Forschung in Bayern Bayern auf neuer Titeljagd

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100 neue Professoren, 10.000 neue Studienplätze, mehr als 20 Spitzenforschungsinstitute: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will den Freistaat führend bei Künstlicher Intelligenz machen, mindestens deutschlandweit.

Markus Söder hat für Bayern und seine Forschung Großes vor. Foto: dpa/Lino Mirgeler
Markus Söder hat für Bayern und seine Forschung Großes vor. Foto: dpa/Lino Mirgeler

München - Es hat ihn mächtig gewurmt. Als Deutschland im Juli seine neuen „Exzellenz-Universitäten“ kürte, erhielt zwar auch Bayern zwei Auszeichnungen. Aber eben nur zwei. Dauerrivale Baden-Württemberg hingegen schoss mit vier Titeln am Freistaat vorbei, und selbst Berlin, das man in der bayerischen Politik alle paar Tage als Verkörperung politischer Unfähigkeit schlechthin darstellt, erzielte den Exzellenz-Status.

Drei Monate später nun, diesen Donnerstag, gab Markus Söder seine Antwort. Sie besteht in zwei Milliarden Euro. So viel an „geballter Zukunft“, kündigt Bayerns Ministerpräsident im Landtag an, werde der Freistaat ab sofort in die Hochschulreform und vor allem in die Forschungsförderung stecken. Im Mittelpunkt steht der Ausbau der Künstlichen Intelligenz. 100 neue Lehrstühle – gegenüber 20 in Baden-Württemberg – sollen diesem Thema gewidmet sein: „100 neue Professoren, 10.000 neue Studienplätze, mehr als 20 Spitzenforschungsinstitute.“

Die Schuldentilgung muss warten

Überhaupt will Söder sein Land zum „führenden Distrikt für Künstliche Intelligenz“ machen, über das ganze Land „ein Netz aus KI-Forschung“ spannen und insbesondere der Stadt München „Weltrang“ verleihen. Als weitere „Super-Tech“, so Söder, kämen Quantentechnologie, Luft- und Raumfahrt sowie „Clean-Tech“ hinzu: Bayern solle „Leitregion für innovativen Klimaschutz“ werden. „Mit und nicht gegen die Auto-Mobilität“, wie der Ministerpräsident unter dem an dieser Stelle besonders lautstarken Applaus des Landtags hinzufügte.

„Hightech-Agenda Bayern“ hat Söder über sein Programm geschrieben – für das er sogar einen bisher ehernen Grundsatz aufgibt. Eigentlich hatte Bayern bis zum Jahr 2030 seine Staatsschulden tilgen wollen; heute stellt sich – so Söder – diese „Verantwortung für die nachfolgenden Generationen“ anders dar: Im Zeitalter von Negativzinsen und einer sich abschwächenden Konjunktur seien Investitionen die bessere Wahl. Bayern wird deshalb seine Schuldentilgung nächstes Jahr von geplanten 750 Millionen Euro auf 50 Millionen Euro zurück- und auf diesem Fast-Null-Niveau fortfahren. Auf diese Weise lasse sich die Zukunftsagenda finanzieren, ohne dass anderswo eingespart werden müsse, sagte Söder.

Er räumte ein, dass manches an seinem Programm gar nicht neu, sondern längst – nicht zuletzt von ihm selbst – ohne große Auswirkungen versprochen worden war. Während ihn die Opposition im Landtag dafür als den üblichen „Ankündigungsweltmeister“ schmähte, sagte Söder am Donnerstag: Die Ideen seien eben jetzt erst ausfinanziert. „Jetzt muss es unser Credo sein, die Versprechen auch zu halten.“