerdings könne man sich als Teilnehmer und Wettbewerber in der Formel-E-Rennserie nicht zu den Plänen äußern, das sei Sache der Veranstalter. Auch Porsche ist mit einem E-Team in der Serie vertreten.

In Berlin werden in diesem Jahr 10 bis 99 Euro Eintritt verlangt. Neben dem Rennen werden eine Ausstellung über E-Mobilität und das Greentech-Festival von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg geboten. Er präsentiert in einem Hangar nachhaltige technische Entwicklungen.

Rennserie profitiert von Aufschwung der E-Monilität

Die Ausrichterstädte der Formel-E wechselten in den vergangenen Jahren oft, der örtlicher Veranstalter in Bern, wo die Stadt 650 000 Franken in Rechnung stellte, machte nach Medienberichten sogar pleite. Mit dem Aufschwung der E-Mobilität wird aber auch die Rennserie immer attraktiver, sie wird ab der nächsten Saison als offizielle Weltmeisterschaft ausgetragen.

Ob die Veranstalter um den spanischen Manager Alejandor Agag überhaupt eine neue Stadt in den Rennkalender aufnehmen würden, ist allerdings offen. „Bestrebungen, nach denen das deutsche Rennen den Standort wechselt, sind vorläufig vom Tisch“, hieß es etwa vor einem Jahr in einer Fachzeitschrift . BMW und Audi, die ebenfalls in der Formel E fahren, hatten München ins Gespräch gebracht. Zu den Erfolgsaussichten Stuttgarts wollte die Rathaussprecherin nichts sagen.

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