Forschung in Stuttgart Er macht aus Robotern ein Team

Erst während seines Studiums hatte Aamir Ahmad intensiven Kontakt mit Computern – seitdem aber dafür um so mehr. Ließe sich diese Technologie missbrauchen? Foto: privat
Erst während seines Studiums hatte Aamir Ahmad intensiven Kontakt mit Computern – seitdem aber dafür um so mehr. Ließe sich diese Technologie missbrauchen? Foto: privat

Aamir Ahmad, Juniorprofessor an der Universität Stuttgart, forscht an der autonomen Interaktion zwischen fliegenden Maschinen.

Vaihingen - Drei drohnenartige Flugobjekte schwirren über einem Wissenschaftler, der sich frei durch die Landschaft bewegt. Sie kreisen, halten inne, positionieren sich neu. Dass es sich um komplex interagierende Roboter handelt, wird erst offenbar, als Aamir Ahmad das Ergebnis des Formationsfluges zeigt: Eine Rekonstruktion der Person und ihrer Bewegungsabläufe. Ahmad, Jahrgang 1986, bekleidet eine neue Junior-Professur für Flugrobotik am Institut für Flugmechanik und Flugregelung der Universität Stuttgart. Parallel leitet er weiterhin Forschungsprojekte am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen, wo er zuvor tätig war. Langfristiges Ziel sei es zu verstehen, wie Roboterteams effektiv navigieren, kooperieren und untereinander kommunizieren könnten, fasst der promovierte Elektro- und Computertechniker zusammen.

Wer vermutet, der gebürtige Inder habe schon als Jugendlicher eifrig an Robotern gebastelt, liegt falsch: „Den ersten intensiven Kontakt mit dem Thema hatte ich erst am Indian Institute of Technology in Kharagpur, wo ich Bauingenieurwesen studierte und mich zusätzlich damit befassen konnte“, blickt er zurück. „Vorher kannte ich Roboter nur aus Büchern und Filmen.“ Das indische Bildungssystem lasse wenig Luft für Interessen neben dem Lernstoff, so der 34-Jährige. Alles drehe sich um Spitzennoten, um an die besten Universitäten zu kommen. Er selbst habe immer gern gelernt und sei gut mit dem Druck klargekommen. Vielleicht habe es aber zu seiner Begeisterung für Robotik beigetragen, dass er während des Studiums erstmals habe überlegen können, was er wirklich wolle.

Zunächst trainierte er elektronische Fußballspieler

Aus dem Nebenfach des Ingenieurs wurde sein Spezialgebiet. Ehe Ahmad sich mit Tracking und Lokalisierung aus der Luft befasste, trainierte er elektronische Fußballspieler. „Das ist komplexer, als es klingt“, erklärt er. „Der Roboter weiß anfangs nicht, was ein Ball ist oder in welchem Raum er sich bewegt. Er muss erst herausfinden wo er eigentlich steht oder der Mitspieler. Dann geht es mit der Interpretation von Aktionen und Situationen weiter.“ Die Arbeit mit kommunizierenden Flugrobotern fußt auf den beim Ballsport gesammelten Erfahrungen. Viele Fragen seien ähnlich, sagt Ahmad, der seinen Doktortitel in Lissabon erworben hat. Allerdings seien eine Menge neuer Gesichtspunkte hinzugekommen. „Wie verfolge ich ein bewegliches Ziel, etwa ein Tier, am besten? Wie viele Roboter setze ich idealerweise ein? Wie gehe ich mit der limitierten Batterieleistung um?“, benennt er einige. „Wie lernen Roboter einen geeigneten Landeplatz zu erkennen?“ Ahmad möchte die fliegenden Maschinen so weit bringen, dass sie zusammenarbeiten. Teilweise ohne Signale auszutauschen. Sie sollen lernen, zu beobachten, was das Gegenstück tut und es richtig interpretieren. Man versuche dabei, aus der Sicht des Roboters zu denken, nicht von der menschlichen Wahrnehmung her. Der Juniorprofessor schildert die Vision der Beobachtung eines Zebras aus der Luft bis hin zur richtigen Deutung der Körperhaltung. Das ist faszinierend.

Er will Chancen und Entwicklungen von neuen Technologien aufzeigen

Ließe sich die Technologie aber nicht leicht missbrauchen, um Menschen zu überwachen? Solche Bedenken begegnen Ahmad immer wieder. „Meiner Meinung nach sollte man offen mit ihnen umgehen“, zeigt der Experte Verständnis. „Es gilt, Chancen und Gefahren jeder Entwicklung abzuwägen. Ich denke, die Chancen überwiegen.“ Ein Beispiel: Flugroboter könnten bei der Suche nach Verunglückten helfen. Wissenschaft müsse transparent sein, fordert Ahmad. Das schließe auch ein, über Hürden zu sprechen. „Wenn ein Verschwörungstheoretiker unkt, wir würden von Drohnen überwacht, glaubt das nur, wer die mit der Realisierung verbundenen technischen, praktischen und rechtlichen Herausforderungen nicht kennt“, ist er sich sicher.

Ahmads Fokus wird weiterhin darauf liegen, die Kommunikation im Roboterteam zu fördern. „Es ist aufregend, die Arbeit an der Universität durch meine Projekte ein Stück weit prägen zu können“, stellt er fest. „Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit Professorinnen und Professoren aus der Luft- und Raumfahrttechnik aber auch aus anderen Disziplinen wie der Geodäsie und darauf, etwas von meiner Begeisterung an die Studierenden weitergeben zu können.“




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