Forschung auf Spitzbergen Das Saatgut der Welt liegt in einem gekühlten Tresor

Von Rainer Kurlemann 

Auf Spitzbergen nutzen Wissenschaftler den Permafrost, um die Samen von Tausenden Lebensmittelpflanzen zu lagern. Denn sicher ist sicher. Mancherorts sind Saatgutbanken bedroht – beispielsweise in Syrien.

Der Eingang zur Saatgutbank auf Spitzbergen Foto: Scanpix Norway
Der Eingang zur Saatgutbank auf Spitzbergen Foto: Scanpix Norway

Spitzbergen - Sieben Jahre nach der Eröffnung ist der erste von drei Lagerräumen im Saatgut-Tresor auf Spitzbergen fast voll. Die Samen von 864 309 Kulturpflanzen lagern bei minus 18 Grad in schwarzen Plastikkisten tief im Inneren eines Berges. In zwei oder drei Jahren wird der internationale Treuhandfonds zur Sicherung der Artenvielfalt (Global Crop Diversity Trust) einen zweiten Raum in Betrieb nehmen. Die drei erdbebensicheren Höhlen, tief in den Fels gegraben, dienen seit 2008 als Speicher für das Saatgut der Welt und bieten Platz für zwei bis drei Millionen Nahrungsmittelpflanzen. Ein 140 Meter langer Tunnel führt hinunter in den Global Seed Vault. Selbst wenn die künstliche Kühlung ausfiele, garantiert der Permafrost für einige Zeit gute Lagerbedingungen.

Der Treuhandfonds behandelt die Kisten wie Diplomatengepäck: Sie werden weder geöffnet noch kontrolliert. Im Schnitt werden etwa 500 Samen pro Sorte aufbewahrt. Nicht genug, um im Katastrophenfall die Bevölkerung zu ernähren, aber ausreichend, um daraus neue Pflanzen zu ziehen. Deutschland hat 42 412 Proben aus dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben beigesteuert. Viele der Sorten im Saatgut-Tresor werden auf dem Acker schon längst nicht mehr angebaut.

Hitzeresistenter Weizen aus Syrien lagert auf Spitzbergen

Der aktuell wertvollste Beitrag stammt aus Syrien. Die Saatgutbank in Aleppo mit ihren Weizensorten für heißes und trockenes Klima ist durch den Bürgerkrieg bedroht. Doch 85 Prozent des Bestandes lagern als Kopie auf Spitzbergen. Bisher musste der Fonds noch keine Kiste aus dem Tresor herausholen. Aber die Existenz von Saatgutbanken ist immer wieder bedroht: Krieg und Naturkatastrophen, manchmal fehlt schlicht das Geld für den Erhalt.

Der Treuhandfonds will bis 2016 einen Fonds mit 500 Millionen US-Dollar aufbauen, um die wichtigsten Saatgutbanken der Welt zu sichern. Mehr als 90 Prozent der Mittel stammen aus staatlichen Töpfen, aber private Sponsoren sollen in die Sicherung des Saatguts eingebunden werden. Saatgutfirmen wie Syngenta, DuPont/Pionier Hi-Bred und die deutsche KWS Saat AG gehören schon dazu. Aber der Fonds verhandelt auch mit globalen Nahrungsmittelriesen Starbucks und Nestlé.

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