Woran wird am Campus in Vaihingen geforscht?
Hildemar Mendez untersucht, wie sich Kunststoffe verhalten, die mit dem Biomüll in die Bioabfall-Behandlungsanlagen kommen und inwiefern Makrokunststoffe durch biochemische und mechanische Eingriffe in Abhängigkeit von Temperatur und Bewegung in Mikrokunststoffe umgewandelt werden.
Von Müll oder Abfall spricht sie nicht gern. „Das ist eine Ressource“, sagt sie. Denn: Aus Bioabfall könne in der Verwertung Biogas oder Düngemittel produziert werden, Glas, Metalle und Kunststoffe können recycelt wieder verwendet werden, und Müll, der verbrannt wird, liefert Energie, aus der Strom oder Wärme gewonnen werden kann. Trotzdem sagt sie: „Der beste Abfall ist der, den wir nicht produzieren.“ Also nur das zu kaufen, was verbraucht wird, wo immer möglich auf Mehrweggebinde zu setzen und Kaputtes zu reparieren, statt wegzuwerfen.
Mendez Forschungsschwerpunkt liegt bei Bioabfällen. Sie erklärt, warum Biokunststoffe nicht in die Biotonne gehören, auch, wenn sie als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind.
Was sind Bioabfälle und wie dürfen sie entsorgt werden?
Bioabfall bezeichnet Stoffe tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sowie aus Pilzmaterialien. Sie dürfen in Stuttgart in der Biotonne oder auf dem Hauskompost entsorgt werden. Dazu zählen Essensreste, Küchenabfälle sowie Grüngut aus dem Garten. Eierschalen und Knochen dürfen ebenso in die Biotonne wie Kaffeefilter aus Papier. Auf der Internetseite der Stadt unter www.stuttgart.de/service/entsorgung steht im Detail aufgelistet, was wo entsorgt werden darf.
Was bedeutet biobasiert, biologisch abbaubar und kompostierbar?
Kunststoffe, die als biobasiert deklariert sind, sind teilweise aus Biomasse hergestellt, zum Beispiel aus Mais und Zuckerrohr, informiert das Umweltbundesamt. Sie sind aber nicht zwangsläufig auch biologisch abbaubar. „Biologisch abbaubare Kunststoffe hingegen sind Kunststoffe, die sich unter bestimmten Bedingungen zersetzen und beim Abbau nichts als CO2 und Wasser hinterlassen“, erklärt das Umweltbundesamt auf seiner Homepage. Sie müssen allerdings nicht biobasiert sein, sondern können auch aus fossilen Rohstoffen bestehen.
Kompostierbar sind Stoffe, die biologisch abbaubar sind, also sich in Bestandteile zersetzen, die in der Natur vorkommen, informiert der WWF. Allerdings bezieht sich der Abbau auf optimierte Bedingungen wie in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen, nicht auf den Haus- und Gartenkompost.
Wie werden Mikrokunststoffe definiert?
Mikroplastik beschreibt Teilchen, die maximal fünf Millimeter messen. „Man unterscheidet primäre und sekundäre Mikrokunststoffe“, erklärt Hildemar Mendez. Primäre Mikrokunststoffe vom Typ A werden bereits in der Herstellung erzeugt und sind zum Beispiel in Kosmetika zu finden. Mikrokunststoffe vom Typ B entstehen erst in der Nutzungsphase, wie durch den Abrieb von Reifen oder beim Waschen freigesetzte synthetische Fasern.
„Sekundäre Mikrokunststoffe entstehen, weil sie falsch entsorgt worden sind“, sagt Mendez. Makroplastik, welches in der Umwelt landet, wird durch UV-Licht, Wind, Feuchtigkeit und Bewegung zu Mikroplastik zersetzt „und gelangt dann ins Wasser, in die Luft und in die Böden“, sagt Mendez.
Warum ist Mikroplastik schädlich für die Umwelt?
Gelangt Mikroplastik in die Umwelt, könne es von Organismen aufgenommen werden. Verschiedene Studien hätten ergeben, dass Organismen wie Fadenwürmer, die Mikrokunststoffe aufgenommen hätten, in ihrem Wachstum und ihrer Fortpflanzung gehemmt sind. Die Forschung arbeitet derzeit daran, herauszufinden, inwieweit Mikrokunststoffe über die Böden in unsere Nahrung gelangen.
Warum sollte Biokunststoff nicht in die Biotonne?
Auch, wenn sie als biologisch abbaubar oder kompostierbar gekennzeichnet sind, rät Hildemar Mendez davon ab, Biokunststoffbeutel in der Biotonne zu entsorgen. Auch die AWS bittet darum, keine Kunststoffbeutel in die Biotonne zu werfen. In ihrem Labor an der Uni Stuttgart hat Mendez drei Anlagen aufgebaut; in einer kompostiert sie Biomüll, in den anderen beiden wird er vergärt. Die Forscherin untersucht, wie sich Biokunststoffe verhalten und sich zersetzen.
Kompostieranlagen produzieren Kompost in drei bis zwölf Wochen, je nach gewünschter Qualität des Komposts. Die Vergärung von Biomüll zu Biogas dauert in der Regel drei Wochen. Zu wenig Zeit, um Biokunststoffe abzubauen, sagt Mendez. „Nach zwölf Wochen konnte ich noch Mikrokunststoffe im kompostierten Abfall nachweisen“, sagt sie. Diese würden also über den Kompost in die Böden gelangen. Besser sei es also, Biokunststoffbeutel im Gelben Sack zu entsorgen. Auch davon, die Beutel auf dem Kompost im Garten zu entsorgen, rät Mendez ab. Dort würde in der Regel nicht die Temperatur erreicht, die nötig sei, um die Kunststoffe zu zersetzen.
Es werde derzeit viel an Biokunststoffen geforscht, möglich also, dass bald Produkte verfügbar sind, die sich schneller zersetzen und damit für die Kompostier- und Vergärungsanlagen geeignet sind. „Aber die Produkte, die es heute gibt, würde ich nicht in die Biotonne geben“, sagt Mendez.