Forschung an Ebola-Impfstoff Ein Affenvirus dient als Taxi

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Impfstoffe werden normalerweise in drei Phasen getestet. Das dauert oft Jahre – zu lange für Ebola. Daher beraten Experten der Weltgesundheitsorganisation darüber, wie man die Überprüfung beschleunigen kann. Doch ist das ethisch vertretbar?

Die Hoffnungen ruhen auf dem Impfstoff gegen Ebola von Glaxo-Smith-Kline. Foto: dpa
Die Hoffnungen ruhen auf dem Impfstoff gegen Ebola von Glaxo-Smith-Kline. Foto: dpa

Frankfurt - Im Gegensatz zum wandelbaren Aidsvirus, gegen das bis heute kein Impfstoff gefunden wurde, gibt es Aussichten, einen Impfstoff gegen Ebola zu entwickeln. Bei einem Expertentreffen in Frankfurt sagte Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI): „Das Ebola-Virus ist einigermaßen stabil, es verändert sich nicht ständig wie das Aidsvirus.“ Das Institut ist für die Genehmigung von Medikamenten in Deutschland zuständig.

Bei der Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Viruserkrankungen werden häufig genetisch veränderte Adenoviren – harmlose Schnupfenviren – als Taxi benutzt. Wenn man eines ihrer Gene eliminiert, können sie sich nicht mehr vermehren und nicht einmal mehr eine Erkältung verursachen. In derart kastrierte Viren kann man ein Protein des Ebola-Virus einschleusen. Gegen dieses Protein wehrt sich das Immunsystem und bildet Antikörper. Damit kann der Körper künftig das Ebola-Virus erkennen und sich dagegen wappnen.

Impfstoffe im Tierversuch erfolgreich

Dies hat im Tierversuch bereits funktioniert: Die Firma Glaxo-Smith-Kline (GSK) hat zusammen mit der amerikanischen Regierung einen Impfstoff entwickelt, bei dem ein Schimpansen-Adenovirus das Ebola-Protein trägt. Bei einem zweiten Impfstoff, der von der kanadischen Regierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gespendet und in Marburg mitentwickelt wurde, hat man sich für ein anderes Virentaxi entschlossen. Doch das Prinzip ist das gleiche. „Beide Impfstoffe waren im Tierversuch erfolgreich“, berichtete Cichutek. Doch der Sprung vom Tier zum Menschen müsse gut vorbereitet werden. Tierversuche könne man nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. An die Tierversuche schließen daher Studien am Menschen an – wie jetzt auch bei den beiden Ebola-Impfstoffen. Sie sollen belegen, dass der Impfstoff wirkt und sicher ist. In der Phase 1 wird der potenzielle Impfstoff an gesunden, erwachsenen und aufgeklärten Menschen getestet. „In dieser Phase geht es darum, zu untersuchen, ob das Vakzin schwere Nebenwirkungen hat und in welcher Menge es gegeben werden muss“, erklärte Marylyn Addo vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung.

Der GSK-Impfstoff wird derzeit in den USA, England, der Schweiz und Mali getestet. Der kanadische Impfstoff wird in den USA geprüft, Tests in Gabun unter der Leitung von Tübinger Tropenmedizinern und Kenia sind geplant. In den nächsten Tagen soll auch in Deutschland getestet werden, sobald alle Genehmigungen vorlägen, sagte Addo, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Studie betreut: 30 freiwillige Personen bekommen eine Spritze mit dem Impfstoff und werden über sechs Wochen hinweg beobachtet. Ihr Blut wird regelmäßig auf Antikörper untersucht, so dass man eine Aussage über die Wirksamkeit des Impfstoffes machen kann. „Einen Impfschutz haben diese Menschen aber nicht, es geht nur um die Verträglichkeit und Sicherheit des Stoffes“, betonte die Infektionsforscherin.

Ist eine Kontrollgruppe ethisch vertretbar?

Sollte sich die erste Phase als erfolgreich erweisen, wird in Phase 2 eine kleine Gruppe von Menschen geimpft, die ein hohes Risiko haben, sich mit dem Erreger zu infizieren, beispielsweise medizinisches Personal. Dann folgt die groß angelegte Testphase – Phase 3 – mit Tausenden von Menschen, die schließlich endgültig belegen soll, ob der Impfstoff tatsächlich vor dem Virus schützt. Dabei werden die Personen in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhält den Impfstoff, die andere ein Scheinmedikament. Sind nach einiger Zeit deutlich weniger der Geimpften erkrankt als in der Kontrollgruppe, gilt das als Beweis für die Wirksamkeit.

Das alles dauert normalerweise viele Jahre. Diese Zeit hat man bei Ebola nicht. Daher beraten Experten der WHO derzeit, wie man die Überprüfung beschleunigen könnten. Zu hören ist, dass man möglicherweise die zweite Phase überspringen oder gleichzeitig überlappend mit Phase 3 beginnen könnte. Aber ist es im Fall von Ebola ethisch vertretbar, einer Kontrollgruppe ein Scheinmedikament zu verabreichen? „Es ist noch vieles offen. Das Design für die Überprüfung dieser Impfstoffe muss noch in der WHO diskutiert werden“, fasste Cichutek zusammen.




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