Forschung im Südwesten Freiburger Eliteinstitut schafft’s auch ohne

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Die internationale Einrichtung Frias der Universität hat sich nach dem Verlust des Exzellenzstatus jetzt neu aufgestellt. Das Land Baden-Württemberg springt für den Bund ein und sichert seine Existenz bis 2017.

Im Frias können befristet angestellte Wissenschaftler aus sehr verschiedenen Disziplinen  frei  von Lehrverpflichtungen forschen. Foto: StZ
Im Frias können befristet angestellte Wissenschaftler aus sehr verschiedenen Disziplinen frei von Lehrverpflichtungen forschen. Foto: StZ

Freiburg - Das internationale Forschungskolleg der Universität Frias – kurz für Freiburg Institute for Advanced Studies – hat diese Woche ein Vorweihnachtsgeschenk bekommen, das seine Existenz bis zum Jahr 2017 sichert: Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat im Namen des Landes Baden-Württemberg 3,8 Millionen Euro Fördermittel für vier Jahre bereitgestellt. Das ist ungefähr ein Drittel des Gesamtetats für das Kolleg. Ein weiteres Drittel – 3,3 Millionen Euro – stammt aus dem Marie-Curie-Cofund-Programm der Europäischen Union. Das letzte Drittel bringt die Universität Freiburg aus Eigenmitteln auf.

„Wir fördern Frias sehr gerne“, erklärte Simone Schwanitz, Ministerialdirektorin im Ministerium von Theresia Bauer (Grüne), am 12. Dezember in Freiburg bei der Vorstellung des neuen Konzeptes von Frias und der neuen Leitung. Die Umstrukturierung der 2007 gegründeten Forschungseinrichtung war notwendig geworden, weil die Universität Freiburg im Juni 2012 in der zweiten Runde ihren Exzellenzstatus nicht verteidigen konnte. Die frühere Förderung sank für das laufende Jahr um 60 Prozent und endet zum Jahresende. Das Land ist nun eingesprungen und garantiert „den Kernbestand“, sagte die Amtschefin in Vertretung der Wissenschaftsministerin. „Das neue Konzept hat uns überzeugt“, erklärte Simone Schwanitz, „man hat die Kritik aufgenommen und so ist es auch ein wunderbares Beispiel, wie man aus Erfahrungen lernt“.

Das Konzept ist stark abgespeckt

Neu ist an dem abgespeckten Konzept die Reduzierung von vier auf zwei „Schools“ und die Konzentration auf zwei Forschungsschwerpunkte jeweils für ein Jahr. Im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich ist es die Untersuchung von „sozialen, politischen und kulturellen Transformationsprozessen in Südostasien“ – in Ländern wie Indonesien, Malaysia, Laos, Vietnam und den Phi­lippinen.

Es sind sogenannte Schwellenländer, die im Globalisierungsprozess eine große Rolle spielen. Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich nimmt man sich    die „quantenphysikalischen Grundlagen für die Entwicklung neuer Solarzellen“ vor. Mit der deutlichen Absicht, den Wirkungsgrad bei der Gewinnung von Strom aus Sonnenlicht zu verbessern.

Die Gäste am Frias heißen Fellows

Neu soll auch sein, dass sich künftig die „Fellows“ genannten Gäste von Frias, die aus aller Welt kommen, stärker oder überhaupt an der Lehre beteiligen sollen, sie sind nur noch zur Hälfte und nicht mehr ganz freigestellt und müssen Vorträge und Kurse in den Fakultäten halten. Man will auch mehr in Freiburg behalten und sie nicht nach kurzer Zeit ziehen lassen. Derzeit sind es noch 61 Fellows, 23 von außerhalb, im nächsten Jahr rechnet man mit 50. Neu werde auch sein, dass sich Frias und seine Fellows dem Dialog mit der Öffentlichkeit stellen. Dafür gibt es eine Ringvorlesung und das bereits bestehende Format „Freiburger Horizonte“ für Vorträge und Podiumsdiskussionen. In der Vergangenheit hatte es Kritik wegen der angeblichen Abgehobenheit gegeben.

„Wir arbeiten mit öffentlichen Geldern“, betonte Gunther Neuhaus, Prorektor für Forschung der Universität Freiburg, der für das Konzept verantwortlich war. Daher habe die Öffentlichkeit auch das Recht, über die Relevanz und die Ergebnisse der Forschung informiert zu werden. „Auf einem verständlichen Niveau.“ Neuhaus gehört dem neuen Frias-Direktorium ebenso an wie der Physiker Hermann Gra­bert und der Linguist Bernd Kortmann und der Geschäftsführer Carsten Dose. Das Direktorium führt die Geschäfte, ein Steuerungsgremium geleitet vom Rektor setzt sich zusammen aus Mitgliedern von innerhalb und außerhalb der Universität und trifft die Grundsatzentscheidungen zur weiteren Entwicklung.

Rektor: Der Start war nur die erste Stufe der Rakete

„Das Institut muss seinen Mehrwert immer wieder unter Beweis stellen“, fordert Unirektor Hans-Jochen Schiewer. Er ist erleichtert, dass nun zumindest für ein paar Jahre Planungssicherheit für das Lieblingskind der Freiburger Alma Mater herrscht. Den Start durch die Exzellenzinitiative sei wie die erste Stufe einer Rakete gewesen, nun seien einige Tanks abgeworfen worden, aber fliegen könne man jetzt. Damit dies auch über 2017 hinaus so bleibe, müsse allerdings die Bundesregierung in die Förderung eintreten, darin sind sich der Rektor und die Ministerialdirektorin aus Stuttgart einig. Man sei guten Mutes, denn Frias sei weltweit zu einer guten Adresse geworden und ziehe Wissenschaftler aus aller Welt an – die zum Teil sogar Fördermittel mitbrächten.